Am Anfang war immer das „Herrengedeck“
14.01.2013 | 17:08 Uhr 2013-01-14T17:08:00+0100
Iserlohn. Hartmut Tripp erinnert sich an die Iserlohner Institution in Sachen gehobener abendlicher Unterhaltung.
Schon am Rande des Neujahrsempfangs der Stadt im Parktheater war es am Samstag ein fröhliches Thema: Die Geschichte des Café Hübner an der Unnaer Straße. Begriffe wie „Herrengedeck“ und „Ober im Frack“ machten immer wieder die Runde. Gerd Heutelbeck ergänzte am Rande: „Mit der Hübner-Geschichte und den Storys aus unserem B&U-Erfrischungsraum könnte man wahrscheinlich in Iserlohn Bücher füllen.“
Vermutlich, denn auch an Meldungen in der Redaktion mangelt es seit dem Wochenende wahrlich nicht. Wir werden in den nächsten Tagen also versuchen, in Wort und Bild einen kleinen Erinnerungsbogen zu schlagen und mit dem einen oder anderen „Zeitzeugen“ zu sprechen.
Zur grundsätzlichen Erhellung mögen vielleicht zunächst einmal die Zeilen von Hartmut Tripp dienen, der natürlich unter ganz speziell musikalischen Aspekten an „Hübner“ denkt:
Der Sohn von Macky Kasper?
„Um das Café Hübner gibt es manche Erinnerung. Jahrzehntelang war es für Iserlohn ,die’ abendliche Adresse für gehobene Ansprüche. Für uns ,junge Bengels’ - in den 1960er Jahren alle so um die 20-30 herum, die den Jazz für sich entdeckt hatten, war es das Lokal mit den weißen Tischdecken, den dicken Teppichen und unerschwinglichen Preisen, aber mit den erweiterten Öffnungszeiten. Serviert wurde im Frack. Für männliche Besucher gab es Krawattenpflicht. So kam es, dass wir nur ,ab und zu’ – und dann auch in gehobener Laune - den Weg in die Unnaer Straße fanden, wo es dann am Dicken Turm (um die Ecke) einen relativ unscheinbaren Eingang gab.
Weil wir nicht viel auf der Tasche hatten, ging bereits die Eingangsbestellung an unsere Grenzen. Das ,Gedeck’ war Pflicht: Piccolo und Bier. Das mussten wir uns schön einteilen oder darauf warten, dass uns jemand mal einen ausgab. Außer der besagten gehobenen Laune gab es aber noch einen anderen Grund zur Einkehr: Bei Erich Hübner (er selbst war Berufsmusiker gewesen) spielte allabendlich eine echte Live-Band (fünf bis sieben Musiker, manchmal mit Sängerin), die etwa alle vier bis sechs Wochen wechselte. Da gab es dann eine kleine gediegene Tanzfläche mit einer spiegelnden Drehkugel (heute Disco-Kugel), auf der man einen Tango, Cha-Cha, Rumba, Foxtrott usw. hinlegte.
Einmal hieß es, dass der Sohn von Macky Kasper dort spielte – wir nichts wie hin. Man muss wissen, dass Macky Kasper (1922 – 1968) ein erstklassiger Trompeter aus der damaligen DDR war. Also: den leibhaftigen Sohn dieses berühmten Jazzmusikers kennenzulernen, das war schon interessant für uns. In der Tat entpuppte sich der junge Gitarrist Harry James Kasper (so hieß er wirklich) als netter Typ, der dankenswerterweise auch sehr auskunftsfreudig war.
Manchmal bestellte sich jemand auch etwas zu essen. In Erinnerung sind mir da die duftenden halben Hähnchen. Aber die waren ohnehin für uns (trotz nächtlichen Kohldampfs) in unerreichbarer Ferne. Aber so ein Nachtlokal wie das Café Hübner – übrigens Lichtjahre entfernt von jeglicher Rotlichtatmosphäre wie sie heute gang und gäbe ist - mit Livemusik hatte nun mal seine Preise. Das haben wir aber erst richtig begriffen, als es dann überall vorbei war mit der schönen Zeit der Live-Bands.“
Natürlich freut sich die Heimatzeitung auch noch über weitere Erinnerungen. Gibt es zum Beispiel noch die Hübner-Ehe, die bis heute gehalten hat? Oder Hübner-Freunde? Die Hübner-Hotline lautet weiterhin Tel. 02371/822-221 oder red.iserlohn@ikz-online.de.
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