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Olga Maisinger

Zuhause ist, wo man sich wohl fühlt

13.04.2010 | 05:00 Uhr

Holzwickede/Unna. Olga Maisinger hat einen weiten Weg hinter sich. 6 000 Kilometer legte sie zurück, als sie vor 19 Jahren mit ihrer Familie als Deutschstämmige aus Kasachstan in der Landesstelle Massen ankam. Und könnte kaum zufriedener sein, als sie heute ist.

Olga Maisinger aus Holzwickede Kirchenkreis Unna

Das Leben in Kasachstan war kein Zuckerschlecken. „Wir haben von morgens bis abends gearbeitet”, erzählt Olga Maisinger. Schon als Kind musste sie als ältestes von fünf Geschwistern auf die Jüngeren aufpassen, später arbeitete sie als gelernte Köchin in einem Kindergarten. Damals lebte sie lange Zeit in einem kleinen Dorf in der kasachischen Steppe, wo die erbarmungslosen Winter acht Monate währen. „Wir sprachen dort alle Deutsch, unsere Vorfahren waren vor 300 Jahren hergekommen; wir feierten Ostern und Weihnachten.” Das Dorf hieß Rosa Luxemburg – der Kommunismus setzte sich trotzdem nicht durch.

Zur Zeit des Umbruchs Ende der 80er wurde es zunehmend unkomfortabler. Es gab kaum noch etwas zu kaufen, Süßigkeiten gar nicht mehr. „Und die deutschen Gruppen in meinem Dorf begannen einer nach dem anderen nach Deutschland auszusiedeln."

»Ich habe mich nie

als Russin gefühlt«

Olga Maisingers Familie schloss sich an. 1991 gelangte sie mit ihrem Mann und drei kleinen Kindern in die Landesstelle Unna-Massen. Damals war sie 30 Jahre alt und hatte Angst vor dem, was sie erwartete. Blind sei sie gewesen, ohne große Pläne und Ansprüche. Umso mehr faszinierte sie die Waschmaschine, die sie nach ihrer Ankunft nutzen durfte. „Eine funktionsfähige Wäscheschleuder, die uns die komplette lästige Waschprozedur abnimmt – so was kannten wir in Kasachstan nicht.” Ein Abenteuer jeder Waschgang.

Es waren jedoch nicht die Haushaltsgeräte, die ihr Leben hier wirklich geprägt haben. Nachdem sie in einer Kamener Notwohnung und anschließend in einer kleinen Wohnung in Holzwickede unterkam, die der Mann dank seiner Stelle als Lagerarbeiter selbst finanzieren konnte, fasste die Familie hier Fuß. „1999 trat ich meine Stelle als Hausmeisterin des Kreiskirchenamts in Unna an." Der Bezug zur evangelischen Religion war schon aus Kasachstan gegeben, der Bezug zur Kirche in Unna dagegen erst durch Kontakte zu Einheimischen entstanden. Olga Maisinger war selbst immer um Anschluss zu ihnen bemüht, auch, als kurz nach ihr ihre Geschwister und Eltern ebenfalls aus Kasachstan nachfolgten. „Meine Kinder gingen hier zur Schule und in den Kindergarten und es entstanden Verbindungen zur Humanitären Hilfe für Weißrussland.” Dort half sie als Dolmetscherin und gelangte schließlich an die Hausmeisterstelle in Unna. Olga Maisinger ist angekommen. Sie hat zwei Enkelkinder und ist „rundum glücklich”. Ihren Schritt hat sie nie bereut. So wenig, dass sie nie wieder nach Kasachstan zurückgekehrt ist. Von Rosa Luxemburg sei sowieso nichts mehr übrig.

Ganz ist der Kontakt in den Osten zwar nicht abgebrochen: In Weißrussland war sie schon mehrfach mit der Humanitären Hilfe. „Aber ich habe mich nie als Russin gefühlt. Ich liebe Deutschland, dieses Wohlfühlen hier.” Man merkt ihr an, wie glücklich sie ist. Ihre Geschichte erzählt sie mit Begeisterung weiter. „Am liebsten würde ich ein Buch darüber schreiben.” Dazu hat sie ja noch Gelegenheit.

Peter Gräber

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