SPD-Chaos: Vorstand tritt zurück
19.05.2011 | 20:09 Uhr 2011-05-19T20:09:00+0200
Holzwickede.Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Die komplette Führungsspitze der Holzwickeder SPD ist gestern zurückgetreten.
Der Vorsitzende Dennis Herkelmann, seine Stellvertreterinnen Heike Bartmann-Scherding und Verena Giese-Kopka sowie Geschäftsführer Christian Grimm haben gestern Morgen per E-Mail die Genossen über ihren sofortigen Rücktritt informiert. Die SPD Holzwickede steckt damit in ihrer größten Krise der Nachkriegszeit.
Generalabrechnung
mit dem Bürgermeister
Am Dienstag noch kam der Parteirat im SPD-Büro an der Stehfenstraße zusammen. Dort fiel indessen kein einziges Wort über den Rücktritt.
Die gestrige Aktion ist eine Generalabrechnung mit Bürgermeister Jenz Rother (SPD). Dass die Parteiführung mit der Arbeit ihres Bürgermeisters alles andere als zufrieden ist, war in der Emschergemeinde längst kein Geheimnis mehr. Immer wieder wurde der Führungsstil Rothers kritisiert. Zu ruppig sei sein Umgang, so die Kritik. Rother lasse sich nichts sagen, sei in wichtigen Fragen beratungsresistent. Was das Fass zum Überlaufen gebracht hat: die katastrophale Informationspolitik bezüglich der Ratskeller-Affäre und der Caroline-Brücke. Viele Genossen kritisierten bereits vor Wochen, sie erführen mehr aus der Zeitung als aus dem Rathaus. Als es dann das erste Mal Mitte März dieses Jahres zwischen Partei und Bürgermeister so richtig krachte und unsere Zeitung exklusiv über den Bruch berichtete, schaffte es Rother noch, seinen Genossen eine Solidaritätserklärung abzuringen. Zitat: „Die SPD bildet mit ihrem Bürgermeister auch in diesen, zugegebenermaßen schwierigen Zeiten, ein Team.“ Seit gestern ist dieser erst zwei Monate alte Schulterschluss Makulatur.
Seit 2008 war Dennis Herkelmann Parteivorsitzender. Mit dem kollektiven Rücktritt entfacht die Partei jetzt die Diskussion um die Zukunft des Bürgermeisters neu. Dem hängen immer noch die ausufernden Kosten der Caroline-Brücke, die von ursprünglich 833 000 Euro auf inzwischen 3,5 Millionen Euro angewachsen sind, wie Mühlsteine um den Hals. Dabei schien es in den vergangenen Tagen so, als sei wieder etwas Ruhe eingekehrt. Aus Parteikreisen verlautete, die Caroline-Brücke allein sei aber nicht ausschlaggebend für den gestrigen Rücktritt gewesen.
Schwierige Zeit
für die Fraktion
Spannend wird es jetzt zu sehen, wie sich die Partei neu aufstellt. Spannend wird auch die Arbeit in der Ratsfraktion. Herkelmann war schließlich nicht nur Parteivorsitzender, er ist und bleibt weiterhin Ratsmitglied. Die Fraktion gilt als geteilt. Die einen stehen fest hinter dem Bürgermeister, die anderen reiben sich an seinem Führungsstil. Besonders auf den Fraktionsvorsitzenden Michael Klimziak kommen jetzt schwierige Tage zu. Er hatte nie einen Hehl aus seinen Ambitionen gemacht, nach Rother Bürgermeister werden zu wollen. Inzwischen gilt sein Verhältnis zu Rother aber als angespannt. Herkelmann hätte Klimziaks Kandidatur unterstützt.
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