1350 unversorgte Jugendliche auf der Suche

Die Halbjahresbilanz am Ausbildungsmarkt stellte die Chefin der Agentur für Arbeit, Karin Käppel, gemeinsam mit dem Chef des Job-Centers, Volker Riecke
Die Halbjahresbilanz am Ausbildungsmarkt stellte die Chefin der Agentur für Arbeit, Karin Käppel, gemeinsam mit dem Chef des Job-Centers, Volker Riecke
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Wer immer noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, sollte die Osterferien nutzen und bei Bewerbungen gleich ein Praktikum anbieten. Das rät die Chefin der Arbeitsagentur, Karin Käppel, den noch unversorgten Jugendlichen.

Iserlohn..  Zur Halbzeit auf dem Ausbildungsmarkt verzeichnet die Agentur für Arbeit sowohl ein leichtes Minus an Bewerbern als auch an offenen Ausbildungsstellen (200 weniger). „Besonders gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz bestehen derzeit in den Metall-, Elektro- und Handwerksberufen“, weiß die Chefin der Agentur für Arbeit, Karin Käppel.

Von den seit Oktober 2014 gemeldeten 2394 Berufsausbildungsstellen sind derzeit noch 1527 Ausbildungsplätze unbesetzt. Kreisweit gebe es im Vergleich zum Vorjahr 218 Stellen (8,3 Prozent) weniger.

Der Vielzahl an Ausbildungsstellen stehen derzeit 2425 Jugendliche gegenüber, die sich seit Oktober an die Berufsberatung gewandt haben, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Insgesamt sind das 66 Personen (2,6 Prozent) weniger als ein Jahr zuvor.

Aktuell gibt es rund 1350 unversorgte Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. „Ihre Interessen passen aber nicht zu den Bereichen, wo es offene Stellen gibt“, weiß Karin Käppel, Chefin der Agentur für Arbeit. Sie appelliert an Mädchen und Jungen zur Flexibilität, auch was einen Plan B anbetreffe: „Zusammen mit der Berufsberatung sollten sie grundsätzlich und frühzeitig berufliche Alternativen überlegen.“

In Richtung Arbeitgeber bittet sie darum, frühzeitig die freien Ausbildungsstellen für dieses und das kommende Jahr zu melden.

Auch sollten die Jugendlichen die Osterferien nutzen und bei ihren Ausbildungsanfragen ein Praktikum anbieten. Während der Ferien sollten sie außerdem im Kontakt mit Berufsberatern bleiben. Zudem sollen sie nicht nur vor der Haustür und in der Region suchen, sondern nach Möglichkeit den Bewegungsradius ausweiten.

„Dass die Zahl der bei der Arbeitsagentur gemeldeten Lehrstellen noch nicht das Niveau der vergangenen Jahre erreicht haben, ist problematisch“, erklärt dazu Werner Sülberg, Geschäftsführer des Märkischen Arbeitgeberverbandes. Er wünscht sich, dass die Ausbildungsmarktpartner gegensteuern und ein regionales Marketingkonzept zur Einwerbung betrieblicher Ausbildungsplätze entwickeln. Nach seiner Einschätzung ist das Potenzial für mehr betriebliche Ausbildung in der Region aber durchaus vorhanden.

Vor allem Handwerksbetriebe haben Image-Probleme

Mit Image-Problemen kämpfen vor allem Handwerksberufe. „Die Jugendlichen unterschätzen die Sicherheit im Handwerk“, weiß Volker Riecke, Geschäftsführer des Jobcenters. Es gebe immer noch viele Vorurteile. „Dabei ist das Handwerk eher geneigt, Jugendlichen eine Chance zu geben, wenn sie die Grundfertigkeiten beherrschen.“ Das Jobcenter betreue aktuell 448 Bewerber, die das gesamte Spektrum der Ausbildungsberufe anpeilen: „Es zeichnet sich auch in diesem Jahr ab, dass es insbesondere für Bewerber mit schlechten Noten schwierig wird, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen.“ Riecke appelliert an die Arbeitgeber: „Betriebe, die dem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken wollen, sollten auch den schulisch schwächeren jungen Menschen eine Chance geben.“