Absurde Oldie-Revue mit Mut zur Hässlichkeit

Katharine Mehrling, Guntbert Warns, Anika Mauer,  Dieter Landuris und  Timo Dierkes boten am Samstag im Parktheater in „Ewig jung“  eine köstliche Mischung aus Liederabend und Theaterstück.
Katharine Mehrling, Guntbert Warns, Anika Mauer, Dieter Landuris und Timo Dierkes boten am Samstag im Parktheater in „Ewig jung“ eine köstliche Mischung aus Liederabend und Theaterstück.
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
Die großartige n„Ewig jung“-Mimen begeisterten am Samstag im Parktheater mit starken Gesangsnummern und vollem Körpereinsatz.

Iserlohn..  An den Wänden hängen Porträts aus besseren Tagen. Gegen den muffigen Geruch auf dem betagten Mobiliar versprüht die Altenpflegerin Raumspray und wischt Staub vom lachenden Totenschädel auf dem Schränkchen.

Das skurrile Kammerspiel „Ewig jung“ von Erik Gedeon wartet mit einem kauzigen Gruselkabinett auf – toll gespielt und herrlich gesungen von hochkarätigen Schauspielern, die allesamt reichlich Mut zur Hässlichkeit und vollen Körpereinsatz aufbieten.

Im Mittelpunkt stehen sechs betagte, fast schon scheintote ehemaligen Schauspieler, die ihr früheres Theater zur Seniorenresidenz umfunktionierten und dort im Jahr 2050 bei täglichen Zusammenkünften ihre Sturm- und Drang-Zeiten wieder aufleben lassen.

Rock am Stock, bis die Prothese abfliegt

In dem musikalisch wie spielerisch stark umgesetzten Liederabend hauchen sie der Musik aus ihrer Jugend dralles Leben ein. In dem musikalischen Kaleidoskop singen sie „Staying Alive“, „Let’s Go Party“ und „I will Survive“ oder krönten ihre Revoluzzer-Erinnerungen mit Klassikern wie „We shall overcome“. Ganz nach der Devise der Alt-68er lassen es die Alten richtig krachen mit „Sex and drugs and Rock’nRoll“ – Rock am Stock, bis die Bein-Prothese abfliegt.

Als senile Tattergreise kommen der Pianist Harry Ermer, Dieter Landuris, Timo Diekes und Guntbert Warns auf die Bühne, gefolgt von den alten Schachteln Anika Mauer und Kathatina Mehrling.

Jeweils zur Geisterstunde, wenn ihre Altenpflegerin Angelika Milster die Tür hinter ihnen zumacht, erwachen die Oldies zu neuem Leben, indem sie die früheren Theater texte deklamieren und zu den Songs „Blowing in the wind“ und „Angie“ in Erinnerungen schwelgen. Auch ein dicker Joint macht die Runde zu Liedern wie „Sweet dreams are made of this“.

Den Kontrapunkt dazu setzt Schwester Angelika. Die Möchtegern-Opernsängerin ist eine wahre Stimmungstöterin, die den alten Herrschaften schon ganz ritualisiert mit völlig unpassenden Liedern vom Siechtum und Verwesung die Zeit vertreibt und zur Krönung des Abends ein Schnäpschen kredenzt. Von Tod und Sterben wollen sie partout nichts wissen. Dagegen spielen, singen, humpeln und tanzen sie überzeugend gegen an – teilweise mit arthritischen Bewegungen. Das hat schon was von absurdem Theater. Besonders köstlich war bei der Aufführung am Samstag die gemeinsame Rettung von „Herrn Dierkes“, der von der Bühne in den Zuschauerraum fiel. Einige komische Szenen erinnern in ihrer Slapstick-Manier an den Silvester-Klassiker „Dinner for One“. Für die großartige Gesamtleistung gab es viele begeisterte Zwischenrufe wie bei einem Rockkonzert und am Ende „standing ovations“.