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Perthes-Haus bangt um letzte Zivi

18.10.2010 | 17:54 Uhr
Perthes-Haus bangt um letzte Zivi
Marcel Bock ist Zivildienstleistender im Pertheshaus in Holzwickede Foto: Henryk Brock

Holzwickede.Dass sie trotz ihrer Jugend zu einer aussterbenden Spezies gehören, hätten sich Tim Pieper, Marcel Bock und Stefan Sutoris wohl auch nicht träumen lassen. Doch wie es aussieht, werden die drei jungen Männer wohl die endgültig letzten Zivildienstleistenden im Perthes-Haus am Emscherweg sein.

„Wir hängen momentan wie alle sozialen Einrichtungen total in der Luft. Denn mit der allgemeinen Wehrpflicht soll auch der Zivildienst abgeschafft werden“, sagt Pflegedienstleiterin Stefanie Weigt-Bode. „Es ist zwar so etwas wie ein freiwilliger sozialer Dienst für ein halbes Jahr im Gespräch. Doch ob der kommt und ob das funktioniert, ist doch sehr fraglich. Wir gehen davon aus, dass wir überhaupt keine Zivildienstleistenden mehr bekommen.“

Gerade im Pflegebereich, aber auch in der Haustechnik sei man auf die Arbeitskräfte der Zivi angewiesen. „Ohne sie werden wir Probleme kriegen. Die jungen Leute haben schließlich nicht Däumchen gedreht bei uns.“ Auch wenn Zivi im Perthes-Haus schon länger nicht mehr als echte Pflegeassistenzkräfte eingesetzt werden, wie die Pflegedienstleiterin meint: „Bei der Körperpflege und -hygiene pflegebedürftiger Bewohner setzen wir die jungen Männer schon lange nicht mehr ein.“ Die Zivildienstleistenden seien dem Wohnbereich zugeordnet, wo sie hauswirtschaftliche Aufgaben und Botengänge übernehmen, Essen austeilen oder Bewohner zum Arzt begleiten. „Ganz wichtig ist, dass die Zivi auch mal Zeit für ein Schwätzchen haben. Darum sind die jungen Männer oft auch wichtige Bezugspersonen für unsere Bewohner“, weiß Stefanie Weigt-Bode. „Gerade dieses Plus an lListung werden unsere Bewohner schmerzlich vermissen.“ Ohne Zivi könnten wichtige Zusatzaufgaben auch nicht mehr geleistet werden, fürchtet die Pflegedienstleiterin. „Entweder müssen wir zusätzlich geringfügig Beschäftigte einstellen, was die Kosten steigen lässt, oder die Leistungen werden gar nicht mehr erbracht.“ Beispiel Arztbesuch: Dafür sei in den Pflegesätzen kein Cent vorgesehen, so dass sich Angehörige künftig darum kümmern müssten – sofern es welche gibt. „Die Zivi werden uns als wichtige Ergänzungskräfte schmerzlich fehlen“, ahnt Stefanie Weigt-Bode. „Und nicht zuletzt haben sie ja auch Jugend und gute Laune hier ins Haus gebracht.“

Auch Haustechniker Ralf Scherding graust schon davor, ohne Zivildienstleistende auskommen zu müssen: „Wir renovieren hier alles selbst und haben zum Beispiel alle Räume tapeziert. Das bedeutet dann vier bis fünf Wochen Arbeit am Stück. Das geht nur mit Hilfe der Zilvildienstleistenden, das könnte ich gar nicht alleine leisten.“ Vorige Woche erst hat Scherding mit Zivi Marcel Bock die Teeküche des Hauses verschönert. „Wir können es uns gar nicht leisten, solche Arbeiten an Handwerksbetriebe zu vergeben.“ Ob bei Botengängen, der Entsorgung auf dem Wertstoffhof und vielen Dingen mehr – die Zivi sind auch als Hilfe für die Haustechnik unabdingbar.

Die Zivi Tim Pieper (19 Jahre) und Marcel Bock (22) können gut nachvollziehen, wie wichtig ihre Arbeit und die anderer Zivildienstleistender für soziale Einrichtungen sind. „Wir finden es auch gar nicht gut, dass der Zivildienst abgeschafft werden soll“, sagen beide übereinstimmend. „Es gibt soviel Arbeit im sozialen Bereich und schon jetzt zuwenig Leute.“ Dass sie womöglich die Letzten sind, die überhaupt noch Zivildienst leisten müssen, ärgert sie keineswegs: „Ich wollte ohne nach der Schule erst mal ein Jahr Pause machen“, sagt der 19-jährige Tim. „Aber gar nichts tun und nur herumhängen ist für mich auch nicht vorstellbar.“

Nur eines können sich die jungen Männer nicht vorstellen: Dass sie freiwillig eine Art Sozial- oder Ersatz-Zivildienst leisten würden: „Ich bin ja schon nach meiner Ausbildung voll im Berufsleben gewesen bei Wiederholt“, meint Marcel Bock. „Darum käme so etwas für mich gar nicht in Frage.“

Peter Gräber

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Kommentare
30.11.2010
12:43
Perthes-Haus bangt um letzte Zivi
von perthes | #4

bitte sich mal soester einrichtungen ansehen!!!sie nutzen alles aus um gmbh perthes dienste (walpurgis haus und heinrich oberwinter haus) mit billig löhnen abzudecken!!!sie versprechen zwar irgendwann in die normale beschäftigung zu kommen , lügen aber ohne ende und lassen die beschäftigten weiter untertarriflich arbeiten!!!weihnachtsgeld wurde versprochen!!...lüge lüge!!!!

30.11.2010
12:29
Perthes-Haus bangt um letzte Zivi
von perthes | #3

perthes dienste gmbh sind die abzocke ohne gleichen !!!!!sie beschäftigen menschen untertariflich und lügen ohne ende!!!perhes werk hat damit leute zur sklaven gemacht und nennt sich christlich...?? gewinne werden erwirtschaftet sonst nichts!!!lüge lüge lüge !!!

19.10.2010
12:55
Perthes-Haus bangt um letzte Zivi
von Entschiedener Gegner | #2

Unverzichtbare Arbeitskräfte dass ich nicht lache. Laut Gesetz sollten Zivis nur zusätzliche Tätigkeiten übernehmen. Hier wird das Große Dilemman deutlich: Auf Kosten von Zwangsdienstleistenden wurden reguläre Arbeitsplätze gestrichen

18.10.2010
21:07
Perthes-Haus bangt um letzte Zivi
von Schadenfroher | #1

Nach dem nun alle erdenklichen Verbände sich die Taschen am billigen Dienst-verpflichteten Zivi gefüllt haben, heisst es nun, einfach mal Leute einstellen.
Arbeitslose gibts ja genug. Nur müssen die selbst bezahlt werden und sind keine kostenlosen arbeitenden Geschenke das Staates mehr.
Nix mehr mit billigen Dienstverpflichteten durch den Staat. Das schmälert natürlich den Reibach den man macht, wenn man die Pflegeversicherung bis zur Neige ausschöpft.
Die Bürgerarbeit kommt da sicher wie eine Gabe Gottes....überbrückt aber auch nur 3 Jahre.
Danach heisst es zahlen .
Ich freu mich schon auf das Gequicke der verarmten Betreiber solcher Pflegeheime.

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