100 Jecken aus Hennen stürmen das Rathaus

Über 100 Hennener Narren stürmen erstmals auf Einladung des Bürgermeisters das Rathaus
Über 100 Hennener Narren stürmen erstmals auf Einladung des Bürgermeisters das Rathaus
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Narren schicken den Iserlohner Bürgermeister an Weiberfastnacht in karnevalistischen „Zwangsurlaub“

Iserlohn/Hennen..  „Rathaus in Narrenhand — Iserlohn wird weltbekannt!“ Das stand auf dem Transparent, das über 100 Jecken aus Henenen an Weiberfastnacht bei ihrem ersten Sturm auf das Iserlohner Rathaus mitbrachten. Die Hennener Narren feiern in diesem Jahr ihr 65-jähriges Bestehen und wollten mit viel „Helle für lau“ dem Rathaus ordentlich einheizen.

Um 11.11 Uhr erklangen Kanonenschüsse und feuerten weiß-blaues Konfetti ab. In gereimter Büttenrednermanier hieß Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens die Gäste zu Beginn der fünften Jahreszeit willkommen: „Viel Spaß wünsch ich euch beim Regieren, manch Ding, könnt ihr nun kontrollieren, sei’s Schulbau oder die Finanzen, nach Euer Nas’ werden wir tanzen.“ Und setzte schmunzelnd hinzu: „Damit ihr kommt in alle Räume, erfülle ich nun eure Träume!“ Er übergab einen goldenen Schlüssel mit dem Stadtwappen an Sitzungspräsident Günter Braun.

„Peter Paul II., wir stehen an Deiner Seite“, hallte es durchs Rathausfoyer, auch wenn dieser nun einen „Zwangsurlaub“ einlegen und seine Krawatte opfern musste. „Helle für Lau! Tanzkorps helau, Bürgermeister helau!“ Diese Rufe erfüllten das Rathaus, als Karnevalspräsident Günter Braun und Prinz Michael II. Glowalla Iserlohns ersten Bürger mit dem Hennener Karnevalsorden auszeichneten.

Das Jugend-Tanzkorps und das Tanzkorps „Weiß-Blau Hennen“ tanzten sich wieder warm, nachdem sie bis zum offiziellen Sturm vor dem Rathaus angesichts der frostigen Außentemperaturen kalte Füße bekommen hatten. Im Foyer selbst tauten auch die übrigen Hennener Jecken schnell wieder auf, unter ihnen die „flotten Bienen“, die Prinzengarde, bewaffnet mit Edelholzgewehren, und Pastor Karl-Heinz Vollmer und Pfarrerin Christine Grans als braune Bio-Tonnen. Mit von der Jeckenpartie war sogar Pastor Vollmers Hund Ramses im schwarz-gelben-BVB-Leibchen.

Letzter Sturm fand noch im Hennener Amtshaus statt

1970 hatten die Hennener Karnevalisten zuletzt das Amtshaus in Hennen gestürmt und dort Bürgermeister Heinrich Stricker einen Besuch abgestattet, erzählten Günter Braun und die Senioren Hans Woizek und Hans Lothar Reinehr, die sich noch an die Anfänge des Hennener Karnavals erinnerten.

„Polonaise, Mayonaise“ erscholl es dann, und die Hennener Tollitäten, angeführt von Prinzessin Claudia I., schnappten sich den Bürgermeister und die umstehenden Besucher, um dann eine Polonaise durchs Foyer und die Flure zu machen: „Da sammer dabei“, stimmten die Jecken ein in das berühmte Lied „Viva Colonia“. Bürgermeistergattin Gabi Ahrens machte in Clownsverkleidung mit. Und dann eröffnete das Prinzenpaar den Tanzreigen „Man müsste noch mal 20 sein“, und der Bürgermeister und seine Frau tanzten mit, umringt von 100 Narren, die ihnen zujubelten. Danach lud Dr. Ahrens die Gäste ein zu Brezeln und Erfrischungsgetränken. Das ließen sie sich nicht zweimal sagen und prosteten sich zu mit Fanta, Cola, Bier und Sekt: „Helle für lau!“

„Es ist eine tolle Sache“, freute sich Prinz II. Glowalla über die Partystimmung beim närrischen Empfang in Iserlohn. Und zum karnevalistischen Schlussspurt sagte er: „Wir hoffen auch auf eine super Zeit in unserem Festzelt, wo 1400 Leute ein mehrstündiges Programm erleben werden.“

Im Kinder- und Jugendbüro war derweil normaler Geschäftsbetrieb. Jürgen Lensing telefonierte mit dem Anne-Frank-Zentrum in Berlin, wo sich seine Gesprächspartnerin über die Karnevalsmusik im Hintergrund wunderte: „Die waren ganz überrascht, dass Iserlohn eine Karnevalshochburg ist“, berichtete Lensing von seiner Gesprächspartnerin, die zum Abschluss ihres Ausstellungsprojektes nach Iserlohn kommt.

„Die ueblichen Verdaechtigen“ brachten die Frauen auf der Weiberfastnachtsparty in der Parkhalle so richtig zum Tanzen. Bis 22.30 Uhr feierten die Frauen komplett unter sich, lediglich ein Stripper heizte dem weiblichen Geschlecht mit seiner Performance mächtig ein. Später durften dann auch die Männer mal nach dem Rechten sehen.