An Besonderheiten arbeiten
11.06.2010 | 17:21 Uhr 2010-06-11T17:21:00+0200
Iserlohn.Wenn der Begrüßungshändedruck auf den zukünftigen Führungseinsatz des neuen Privatbrauerei-Geschäftsführers Lars Junker schließen lässt, dann dürfte für die nächste Zeit im Grüner Tal aber so einiges zu erwarten sein.
Vier Arbeitstage ist der gebürtige Weseler in Amt und Würden, als er die Heimatzeitung zum ersten Gespräch empfängt. Und es ist auch noch in der Tat ein bisschen wie am Tag nach einem Umzug. Zwar stehen die Möbel schon, aber die Kartons, genauer das Wissen um das Was und Wie, sind noch nicht einmal ausgeräumt. Als er einen Kaffee bestellen will, muss er erst einmal auf eine schlaue Liste gucken, um zu ergründen, wen man denn da im Haus mal fragen könnte. Aber das ist egal, Lars Junker hat eine Mission und für die lebt und arbeitet er jetzt ab sofort offensichtlich „volle Pulle“.
Damit das klar sei, eröffnet er die erste Gesprächsrunde. „Die Vergangenheit interessiert mich nicht.“ Damit meint er in erster Linie aber wohl die Iserlohner-Geschichte seines Vorgängers Christian Rolinck, die in der letzten Woche ein so überraschend schnelles Ende nahm. Er kenne ihn aus einigen eher zufälligen Zusammentreffen auf Branchenveranstaltungen, aber ein Urteil könne er sich deswegen noch lange nicht erlauben. Nur einmal lässt Junker vielleicht einen kleinen Blick unter die Gedanken-Decke zu: „Das heutige Biergeschäft ist nichts für schwache Nerven und zu gute Menschen. In diesem Geschäft wird gezockt. Und da musst Du mitzocken können, sonst wird das nix. Sonst gehst Du unter.“
Dass er das kann, steht für den Mann, der eigentlich sein Leben lang immer nur Getränke im ganz großen Stil verkauft hat, außer Frage. Er sei ja unter anderem bei der König-Brauerei gewesen, dann bei der Holsten und schließlich bei der Bitburger, habe bundesweite Verantwortung getragen. Aber seine Liebe habe eigentlich immer den Privatbraureien gegolten: „Bier muss nämlich eigentlich nach meinem Verständnis in der Region für die Region gemacht werden.“
Das erklärt vielleicht auch ein wenig, wie es überhaupt zur Zusammenarbeit zwischen ihm und Gerd Heutelbeck gekommen ist. Lars Junker ist ja - wie berichtet - auch noch Mitinhaber und Geschäftsführer eines Abfüll-Dienstleistungsbetriebs in Wesel. „Aber der Laden ist eigentlich bis unters Dach voll, die 38 Leute da machen einen guten Job. Und ich muss mich da nicht mehr wirklich quälen.“ Also war eben auch Zeit, sich mal wieder auf dem Gebiet der Privatbrauereien umzusehen. „Die Iserlohner kannte ich aus Bekanntschaft mit Peter Michaelis und Christian Ilske schon länger. Und aus der Branche wusste ich zudem, dass das Iserlohner Unternehmen eine prima Ruf hat.“ Und so muss man wohl nicht lange kombinieren, wie es kam, dass er den Vertrag mit Iserlohner-Besitzer Gerd Heutelbeck unterzeichnet. Der war offenbar aus Sorge um eben diesen guten Ruf beziehungsweise um die guten Zahlen auf der Suche nach einer Neuaufstellung der Geschäftsleitung. Junker: „Plötzlich ging das alles dann sehr schnell.“
„Das bedeutet aber auch, dass jetzt niemand von mir ein ausgefeiltes Konzept erwarten darf,“ sagt Lars Junker. Zumal er sich auch nicht als Retter oder Sanierer verstehe. „Meine allererste Aufgabe ist, die Privatbrauerei Iserlohn mit ihrer Kernmarke Iserlohner zu stabilisieren.“ Das sieht er nämlich nicht als Widerspruch. „Dem Unternehmen geht es vom Grundsatz her gut. Aber es wird nicht einfach sein, das auf Dauer überhaupt sicherzustellen, also die gleiche Menge Bier zu verkaufen und vielleicht sogar noch etwas mehr erlösen zu können.“ Da hat er dann auch ein kleines Lob am Rande für den Vorgänger parat: „In so schwierigen Zeiten die Marke überhaupt in dem Preissegment zu halten, ist schon eine Leistung.“
Marke und Marke machen - diese Stichworte werden den Lars Junker wohl von nun an bei jedem Atemzug und noch so kleinen Gedankenweg begleiten. Er ist wild und fest entschlossen, Iserlohner Pilsener wieder zu „dem“ Bier der Region um Iserlohn herum zu machen. „Glauben Sie mir, diese Marke hat eine Riesenchance!“ Das tatsächliche Kerngebiet zu definieren, sei dabei eine seiner ersten und vornehmsten Aufgaben. Gefolgt vom „Häuserkampf“, in den er sich und seine Mitarbeiter verstärkt schicken will. „Wir müssen die Gastronomie-Szenerie genau analysieren und neu beackern. Und zwar mit mächtig viel Druck. Dafür müssen die Mitarbeiter die Köpfe freibekommen.“
Schließlich habe er für die Zukunft auch noch mögliche Synergien, die sich auf dem Markt der regionalen Brauer bieten würden, im Fokus. Aber alles soll eben nicht mit der Brechstange, sondern mit dem Blick für das Machbare und das Sinnvolle geschehen. Man müsse schließlich nicht jeder Marketing-Eintagsfliege hinterherlaufen oder bereits gesättigte Märkte angreifen. „Als Privatbrauerei wollen wir eben ganz besonnen an Besonderheiten arbeiten.“
Richtige Vorfreude herrscht bei Lars Junker offenbar auch darüber, die Brauerei offensiv nach außen zu vertreten. „Obwohl man das auch auf den Schultern einer guten Mannschaft verteilen kann und sollte.“ Aber für sich selbst sieht er da ohnehin überhaupt keine Probleme. Es solle ja nicht überheblich klingen, aber er käme nun mal mit eigentlich jedem Menschentyp klar. Seine Ehefrau hat ihm dabei auch Unterstützung signalisiert. „Nicht nur, dass ich sie gern um mich habe. Die Repräsentanz in der Öffentlichkeit ist auch eine Gemeinschaftsaufgabe.“
Gibt es denn überhaupt schon einen ersten Eindruck von Iserlohn außerhalb des Grüner Tals? „Gibt es. Ich war mit Gerd Heutelbeck in der Fußgängerzone. Branchenmix und auch Gastro-Szene haben mir gut gefallen. Ich war zwar noch in keinem Laden drin, aber von außen war ich schon mal schwer beeindruckt.“
23:49
Es wäre schön, wenn man Qualität für diesen Preis erhalten könnte. Für das Geld kriegt man Budweiser im Angebot. Oder Pilsner Urquell. So gut ist das Iserlohner lange nicht.
21:48
Wäre schön, wenn es wieder den teilbaren Kasten geben würde, den irgendein Idiot abgeschafft hat.
10:16
Erst einmal an der Qualität arbeiten die in der letzten Zeit, leider, sehr am schwanken war.
20:51
Vielleicht gibt es dann mal wieder ein lecker Bierchen .....