Alle wussten ja, dass er einer von ihnen war

Die Erinnerungen an Hans H. Schneider sind überaus vielfältig. Viele Menschen werden ihr eigenes Bild haben. Für den IKZ ließ er sich so fotografieren.
Die Erinnerungen an Hans H. Schneider sind überaus vielfältig. Viele Menschen werden ihr eigenes Bild haben. Für den IKZ ließ er sich so fotografieren.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Zum Tod von Hans H. Schneider der Versuch, ein Leben für die Bilder-Kunst in Worten zu beschreiben

Iserlohn..  Die heimische aber auch überregionale Kunst- und Zeitungswelt ist um einen außergewöhnlichen „Mitwirkenden“ ärmer. Hans H. Schneider (71), Bildjournalist, künstlerischer Fotograf und visueller Tausendsassa ist zu Wochenbeginn nach schwerer Krankheit in einem Mendener Krankenhaus verstorben.

Auch wenn uns das Schicksal rund 25 Berufsjahre auf gleichen Wegen führte – Worte des Nachrufs und der Würdigung an dieser Stelle zu finden, ist heute nicht leicht. Zu reich an Facetten und Kurven war wohl das Leben des gebürtigen Iserlohners Hans H. Schneider, als dass es hier und jetzt noch einmal in aller Vollständigkeit niedergeschrieben werden könnte.

Fast 40 Jahre für den IKZ gearbeitet

Natürlich war und ist da an erster Stelle die Erinnerung an seine Zeit als Bildjournalist beim Iserlohner Kreisanzeiger. Fast 40 Jahre lang stand er in Diensten der Heimatzeitung, verantwortete über zwei Jahrzehnte die Arbeit der hauseigenen „Bildanstalt“. Er war überaus gern gesehener Gast auf allen großen und kleinen Terminen und Themen, zu denen die Redaktion geladen wurde oder zu denen sie sich aus journalistischem Interesse auch immer wieder selbst einlud. Und weil er für viele Menschen einfach zum öffentlichen Leben dazugehörte, war er eben auch immer wieder der „Hänsken“, für ihn ohne Frage ein gern getragener Ehrentitel der bekundeten Sympathie. Wenn Hans Schneider vor Ort im Dienst oder am Abend beim kleinen „Pilsken“ auf Leser und Bürger der Region traf, merkten sie schnell, dass er stets einer von ihnen war, dass er das, was er machte, für sie machte. Hans hatte immer Zeit für ein „Pröhlken“ am Rande, für einen Scherz oder auch ein mitfühlendes Wort. Er konnte lachen, weinen, loben, schimpfen. Er war durch und durch ein Mensch.

Und Hans Schneider hatte stets den Blick für das journalistisch Besondere. Er legte immer wieder Bilder auf den Redaktionstisch, die bereits eine ganz eigene Geschichte erzählten. Die Geschichte des Moments und ihres Fotografen eben. Die Geschichte, dass auch journalistische Fotografen wie er – ob lokal oder international unterwegs – eben nicht nur die „Knipser des Tagesgeschäfts“ sind, sondern kreativ-bedeutsame Autoren eines unverzichtbaren Zeitungsteils.

Zwei kleine Mosaik-Geschichten aus eigenem Erleben seien erlaubt. Sie erklären Hans nicht, aber sie werfen ein Blitzlicht auf ihn. Als ganz junger Kollege durfte/sollte ich ihn zum Medice-Reitturnier begleiten. Er kannte auf dem Pütter-Gelände - gefühlt - jeden Menschen, Besucher wie Reiter. Wir nahmen auf der Ehrentribüne Platz, er wie selbstverständlich, ich ehrfurchtsvoll. Plötzlich stand Hans-Günther Winkler vor uns. Hans sprach mit ihm, als hätten sie ein gemeinsames Pferd im Stall. „Hans-Günther, ich habe da eine Bitte,“ sagte Hans Schneider, „ wenn Du gleich über das Hindernis da vorn auf mich zugesprungen kommst, dann hältst Du über dem Balken kurz an und wirfst die Mütze in die Luft. Ich soll nämlich ein schmales, ganz hohes Foto mitbringen.“ Winkler stutzte einen Moment, mir blieb das Herz stehen – und Schneider griente.

Dicke Tränen der Erleichterung

Geschichte zwei: Ende 1986 hatte unsere damalige Geschäftsleitung beschlossen, mit einem eigenen Anzeigenblatt an den Markt zu kommen. Für Konzeption – inhaltlich wie technisch – blieb gerade mal eine Woche. Eine Woche, die für eine Hand voll Kollegen nur noch Tag- und Nacharbeit bedeutete. Und Hans wollte dem Blatt auch eine ganz eigene Optik geben. Dafür hat er rund um die Uhr fotografiert, gezeichnet, gebastelt und montiert. Als dann die Rotation die ersten Exemplare in den frühen Morgenstunden ausspuckte und sich alle auf die Schultern klopften, saß Hans ganz allein in einer dunklen Ecke der Technik und weinte dicke Tränen. Tränen des Stolzes, aber eben auch der Erleichterung. Er hatte sein eigenes Qualitätsziel erreicht.

Sein Blick brachte die Schönheit

Hans H. Schneider – der Fotokünstler. Wahrscheinlich können nur die Menschen aus seinem allerengsten Umfeld wirklich das ungeheure Spektrum seines fotografischen Interesses und Schaffens erfassen. Hans war kein Freund einer voyeuristisch abgebildeten Realitäts-Dramatik. Wenn, war es an ihm, durch den Blick des Künstlers und mit seinen technischen Hilfsmitteln einem Bild eine ganz eigene Ästhetik, Aussage, Schönheit, Tiefe oder eben auch Dramatik zu geben. Seine Ausstellungen, zum Beispiel zu seinen Herzens- und Seelenthemen „Jazz“ oder „Alt-Iserlohn“, die oft strahlend hell, schön und auch geheimnisvoll abgelichteten Frauenkörper, ja, selbst die Momentaufnahmen seiner ambitionierten Segeltörns hatten eine ganz eigene Schneider-Sprache, die auch im größten Sprachgewirr immer wieder sofort herauszuhören war.

Mit Hans H. Schneider hat Iserlohn zu Wochenbeginn einen Menschen und Künstler verloren, den man in dieser Kombination gern als „Original“ bezeichnen darf. Viele Menschen haben mit ihm einen guten Freund verloren. Und die Heimatzeitung einen Kollegen, der ihr mit seinen Bildern ein ganz eigenes Bild gegeben hat.