Ich bin ein schlechter Verlierer
14.04.2010 | 18:27 Uhr 2010-04-14T18:27:00+0200
Heidhausen.Es muss ein gutes Gefühl sein, wenn sich der Fußballobmann (sprich: Personalchef) ins Vereinsheim hockt, grinst und sagt: „Der Mann hat volle Rückendeckung.“
Wenn das ein Bundesliga-Manager von sich gibt, weiß man, dass der Trainer schon so gut wie entlassen ist. Aber wir sind hier nicht in der Volkswagen-Arena oder bei den Clubberern in Nürnberg. Wir sind am Volkswald, beim SC Werden-Heidhausen. Da gilt der Handschlag und so werden hier Verträge verlängert. Zils bleibt ein weiteres Jahr. Mindestens.
Volle Rückendeckung
Aufgekratzt wie vorm WM-Finale wirkt der 41-Jährige. Eine Stunde vor dem Training hat er an Vielem zu knacken. Wäre sein Hirn eine mechanische Uhr, könnte man es rattern hören. Eigentlich hatte man sich vorgenommen, nicht über den unerklärlichen Leistungseinbruch der ersten Mannschaft zu sprechen. Aber der Fuhrparkleiter kommt immer wieder darauf zu sprechen. Er gesteht eine gewisse Ratlosigkeit ein, wühlt in seinem Emotionshaushalt nach einem blinden Fleck, stellt seine Art der Kommunikation in Frage. Ein selbstkritischer Grübler, der auch mal ausrasten kann, sitzt da. Einer, der sich lieber zehnmal zu oft als einmal zu wenig mit einem Problem auseinander setzt. Ein Fußballbesessener, der dieselbe Leidenschaft von seinen Spielern fordert. Ein klassischer Fall von Übertragung, wie Psychologen das nennen. Niemand verliert gern. Aber Zils durchlebt Misserfolge in Gedanken immer und immer wieder. Seine Frau weiß ein Lied davon zu singen. So kennen sie ihn hier am Volkswald. Und er soll sich partout nicht ändern.
Hallenmeister 2008
Denn seine Art ist erfolgreich. 2008 führte er den SC zur Essener Hallenmeisterschaft, dem bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Und auch den Schlendrian, den drei Spieltage lang seine Mannschaft an den Tag legte, konnte er mit Hilfe von Akin und Vereins-Boss Koch ein Ende bereiten. Engagement und Disziplin stimmen wieder: Auswärtssieg in Steele (wir berichteten). Zils, der nach dem Ende seiner aktiven Zeit auf der Libero-Position als Co bei Bezirksligist Mülheim 07 erstmals an der Linie stand, sieht für sich offensichtlich eine Zukunft in dem Job. Endlich fand er die Zeit, in Wedau seinen C-Lehrgang zu absolvieren. Im Herbst ist es soweit.
Ein Coach ohne Schein, aber mit einem riesigen Erfahrungsschatz. „Ich habe Mitspieler und Trainer immer intensiv beobachtet. Wichtig war mir, dazu zu lernen“, erläutert er. Sportlich wie menschlich wurde etwa Ewald Lienen zum Vorbild. Mit dem sturen Ostwestfalen, der heute die Sechziger aus München trainiert, spielte er in der Zweiten Bundesliga beim MSV Duisburg. Ebenfalls in Meiderich traf der damals Anfang Zwanzigjährige auch Thomas Strunz, Michael Tönnies, Günter Thiele und Dietmar Grabotin. „Bei allen habe ich mir etwas abgeguckt. Ich hoffe, nur die guten Eigenschaften.“
90 Minuten gequatscht
Von Lienen etwa, dass der Mensch nicht von Getreideschrot allein lebt. „Der Ewald hat sich immer wahnsinnig gesund ernährt. Aber er konnte auch richtig, richtig feiern.“ Und den Jungspund schon mal auffordern, endlich die Klappe zu halten. „Es gab Spiele, da habe ich 90 Minuten durchgequatscht. Das kann anderen auf die Nerven gehen, ist aber besser, als wenn man überhaupt nicht miteinander redet“, findet er.
Dem SC gelang in der bald vierjährigen „Ära Zils“ eine kontinuierliche Weiterentwicklung. „Wir haben uns von Jahr zu Jahr steigern können“, stellt ein zufriedener Obmann fest. Stillstand will er nicht, weshalb tüchtig an einer konkurrenzfähigen Mannschaft gearbeitet wird. Einer Mannschaft, die den Aufstieg ins Visier nehmen soll. „Zwei Drittel bleiben zusammen, auf drei, besser vier Positionen wollen wir uns verstärken“, erklärt Akin. Aus der Jugendabteilung rücken drei A-Junioren nach. Mit Abwehr-Talent Lars Herzog durfte einer von ihnen schon Spielpraxis bei der Ersten sammeln. Das Training beider Teams läuft parallel. So ist der Verantwortliche über das Leistungsniveau des Nachwuchses jederzeit informiert, kann einzelne Akteure in Testspielen einsetzen.
Zils hat für sein Team ein System mit festen Zuordnungen entworfen. Für die Zukunft will er verstärkt auf deren Einhaltung pochen. Die Leine nicht mehr ganz so locker zu lassen wie bisher, das haben ihn die Erfahrungen der letzten Wochen gelehrt.
Keine Viererkette
Was nicht heißt, dass er sich von seinen Spielern plötzlich siezen ließe oder den zwanglosen Freizeitvergnügungen (gerne auf „Malle“) fernbliebe. Aber diese lasche Einstellung, diese Disziplinlosigkeit, nein, die lässt er sich nicht mehr gefallen.
Rechter Läufer, linker Läufer, Manndecker: ist das nicht antiquiert? „Ich bin kein Freund der Viererkette, nicht in dieser Liga“, konstatiert der Fan des VfB Stuttgart.
Und der Grund leuchtet ein: Ohne Linienrichter läuft man leicht ins offene Messer. Ralf Zils: „Wir haben das mal ausprobiert. Es ging ganz schwer in die Hose.“
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