„Abgezogener“ Drogenkurier erneut Opfer eines Betruges?

Wegen Raubes von 20 Kilogramm Haschisch muss sich ein Iserlohner vor dem Hagener Landgericht verantworten.
Wegen Raubes von 20 Kilogramm Haschisch muss sich ein Iserlohner vor dem Hagener Landgericht verantworten.
Foto: Ilka Wiese
Was wir bereits wissen
Am zweiten Verhandlungstag gegen einen 36-jährigen Iserlohner, dem der Raub von 20 Kilogramm Haschisch zur Last gelegt wird, kam am Donnerstag ein Komplize zu Wort. Die Idee, den Drogendealer zu beklauen, entstand offenbar bei einem Saufgelage.

Iserlohn/Hagen.. Abenteuerliche Geschichten aus der international vernetzten Iserlohner Drogenszene kamen zur Sprache beim Prozess gegen einen 36-jährigen Iserlohner, der an einem gemeinschaftlichen Raub von rund 20 Kilogramm Haschisch beteiligt war. „Ganz Iserlohn sprach davon“, hieß es von den unterschiedlichen Zeugen, deren Aussagen stark voneinander abwichen, so dass die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen am Ende des gestrigen Prozesstages ein Rechtsgespräch zwischen Verteidigung, Oberstaatsanwalt und Gericht anregte.

Die Idee, einen Drogendealer „abzuziehen“, entwickelten zwei 36-jährige Iserlohner bei einem Saufgelage in einem Bistro. Sie heuerten 2008 einen stadtgekannten Kriminellen zur Unterstützung an und zogen ihr Ding mit einem Scheinkäufer im Dezember 2008 durch. Déjà-vu: Der mittlerweile 40-jährige Hauptakteur erschien zur gestrigen Zeugenaussage im Sportdress und ohne Polizeibegleitung in demselben Gerichtssaal, aus dem er nach seiner letzten Verurteilung zu einer mehrjährigen Haftstrafe aus dem Fenster geflohen war. Er schilderte die Absprache mit den Komplizen so: „Es war den beiden klar, dass man mit Gewalt an die Drogen kommen sollte. Ich habe den Großteil gemacht.“

Hakenkreuz-Prägungen

Sie erbeuteten eine Tasche mit 20 Kilogramm Haschisch, dessen diverse Qualitäten durch die Aufprägungen mit Hakenkreuzen oder Cannabisblättern zu unterscheiden war.

Über den Verbleib der Beute gingen die Aussagen weit auseinander. Der Angeklagte will leer ausgegangen sein, während seine Komplizen die Drogen weiterverkauft haben wollen. Mehrere Zeugen erklärten aber, dass der 36-jährige Angeklagte sehr wohl beteiligt wurde: Er habe zwischen zwei und sechs Kilogramm erhalten.

Landgericht Dass der von einem Lockvogel und mehreren Komplizen bestohlene Drogenkurier später diesen seinen Räubern (!) 10 000 Euro angeboten hat, wenn ihm die gestohlenen Drogen zurückgegeben werden, erscheint ungewöhnlich. Noch unglaublicher dann seine eigene Variante, als er erzählte, er habe nach dem Verlust der Drogen beim Treffen mit einem Mittelsmann bemerkt, dass man ihn erneut betrügen wollte: Statt der erhofften Drogen offerierte ihm der Kontaktmann einen Rucksack mit wertlosen Videokassetten.

Eine angekündigte Racheaktion von Lieferanten aus Holland, die den Lohn für die verschwundenen 20 Kilogramm Haschisch haben wollten, ließ ihn angeblich zwei Jahre lang nicht ruhig schlafen.

Das abgezogene „Opfer“ wurde stattdessen von Zeugen aus der Szene selbst als Dealer geschildert. Ob der Angeklagte selber regelmäßig mit Haschisch gedealt und einen Bekannten zu dem Drogenimport aus Holland über Mittelsmänner angestiftet hat, ließ sich noch nicht aufklären. Am 21. Februar wird der Prozess fortgesetzt.