Das aktuelle Wetter Iserlohn 1°C

Wohnungslose melden

55-Jähriger in seinem Schlafsack im Stadtwald erfroren

15.02.2010 | 16:58 Uhr

Iserlohn. Ein 55-jähriger Iserlohner ist im Iserlohner Stadtwald in seinem Schlafsack erfroren. Ein Jogger hat ihn am 27. Januar am Leckeweg gefunden, 100 Meter vom mittleren Kulturweg entfernt in Höhe der Kreuzung Forstmeisterweg, wie unsere Zeitung erst jetzt auf Nachfrage bei der Polizei erfuhr.

Der Mann lag unter Bäumen inmitten von Sträuchern auf einer Folie in seinem Schlafsack. Die Feuerwehr barg den Toten. Nach Auskunft von Polizeisprecher Dietmar Boronowski ist der Mann eines natürlichen Todes gestorben, 

Dem Vernehmen nach hatte er einige Jahre auf Mallorca gelebt und war im vergangenen Sommer zurück in seine Heimat gekommen. Seither hatte er sporadisch den Wohnwagen eines Bekannten in der Grüne genutzt, so der Polizeisprecher weiter. Der Iserlohner war im Dezember das letzte Mal gesehen worden, galt aber nicht als vermisst.

„Ich bin erschüttert”, nahm Heidrun Schulz von der Wohnungslosenhilfe der Dialonie Mark-Ruhr Stellung am Montag zu dem Fall. Sie hatte in der vergangenen Woche angesichts der bitterlichen Kälte die Bevölkerung um erhöhte Aufmerksamkeit für ihr Klientel gebeten. „Es kostet die Betroffenen Überwindung, zu uns zu kommen.” Deshalb sei auch in diesem kalten Winter noch niemand auf die Einrichtung zugekommen und habe um Hilfestellung bei einer warmen Bleibe ersucht.

Heidrun Schulz bittet alle Bürger, die von einem Wohnungslosen erfahren, sich an ihre Einrichtung zu wenden. „In Iserlohn gibt es ausreichend Unterbringungsmöglichkeiten für Obdachlose. Man kann viel machen. Wir finden für alle Hilfesuchenden eine Lösung.” Wenn jemand nicht in der Notschlafstelle untergebracht werden wolle, könne man im Einzelfall auch die Übernachtungen in Pensionen übernehmen. „Auch das Ordnungsamt ist super kooperativ”, sagte die Diplom-Sozialarbeiterin der Wohnungslosenhilfe.

Die Wohnungslosenhilfe (Telefonnummer 02371/24405) ist montags bis donnerstags zwischen 8 und 16 Uhr, freitags von 8 bis 12 Uhr erreichbar, das Ordnungsamt sogar rund um die Uhr unter Telefon: 02371/2171620. Entweder erreicht man unter dieser Nummer den Ordnungs- und Servicedienst (OSD) oder aber die ordnungsbehördliche Rufbereitschaft.

Cornelia Merkel

Facebook
 
Kommentare
18.02.2010
16:21
55-Jähriger in seinem Schlafsack im Stadtwald erfroren
von Robert F. | #7

@ #6: schonmal daran gedacht, dass es beispielsweise psychische Erkrankungen gibt, die es Menschen erschweren oder unmöglich machen, ihre Rechte und soziale Sicherungssysteme in Anspruch zu nehmen?
Ein einfaches selber schuld zeigt offensichtlich Ihre Wahrnehmungs- und Denkdefizite auf.
Und ich halte Erfrieren für einen Unglücksfall und KEINEN natürlichen Tod....

17.02.2010
20:15
55-Jähriger in seinem Schlafsack im Stadtwald erfroren
von Wozu gibt es Hartz IV? | #6

Ist mir egal, Atheist. Jeder Mensch hat in Deutschland Rechte. Eines davon ist die Grundsicherung des Existenzminimums. Deswegen bezahlt der Staat auch die Miete, wenn man sich um eine Wohnung bemüht hat.

Niemand muss in Deutschland erfrieren. Wer es dennoch in Kauf nimmt, ist irgendwo selber Schuld. Für seinen Stolz zu sterben, ist einfach nur ein falsch verstandener Ehrbegriff.

15.02.2010
20:43
55-Jähriger in seinem Schlafsack im Stadtwald erfroren
von atheist | #5

Das stimmt, aber Menschen haben auch ihren Stolz - selbst Penner.
Das Leben auf der Straße ist psychologisch und soziologisch vielschichtiger, als ein Saueländer denken mag.

Es gilt, diese Menschen in ihrer selbst gewählten (!) Situation zu helfen und diese Entscheidung zu respektieren und anzuerkennen.
Ein Sozialstaat gibt eben nicht nur Almosen, sondern hilft auch auf anderen Ebenen.

Und insofern bin ich froh, dass Iserlohn eine so tolle Wohnungslosenhilfe hat! Ich hoffe, die Arbeit kann intensiviert werden, so dass wir nicht mehr derartige Meldungen lesen müssen. Aber auch Bürgerinnen und Bürger sollten sich engagieren und den armen Menschen nicht links liegen lassen.

15.02.2010
20:13
55-Jähriger in seinem Schlafsack im Stadtwald erfroren
von der sauerländer | #4

So traurig der Vorfall auch ist: in unserem Sozialstaat muss keiner im Walde übernachten! Jeder hat Anspruch auf Lebensunterhalt und Unterkunft.

15.02.2010
18:40
55-Jähriger in seinem Schlafsack im Stadtwald erfroren
von GS Hemer | #3

Berichtigung: Als natürlich wird wohl jeder Tod bezeichnet, der nicht durch ein Verbrechen, durch Selbstmord oder durch einen Unglücksfall verursacht wird.

15.02.2010
18:37
55-Jähriger in seinem Schlafsack im Stadtwald erfroren
von GS Hemer | #2

Als natürlich wird wohl jeder Tod bezeichnet, der nicht durch ein Verbrechen oder durch Selbstmord verursacht wird.

Es ist allerdings traurig, daß es in unserem angeblich so sozialen Staat Wohnungslose gibt, die im Wald übernachten müssen.

15.02.2010
18:11
55-Jähriger in seinem Schlafsack im Stadtwald erfroren
von frostig | #1

Erfrieren ist ein natürlicher Tod???

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2580556/create

Neueste Aktivität
Aus dem Ressort
Jede Menge Infos aus dem Norden
Jahresempfang
(jk)Neben guten Gesprächen standen beim Jahresem­pfang der Ortsvereine Hennen, Rheinen und Rheinermark vor allem informative Reden beziehungsweise Vorträge auf dem Programm.
Täter zielte auf Kopf
Schießerei
(jk) Zur Schießerei in der Gustav-Edelhoff-Halle am späten Samstagnachmittag (wir berichteten) laufen die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Hagener Mordkommission. Der 37-jährige Täter, der sich bisher nicht äußern wollte, sitzt in Untersuchungshaft.