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Schulpolitiker stellen Weichen

27.09.2011 | 23:59 Uhr
Schulpolitiker stellen Weichen
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Holzwickede.Die gemeinsame Schulentwicklungsplanung von Unna und Holzwickede und insbesondere die Sekundarschule stehen heute im Mittelpunkt einer öffentlichen Sitzung des Schulausschusses der Gemeinde Holzwickede. Die Mitglieder treffen sich dazu um 17.30 Uhr im Pavillon des Clara-Schumann-Gymnasiums hinter der Hilgenbaumhalle. Vor der Sitzung haben die Holzwickeder Parteien bereits deutlich gemacht, dass sie eine lokale Lösung favorisieren, die allen Holzwickeder Kindern alle Schulabschlüsse am Ort ermöglichen würde.

 

Laut Schulentwicklungsplan haben die Grundschulen in Holzwickede seit 2000/01 gut ein Viertel (- 26%) ihrer Schüler eingebüßt. Im Schuljahr 2000/01 wurden noch 193 Kinder eingeschult, im Schuljahr 2010/11 waren es nur noch 141. Dieser Gesamtverlust ist deutlich höher als in der Nachbarstadt Unna (-19%). Dadurch sinkt der Versorgungsbedarf im Grundschulbereich von 8,5 auf nur noch 6,3 Züge (= Klassen). Bei sinkender Geburtenzahl wird auch der Versorgungsbedarf weiter sinken. Konkret: In den Jahren 2008 und 2009 sind jeweils nur 109 Kinder in Holzwickede geboren worden, die dann sechs Jahre später zur Einschulung anstehen.

 

Die neue Sekundarschule umfasst die Jahrgangsstufen 5 bis 10 und ist in der Regel eine Ganztagsschule. In den Jahrgängen 5 und 6 soll unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Förderung gemeinsam gelernt werden. Danach kann dieses integrierte Konzept bis zur Klasse 10 fortgeführt werden. Ab Klasse 7 besteht aber auch die Möglichkeit, einzelne Bildungsgänge der Hauptschule, der Realschule oder des Gymnasiums einzurichten. Über das Grundkonzept entscheidet der Schulträger (Gemeinde) unter Beteiligung der Schulkonferenz. Über die Sekundarschule herrscht landespolitischer Konsens. Einzelheiten werden über ein Schulgesetz geregelt, das am 19. Oktober in Düsseldorf verabschiedet werden soll.

Konsens der Holzwickeder Parteien ist, dass möglichst allen Kindern in Holzwickede alle Schulabschlüsse ermöglicht werden. Das Gymnasium soll dabei nicht angetastet werden. Deshalb favorisieren die Parteien in Holzwickede die Errichtung einer Sekundarschule ohne Sek II (gymnasiale Oberstufe) im Schulzentrum und zwar für das Schuljahr 2012/13. In den Jahrgängen 5 und 6 blieben die Schüler zusammen. Ab Klasse 7 besteht die Möglichkeit, die Kinder in den einzelnen Fächern differenziert nach Leistung und Neigung zu unterrichten (teilintegriert) oder den einzelnen Bildungsgängen Hauptschule bzw. Realschule entsprechend (kooperativ). Über das Konzept entscheidet der Schulträger in Abstimmung mit der Schulkonferenz. In Kooperation mit dem Gymnasium kann die Sekundarschule auch zum Abitur führen.

 

Der Schulforscher Dr. Ernst Rösner, der für den gemeinsamen Schulentwicklungsplan die Schullandschaft in Unna und Holzwickede untersucht hat, geht davon aus, dass Holzwickede allein nicht genügend Kinder für eine eigene Sekundarschule aufbringen kann. Dr. Rösner ist der Meinung, dass eine Sekundarschule nur vom Land genehmigt wird, wenn dadurch kein Schulstandort in der Nachbarkommune Unna gefährdet wird bzw. die Nachbarkommune der Schulgründung nicht widerspricht. Außerdem müsse eine Kommune den Nachweis erbringen, dass genug Anmeldungen vorliegen. Für eine Sekundarschule benötigt eine Kommune 75 Schüler im ersten Jahr, so Dr. Rösner, und muss jeweils ebenso viele in den weiteren fünf Jahren nachweisen. „Das schafft Holzwickede nicht“, so Dr. Rösner. Deshalb favorisiert der Schulforscher den Vorschlag der Verwaltung aus Unna, wonach beide Kommunen eine gemeinsame Sekundarschule an zwei Standorten (Massen und Holzwickede) errichten. Als Konsequenz daraus müssten die Schüler aus Massen drei Jahre nach Holzwickede und die Holzwickeder Schüler drei Jahre nach Massen pendeln.

 

Da das Schulgesetz zur Sekundarschule erst am 19. Oktober im Landtag verabschiedet werden soll, stehen Einzelheiten wie die Mindestzahl der Schüler und die Zustimmungspflicht der Nachbarkommune noch nicht fest. Auch Dr. Rösner kennt diese Details noch nicht. Die Holzwickeder Parteien gehen optimistisch davon aus, dass sie eine eigene Sekundarschule genehmigt bekommen werden.

 

Gegen den Willen der Eltern wird eine Sekundarschule nicht zu errichten sein. Konkret wird die Gemeinde natürlich auch noch vor einem Errichtungsbeschluss für die Sekundarschule Eltern befragen müssen. Diese Elternbefragung wird nicht über das neue Schulgesetz geregelt, sondern ist bereits auf dem Erlass- bzw. Verordnungsweg geregelt. „Daran wird auch nichts geändert“, bestätigt Jörg Harm, Sprecher des NRW-Schulministeriums. Danach muss die Gemeinde vor Errichtung der Sekundarschule die Eltern der 3. und 4. Jahrgänge (also der aktuellen 2. und 3. Klässler = 299 Eltern) befragen, ob sie ihre Kinder zu einer Sekundarschule schicken würden.

Peter Gräber

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