Alles was das „Rocky“-Herz begehrt

Léon van Leeuwenberg bot als Dr. Frank N. Furter eine Super-Show. Vom Thron aus hat „der Meister“ seinen bizarren Hofstaat von Außerirdischen des Planeten Transsexual fest im Griff.
Léon van Leeuwenberg bot als Dr. Frank N. Furter eine Super-Show. Vom Thron aus hat „der Meister“ seinen bizarren Hofstaat von Außerirdischen des Planeten Transsexual fest im Griff.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Bei der „Rocky Horror Show“ vom Landestheater Castrop-Rauxel fliegen Reis und Klopapierrollen durch das ausverkaufte Parktheater wie in alten Tagen.

Iserlohn..  Der Grund, warum Brad und Janet seinerzeit nach ihrer nächtlichen Autopanne an die Tore des düsteren Schlosses von Dr. Frank N. Furter geklopft haben, ist ja der, dass sie das Telefon des leicht exzentrischen Wissenschaftlers benutzen wollten, um Hilfe zu rufen. Das muss man den jüngeren Lesern natürlich erklären. Damals, als die „Rocky Horror Show“ Premiere feierte, das war 1973, gab es noch keine Handys. Wer einen Notfall hatte, musste also zum nächst gelegenen Haus laufen, in der Hoffnung, dass der Besitzer einen Festnetzanschluss (damals noch mit Schnurtelefon und Wählscheibe) hat und ihn auch telefonieren ließ, was damals noch recht kostspielig war. Flatrates gab es nämlich auch noch nicht.

Happening für echte Rocky-Fans

Das ist so lange her, dass es schon kaum noch wahr ist, und das Schnurtelefon ist längst ausgestorben. Wasserpistolen und Klopapierrollen, Strapse und Barock-Perücken sind es aber glücklicherweise nicht. Sie haben die vergangenen vier Jahrzehnte unbeschadet überlebt – und mit ihnen der Kult, der um das schrille Rock-Musical getrieben wird. Es gibt wohl kaum ein Bühnenwerk, bei dem sich das Publikum so sehr einen eigenen Spaß draus macht, wie die „Rocky Horror Show“. Und so sah es dann auch am Dienstag im voll besetzten Parktheater aus. So richtig verkleidet war zwar nur eine Hand voll der Besucher, an Reis, Wasserfontänen und die Klopapierschlacht hatten aber doch erstaunlich viele gedacht, so dass die Aufführung des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel zu einem Happening für Rocky-Fans und ein ziemlich überraschendes Spektakel für unvorbereitete Abo-Kunden wurde, bei dem am Ende aber alle zusammen richtiggehend ausflippten und sich, das Stück und das Ensemble lautstark feierten und Zugaben forderten.

Live-Musik mit tollenTypen auf der Bühne

Bei so einem Publikum, das es ja vermutlich in jeder westlich geprägten Stadt dieser Welt gibt, musste das Landestheater im Grunde das Rad nicht neu erfinden und sich auf der Suche nach dem neuen Dreh verbiegen. Das sollte man bei einem solchen Kult-Stück auch tunlichst lassen, was das Ensemble glücklicherweise auch tat. Es kommt im Grunde nur auf zwei Dinge an: Die Typen und die Musik – und beides war bestens. Die Musik kam live von einer über der Bühne thronenden Band, und die Typen, allen voran ein glänzender Dr. Frank N. Furter und ein noch goldig-glänzenderer Rocky, waren durch die Bank eine Show für sich und haben einen Riesen-Spaß gemacht – fast so viel wie das Publikum, für das es schon nach dem „Time Warp“ in der anfänglichen Aufwärmphase des Stückes kaum noch ein Halten gab.