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Was der Pinguin fürs Klima tun kann

18.02.2010 | 18:12 Uhr
Was der Pinguin fürs Klima tun kann

Holzwickede. Wie definiert man eigentlich eine „Klimakatastrophe”, welche Faktoren lösen den Klimawandel aus und auf welche Weise wird Klimaforschung betrieben?

 Interessante und anschaulich aufbereitete Antworten auf diese und weitere spannende Fragen gab gestern im restlos gefüllten Forum des Schulzentrums Dr. Hennes Grobe. Mit viel Humor nahm der Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, den Bürgermeister Jenz Rother auf einer Kreuzfahrt nach Grönland kennengelernt hatte, die Schüler des Clara-Schumann-Gymnasiums und der Josef-Reding-Schule mit auf eine Reise in die „Klimaforschung am Ende der Welt”.

Und das Ende der Welt ist in diesem Kontext relativ einfach definiert: Grönland, Arktis und Antarktis. Letztgenannte beheimatet die Forschungsstationen Neumayer am Rande des Schelfeises, acht Kilometer entfernt befindet sich die Anlegestelle der „Polarstern”, des wohl besten Forschungsschiffs der Welt, und rund 1 000 Kilometer weiter, mitten auf dem dicken Eispanzer, die Forschungsstation Kohnen. „Bei minus 50 Grad treiben wir beispielsweise dort einen Bohrkern durch das drei Kilometer dicke Eis, um eine komplette Abfolge des Eisschildes zu bekommen”, erklärte Grobe, „da muss man dem Ding schon ständig gut zureden.”

Anhand der Eisabfolge, die in 3 000, je einen Meter lange Stücke zersägt wird, könne man die Zusammensetzung der Atmosphäre bis zu einer Million Jahre zurückverfolgen, so der Geologe weiter, und beispielsweise auf atmosphärisches Methan, ein Treibhausgas, untersuchen.

Die Untersuchung der Proben erfolgt allerdings in Bremerhaven, und da müssen sie erst einmal hingelangen. „Mit dem Flugzeug, das auf dem Eis, besser gesagt, auf dem verfestigten Schnee über dem Eis, startet und landet, werden die Bohrkerne nach Neumayer transportiert”, schildert Grobe, „und dann geht die Fracht per Schiff auf die lange Reise nach Bremerhaven.” Wird die gesamte Besatzung von Kohnen abgezogen, denn es kann der Witterung wegen nur etwa drei Monate lang gearbeitet werden, gestaltet sich der Aufwand noch größer. „Sie müssen sich das mal vorstellen – mit der Pistenraupe, die einen Küchen-, Schlaf- und Ersatzteilwagen sowie die Benzinreserven schleppt, ist man zehn Tage lang zehn Stunden täglich mit zehn Stundenkilometern unterwegs.” Ein echtes Vier-Liter-Auto, wie Grobe es nennt. Die Raupe schluckt vier Liter pro Kilometer.

Weitere Komplexe des Powerpoint-Vortrags bildeten die Entstehung des polaren Eispanzers, der innere Aufbau der Erde, die kambrische Explosion, die den Beginn irdischen Lebens beschreibt, – und der Albedo-Effekt, der den Wärmehaushalt der Erde durch Lichtabsorption und -reflektion reguliert. Anschaulich machte der Professor diesen Effekt am Beispiel des Pinguins.

»Man merkt, dass er

von seiner Arbeit

sehr begeistert ist.«

„Der schwarze Kopf sorgt dafür, dass Sonnenlicht in Wärme umgewandelt wird, die demzufolge auf der Erde bleibt, während der weiße Bauch die Energie einfach ins Weltall zurückreflektiert.” Dieser Effekt sei auch in großem Maße auf der Erdoberfläche vorzufinden, Stichwort weißes Eis, und reguliere das Klima auf dem Planeten maßgeblich mit.

Schließlich thematisierte der Experte die für den Klimawandel verantwortlichen Faktoren – Meteoriten, Vulkane, Sonnenaktivität, Erdumlaufbahn, Kontinentalverschiebung, Meeresströmungen und der Faktor Mensch. „Der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora 1815 hatte die Kraft von 170 000 Atombomben”, erklärte Grobe den verblüfften Schülern, „und das Jahr 1816 ist als das Jahr ohne Sommer in die Geschichte eingegangen.” Selbst in 15 000 Kilometer Entfernung sei die Druckwelle zu spüren gewesen. Das sei eine wirkliche Klimakatastrophe gewesen, die per Definition einen bedrohlichen Klimawandel beschreibt. Das Schaubild einer Klimakurve über mehrere hundert Millionen Jahre kommentierte Dr. Hennes Grobe: „Da wird einem schwindelig, wenn man da länger draufguckt.”

„Dieses Angebot ist wirklich ansprechend gestaltet”, lobt Peter Schädel aus der 12. Klasse. „Man merkt, dass er selbst sehr begeistert ist von seiner Arbeit”, sagt Lena Lensmann, ebenfalls aus der 12. Klasse, und Stufenkollegin Viola Schmitt ergänzt: „Er nennt nicht nur Fakten, sondern schildert auch eigene, subjektive Eindrücke. Das ist unterhaltsam und informativ.” Und das sollte der Vortrag ja auch sein. So erfuhren die Schüler, dass der Meeresspiegel seit der letzten Eiszeit vor 20 000 Jahren um 120 Meter gestiegen ist. Würde das gesamte Packeis von Arktis, Antarktis und Grönland abschmelzen, kämen noch einmal 77 Meter dazu. „Dann wissen wir ja jetzt sicher, dass Holland bald absäuft”, scherzte ein Schüler.

Ingo Schmidt

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