150 Jahre Bäckerei Karl Schreiber

Glückwünsche und Urkunden gab es für Karl Schreiber (5. v. l.) unter anderem von: Willy Hesse (r.), Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages, Landesinnungsmeister Heribert Kamm (l.), Kreishandwerksmeister Thomas Bock (6. v. r.), Bürgermeister Dr. Ahrens (4. v. r.) und den Enkelinnen Lina und Sorina.
Glückwünsche und Urkunden gab es für Karl Schreiber (5. v. l.) unter anderem von: Willy Hesse (r.), Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages, Landesinnungsmeister Heribert Kamm (l.), Kreishandwerksmeister Thomas Bock (6. v. r.), Bürgermeister Dr. Ahrens (4. v. r.) und den Enkelinnen Lina und Sorina.
Foto: Michael May IKZ

Iserlohn..  Es dürfte eines der ältesten Familienunternehmen der Stadt sein: Auf eine 150-jährige Geschichte kann die Bäckerei Karl Schreiber in diesem Jahr zurückblicken – Grund genug für den Bäckermeister, dieses besondere Jubiläum am Dienstag mit einem Festakt und zahlreichen Gästen aus Handwerk und Politik im Varnhagenhaus groß zu feiern.

Seit 1913 ist der Betrieban der Elisabethstraße 29

Schon zuvor gewährte Bäckerei-Inhaber Karl Schreiber – der inzwischen Vierte dieses Namens – der Heimatzeitung Einblicke in die Betriebsgeschichte, die im Jahre 1865 an der Luisenstraße 12 b ihren Anfang nahm. „Der Betrieb meines Urgroßvaters war in einem alten Fachwerkhaus, das dann irgendwann zu klein wurde.“ Später wird an der Stelle ein großer Häuserblock gebaut, wieder mit Bäckerei, „wahrscheinlich wegen der Bergbauschäden am Altbau“, vermutet Schreiber. Im Dezember 1913 zieht die Familie in den damaligen Neubau an der Elisabethstraße 29 um, dorthin, wo der Betrieb bis heute ansässig ist. „Die Familie wohnte direkt hinter der Bäckerstube, mittags wurde für die Belegschaft gekocht. Es gab auch ein Gesellenzimmer, weil damals kaum jemand ein Auto hatte.“ Zwei Weltkriege übersteht der Betrieb. Im ersten – der Großvater wird für vier Jahre eingezogen – hält die Großmutter den Laden am Laufen. „Trotz vier kleiner Kinder. Eine Riesenleistung“, so Schreiber.

Wegen eines Augenleidens muss sein Vater im Zweiten Weltkrieg nicht an die Front. „Als Bäcker mussten wir Iserlohn versorgen – während und auch nach dem Krieg“, so Schreiber, der am Dienstag auch zugleich seinen 65. Geburtstag feierte. „Meine Familie hatte ein ausgeprägtes soziales Empfinden, da wurde auch schon mal Brot quasi unter dem Tisch an Hungernde verteilt.“ Einschneidende Erlebnisse wie die Weltkriege fehlen in der Biografie des jüngsten Oberhaupts des Betriebs, „glücklicherweise“. Lehre in Hohenlimburg („Meine Eltern meinten: Zuhause lernen – das taugt nichts.“), Abschluss auf der Höheren Handelsschule, Arbeit in Hagen, Wehrdienst, schließlich 1973 die Rückkehr in den elterlichen Betrieb. 1975 eröffnet er die zweite Schreiber-Filiale am Nußberg, die bis heute Bestand hat.

Die Nachwuchsprobleme seines Berufsstandes sieht der Obermeister der Bäcker-Innung des Märkischen Kreises mit Bedauern – ebenso wie die Tatsache, dass seine mögliche Nachfolge ungeklärt ist. Die beiden Töchter haben sich für andere Berufe entschieden. Für Schreiber selbst gab es nie Zweifel, dass er den Familienbetrieb übernehmen würde. „Ich wollte nie was anderes machen. Mir macht der Beruf bis zum heutigen Tag Freude.“

Und genau diese Verbundenheit zu seinem Beruf würdigten beim Festakt im Varhagenhaus die zahlreichen Gäste und auch Redner, darunter unter anderem Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens und Willy Hesse, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertages.

Für die Unterhaltung der Gäste sorgte Schreiber indes selbst bei seinem Vortrag mit einer Präsentation zur Familiengeschichte. Vor allem ein Kinderfoto, das ihn als „Männeken Pis“ auf der Alexanderhöhe zeigt, sorgte für Lacher. „Mein erster Presseauftritt“, kommentierte er.