An „Industrie 4.0“ kommt niemand vorbei

Prof. Ulrich Lehmann (7. v. l.) hat gemeinsam mit Kollegen, Studierenden und Kooperationspartnern aus der Wirtschaft das Podiumsgespräch im Rahmen der Ringvorlesung „Industrie 4.0 – Internet der Dinge“ organisiert.
Prof. Ulrich Lehmann (7. v. l.) hat gemeinsam mit Kollegen, Studierenden und Kooperationspartnern aus der Wirtschaft das Podiumsgespräch im Rahmen der Ringvorlesung „Industrie 4.0 – Internet der Dinge“ organisiert.
Foto: IKZ
Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren sich einig: Heimische Unternehmen haben noch viel in diesem Bereich zu tun.

Iserlohn..  „Industrie 4.0“ geht jedes Unternehmen an. Die Wirtschaft in Südwestfalen muss Schritt halten mit der zukünftigen Form der Industrieproduktion, die gekennzeichnet ist durch eine starke Individualisierung der Produkte, hergestellt unter den Bedingungen einer hoch flexiblen Großserien-Produktion. Darin waren sich die Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft einig. Die Fachhochschule Südwestfalen hatte im Rahmen ihrer öffentlichen Ringvorlesung zum Thema „Industrie 4.0 – Internet der Dinge“ zu einem Podiumsgespräch ins Iserlohner Audimax eingeladen.

Rahmenbedingungen undStrategien sind erforderlich

„Industrie 4.0“ wird nicht nur die Produktions-, sondern auch die Geschäfts- und Arbeitsprozesse verändern. Die neue Arbeitswelt benötigt Spielregeln, geeignete politische Rahmenbedingungen und gemeinsame regionale Strategien. Für staatliche Regulierungen mit Augenmaß sprach sich der Bundestagsabgeordnete Dr. Matthias Heider aus: „Wir dürfen die Chancen, die eine solche Technologie beinhaltet, nicht behindern, wir müssen den richtigen Kurs festlegen.“ Heider plädierte im Einklang mit allen Gesprächsteilnehmern für einen flächendeckenden Breitbandausbau in Südwestfalen als Voraussetzung für die Umsetzung von „Industrie 4.0“. Die Unternehmen in der Region, so seine Beobachtung, bereiten sich vor.

Dies bestätigte auch Andreas Lux, Vize-Hauptgeschäftsführer der SIHK, der die Ergebnisse einer Kammerumfrage vorstellte. Er wies darauf hin, dass bislang eine Definition dessen, was unter „Industrie 4.0“ zu verstehen sei, fehle, ebenso Standards in Sachen Daten- und Rechtsschutz. Am Beispiel der Region Ostwestfalen-Lippe stellte Uwe Lück vom VDI-Bezirksverein OWL das Netzwerk „It’s OWL“ vor: „Damit möchte wir unsere Industrie fit machen für ,Industrie 4.0’.“

Dass die Zeit drängt, verdeutlichte auch Dr. Mikko Börkirchner von Metall NRW: „Der ,Industrie 4.0’-Zug ist 2010 losgefahren, in der ersten Klasse sitzen schon die Internet-Firmen. Die produzierenden Unternehmen müssen in den Zug rein“. „Die bisherigen Konzepte berücksichtigen hauptsächlich die Bedarfe der IT- und Großindustrie“, sah Prof. Dr. Bernd Engel von der Universität Siegen Gegensätze zu den Interessen der heimischen mittelständischen Industrie, die andere strategische Interessen verfolge. „Wir müssen uns als Modellregion formieren, die Bedürfnisse der Unternehmen vor Ort aufgreifen und Umsetzungspotenziale in den drei, die Region Südwestfalen prägenden Branchen Anlagenbau, Automotive und Gebäudetechnik erarbeiten“, so seine Forderung. Die Hochschulen möchten in diesem Prozess eine aktive Rolle einnehmen. „Wir stehen für die Industrie Gewehr bei Fuß“, versprach Prof. Dr. Erwin Schwab von der FH Südwestfalen und verwies auf die zahlreiche Aktivitäten sowie den Transferverbund Südwestfalen, der Hochschulen und Unternehmen verbindet. Die Hochschulen seien auch im Bereich der Qualifizierung angesprochen, ergänzte Lux.

Weitere Veranstaltungenrund um das Thema folgen

Deutlich wurde, dass auf dem Weg zu „Industrie 4.0“ noch viele Herausforderungen zu meistern sind. Die Qualifikationsanforderungen an die Beschäftigen steigen, die Entgeltgestaltung muss sich den gehobenen Anforderungen anpassen, es werden mehr Fachkräfte im IT-Bereich benötigt und auch die Arbeitszeiten müssen flexibler werden. Die Veranstaltung machte aber auch deutlich, dass sich die Akteure in Südwestfalen formiert haben. Ein gut funktionierendes Netzwerk von Wirtschaft und Wissenschaft, Kammern und Verbänden wird das Thema weiterentwickeln. Die von Prof. Ulrich Lehmann organisierte Ringvorlesung ist ein Schritt, weitere Industrieveranstaltungen zu diesem Thema in der Hochschule und der SIHK werden folgen.

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