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Lothar Reis – ein Leben nach Noten

17.07.2009 | 17:51 Uhr

Hengsen. Lothar Reis ist Sänger aus Leidenschaft. Mehr noch: „Ich gehe ganz im Chor auf. Er ist mein Leben. Ich wüsste gar nicht, was ich ohne den Chor machen würde.” Der Chor, dem Lothar Reis seit nunmehr 55 Jahren angehört, ist der Männergesangverein Eintracht Hengsen.

Seit über 30 Jahren kümmert er sich davon um die Noten des MGV Eintracht Hengsen. „Eigentlich bin ich schon seit 40 Jahren Notenwart”, meint er lächelnd, „Aber so ist das nun einmal: Genannt wird immer nur der 1. Notenwart.”

Als solcher kümmert sich Reis darum, dass alle Sänger stets die richtigen Noten vor sich haben. „Bei neuen Liedern muss ich die Noten zukaufen, wenn welche verloren gegangen sind, muss ich sie ersetzen oder kaputte Noten reparieren.” Das kann in Stress ausarten: Vor Konzerten muss Reis dafür sorgen, dass jeder Sänger für jedes der 13 bis 15 Lieder alle Noten vorliegen hat. „Insgesamt hat unser Chor 576 Lieder”, weiß Reis, der die Notenblätter dazu hat.

Bemerkenswert: Als Funktionsträger ist Lothar Reis stets präsent im Chor. Er fehlt bei keiner Probe, ist fast immer der erste, der das Klavier aufschließt, die Lampe aufstellt und der letzte, der das Licht löscht. „Aber natürlich bin ich nicht alleine als Notenwart”, sagt er bescheiden. „Ich habe auch Hilfe.” Für sein Engagement als Notenwart hat ihn der Chorverband NRW unlängst mit einer Goldmedaille geehrt.

Nur Heinz Flunkert und Willi Schwier sind noch länger als Reis Mitglied (70 Jahre) im Chor. Zum MGV Hengsen gebracht hat ihn 1955 sein Vater Karl. „Er hat mich und meine beiden Brüder damals zu den Proben genommen.” Freizeitvergnügen standen kaum zur Auswahl: „Es gab nur Sport oder den Chor”, meint Lothar Reis. Kein Wunder, dass der MGV Hengsen 1955 seine Blüte erlebte: „Wir waren damals 72 Sänger – so viele wie nie mehr danach.” Aktuell zählt der MGV Eintracht Hengsen 53 aktive Sänger. Und das kann sich durchaus sehen lassen. Denn Männerchöre leiden landauf und landab unter Nachwuchssorgen. „Leider ist das so”, bedauert Lothar Reis. Was er besonders

am Chorgesang schätzt: „Wir singen in lateinisch, englisch, Gospel oder auch Volkslieder. Wir sind sehr vielseitig.” Wichtig seien aber auch „die Geselligkeit und der Zusammenhalt” in der Chorgemeinschaft.

Ein Lieblingslied hat der langjährige Notenwart allerdings nicht. „Das wechselt mit der Zeit. Die besten Lieder sind immer die, die gut sitzen.” Zurzeit mag Lothar Reis besonders „Segne, o Herr”. „Ein wunderschönes Lied, das man bei vielen Gelegenheiten singen kann. Da geht mir das Herz auf und ich kriege eine richtige Gänsehaut.” Auch nach 55 Jahren noch.

Peter Gräber

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