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Ihr jüngstes Kind ist ein Buch

28.07.2010 | 17:07 Uhr
Ihr jüngstes Kind ist ein Buch

Bottrop. Wer sich in einem Thema auskennt, wählt oft die Formulierung: „Ich könnte ein Buch darüber schreiben.“ Beatrix Schröer hat es getan und über ihren zunächst unerfüllten Kinderwunsch, Schwangerschaft und die Geburt ihres Sohnes geschrieben.

Der Leser begleitet sie durch kleine Katastrophen des Alltags ebenso wie durch Glücksmomente, lernt Frauenärzte, Hebammen und nicht zuletzt den Ehemann kennen. Das Buch lebt von der Authentizität der Schilderung und will nicht mehr scheinen, als es ist: Erfahrungsbericht und Protokoll von Empfindungen, die eines der einschneidensten Erlebnisse im Leben einer Frau - pardon, eines Ehepaars - widerspiegeln.

26 Jahre hat sich Beatrix Schröer mit der Aufzeichnung ihrer Erinnerungen Zeit gelassen. Den Stein ins Rollen brachte der Auszug ihres nunmehr erwachsenen Sohnes aus der elterlichen Wohnung: Beatrix Schröer konnte zu ihrer eigenen Verwunderung nicht mehr aufhören zu weinen. „Das ist der Verlust Deines Babys“, kommentierte ihr Ehemann. Womit er wohl Recht hatte, weiß sie heute. „26 Jahre und neun Monate“, so der Titel des Buchs, war der Sohn unmittelbar Bestandteil ihres Lebens.

Ihn auf die Welt zu bringen, hat die jungen Eltern Mühe gekostet. Denn Beatrix Schröer und ihr Ehemann sehnten sich nach einem Baby, das aber nicht kommen wollte. Drei Jahre lang ließ sich das junge Paar ebenso bereitwillig wie vergebens auf jeden Ratschlag der Frauenärzte ein. „Medizinisch war das nicht erklärbar. wir waren beide kerngesund“, erklärt Beatrix Schröer, damals 21 Jahre alt und so fixiert auf ihren Kinderwunsch, dass sie in ihrem Umfeld nur noch schwangere Frauen und Kinderwagen wahrnahm. Als sich die beiden, mittlerweile enttäuscht und der dauernden Spannung überdrüssig, auf ihr privates Glück konzentrierten statt auf die erhoffte Dreisamkeit, wurde Beatrix Schröer prompt schwanger: „Wenn man frei ist im Kopf, dann klappt es“, stellt die Autorin rückblickend den Zusammenhang her.

Der Zeitpunkt hätte günstiger sein können. Denn das Ehepaar hatte gerade alle Ersparnisse, die man für Kind und Kinderzimmer ausgeben wollte, in den Kauf eines Mobilheims am Niederrhein investiert. Zu den Geldsorgen gesellten sich Probleme anderer Art, und auch die Schwangerschaftsübelkeit blieb Beatrix Schröer nicht erspart. Bis zur Geburt ihres Kindes hat sie vier oder fünf Gynäkologen zu Rate gezogen, bevor sie sich bei einem Mediziner gut aufgehoben fühlte: „Die Frauenärzte kommen in meinem Buch nicht so gut davon.“

Die Bottroperin hat sich von der Seele geschrieben, was nach ihren bisherigen Erfahrungen mit dem veröffentlichten Text bei vielen anderen Frauen einen Nerv trifft. 20 Verlagen hatte sie das Manuskript angeboten. Einige lehnten ab, andere verlangten Geld. darauf ließ sich die Autorin nicht ein: „Ich setze doch nicht 12000 Euro in den Sand, damit mein Ego gestreichelt wird.“ Nun hat die GmbH „Book on demand“ ihr Buch gedruckt. „Sechsundzwanzig Jahre und neun Monate“ ist im Buchhandel für 18,90 Euro erhältlich.

Marie-Luise Schmand

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