„Abzocke“ unter Drogen-Dealern:20 Kilogramm Haschisch geraubt

Seit Mittwoch muss sich ein Drogendealer vor dem Hagener Landgericht verantworten.
Seit Mittwoch muss sich ein Drogendealer vor dem Hagener Landgericht verantworten.
Foto: Ilka Wiese
Was wir bereits wissen
Seit Mittwoch muss sich ein Drogen-Dealer vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, rund 20 Kilogramm Haschisch von einem anderen Dealer gestohlen zu haben. Am Ende ging der Angeklagte allerdings leer aus.

Iserlohn/Hagen..  „Ich war arbeitslos und kriegte Hartz IV, da war das Angebot verlockend“, schildert der Angeklagte, dass er zusammen mit zwei Dealern einen anderen Drogenhändler abziehen wollte: Aus dem tatsächlichen Erlös von rund 20 Kilogramm Haschisch will er Ende 2008 aber keinen Cent von seinen Komplizen bekommen haben. „Es wäre fair gewesen, wenn ich was bekommen hätte“, gibt er sich noch fünf Jahre nach der gemeinschaftlichen „Abzieherei“ als der große Verlierer. Sein respekteinflößender Komplize („der hatte einen Namen in Iserlohn, der hat viele krankenhausreif geschlagen“) habe die Drogen alleine verkauft und sich vom Erlös „eine schöne Zeit“ gemacht“.

Der 36-jährige Iserlohner muss sich seit gestern vor der 4. großen Strafkammer des Hagener Landgerichtes wegen Drogenhandels und gemeinschaftlichen Raubes verantworten. Oberstaatsanwalt Dr. Holger Schlüter wirft dem Maschinenbediener vor, im Winter 2008 mit zwei weiteren Tatbeteiligten einen Dealer eine Tasche mit mindestens 17,2 Kilogramm Haschisch geraubt zu haben. Er habe vorgehabt, seinem Anteil aus der Beute gewinnbringend unter die Kifferszene zu bringen, so lautet die Anklage.

Hatte der Angeklagte den Drogen-Import angezettelt?

Richterin Heike Hartmann-Garschagen belehrte den Angeklagten, dass auch eine Verurteilung wegen Anstiftung zur illegalen Einfuhr von Drogen im großen Stil, gemeinschaftlichen Raubes und gewerbsmäßigen Handeltreibens in Betracht kommt. Das Verfahren war auf Antrag der Staatsanwaltschaft zunächst vor dem Iserlohner Schöffengericht eröffnet worden. Nach der Beweisaufnahme hat das Gericht den Fall an das Landgericht abgegeben, da es der Auffassung war, dass seine eigene Strafgewalt (bis vier Jahre Freiheitsstrafe) nicht ausreichend ist, um zu einem angemessenen Urteil zu kommen. Dem Iserlohner drohen laut Richterin Hartmann-Garschagen bis zu fünf Jahre.

„Ganz unschuldig bin ich nicht“, erklärt der einschlägig vorbelastete 36-jährige Angeklagte frank und frei. „Dass ich zur Einfuhr aus Holland angestiftet haben soll, das stimmt aber nicht. Der Bekannte hat mich angesprochen, mir seine Handynummer gegeben und gesagt, wenn du was brauchst, hier hast du meine Nummer. Ich besorg dir was.“ Der Freund aus Kindertagen habe die Drogen bereits in Deutschland gehabt. Er habe in seinem Kiosk in der Altstadt eine Tasche mit 20 Kilogramm Haschisch angeboten. Der Angeklagte will nur die Rolle des Vermittlers gespielt haben: „Dann habe ich ein Treffen arrangiert. Ich sollte einen Bekannten zu einer Wohnung bringen.“

Wie die Richterin erklärt, sind seine früheren Komplizen bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Einer von ihnen, ein bekannter Gewaltverbrecher, war nach seiner Verurteilung im Hagener Landgericht spektakulär über ein Baugerüst durch ein offen stehendes Fenster aus dem Gerichtssaal geflüchtet (wie berichtet). Seither wurden die Sicherheitsvorkehrungen im Gericht optimiert. Heute wird der Drogen-Prozess fortgesetzt.