Im Genre muss das Böse überleben
05.10.2010 | 17:18 Uhr 2010-10-05T17:18:00+0200
Holzwickede.Sebastian Fitzek (38) beweist mit seinen Romanen, dass gute Krimis nicht unbedingt aus den USA oder Skandinavien stammen müssen. Auch sein neuer Psychothriller „Der Augensammler“ ist ein Bestseller und wird wieder ein Exportschlager. Fitzeks Fantasien sind inzwischen in 20 Sprachen übersetzt worden.
Vor der (ausverkauften) Lesung im Rahmen des Krimi-Festivals „Mord am Hellweg“ am Freitag, 8. Oktober, im Holzwickeder Porsche-Zentrum führten wir mit dem Berliner ein Interview.
Herr Fitzek, aus welchem Auto steigen Sie am Freitag in Holzwickede aus?
Sebastian Fitzek: Aus einem Volvo XC90.
Passt das denn zum Image eines Bestseller-Autoren oder zum Veranstaltungsort?
Wohl nicht. Hoffentlich ist der Gastgeber nicht allzu gekränkt. Ein Porsche ist ein schönes Auto, mir aber zu teuer.
Kommen Sie überhaupt noch zum Geldausgeben, mit zwei guten Jobs als Schriftsteller und Vize-Programmdirektor von RTL Berlin?
Fürs Radio bin ich offiziell nur noch zwei Tage pro Woche im Dienst. Diese Arbeit ist mehr mein Anker in der Realität.
Leben Sie als Schriftsteller sonst in einer Parallelwelt?
Das Schreiben selbst ist weniger das Problem. Eher das Nachdenken über eine Story. Ich bin wie Professor Hastig permanent mit etwas beschäftigt und mache mir Notizen, bevor ich den Gedanken verliere.
Müssen die Menschen um Sie herum dann besonders geduldige Geschöpfe sein?
Ich sag es mal so: Wenn ich in ein Museum gehe und meine Gedanken völlig abschweifen, kann das im schlechtesten Fall zur Vereinsamung führen. Ich bin aber gottlob verheiratet.
Oh, da wissen Sie schon mehr als Ihre Homepage...
Wir haben heimlich im Juli in Las Vegas geheiratet. Ich bin kein großer Anhänger von Jubiläen, Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern.
Und was machen Sie dann am 13. Oktober 2011?
Wenn ich 40 werde? Das ist kein schönes Datum. Wie immer zum Geburtstag werde ich dann flüchten, vielleicht wieder nach Rügen.
Wäre ich eine Figur in Ihrem Thriller „Der Augensammler“, würde ich wohl auch gerne einfach abhauen können. Menschen werden entstellt, Kinder entführt und nach einer festgelegten Zeit umgebracht. Und mit dem Happy End klappt’s bei Ihnen auch nicht so...
Ach, Happy Ends hat es bei mir in früheren Werken doch auch schon gegeben. Im Horror- wie im Psychothriller-Genre muss das Böse in seiner Essenz dann doch überleben. Ich fürchte, es verschwindet nie so ganz. Auch wenn mir Fernseh-Produzenten auch schon gesagt haben, dass sich meine Stoffe mit einem strahlenden und siegreichen Helden besser vermarkten ließen. Ich glaube, dass Fernsehpublikum wird da unterschätzt. In der Buchwelt funktioniert es doch auch.
Weswegen Sie in dieser Woche auch auf der Frankfurter Buchmesse ein gefragter Mann sind.
Ja, ich habe dort am Donnerstag und Freitag Termine und muss dann sofort nach Holzwickede.
Klingt nach Stress.
Die Lesungen sind toll, nur die Reisen nicht. Weil ich ein lustgetriebener Mensch bin und abends nicht allein in einem Hotel hocken möchte, organisiere ich meine Lesereisen jetzt immer wie eine Klassenfahrt. In dieser Woche begleiten mich vier Freunde.
Fünf Freunde im Volvo freitags auf der Autobahn. Das wäre was für ein Abenteuer ihrer Lieblings-Kinderbuchautorin Enid Blyton gewesen...
Wieso? Ich habe zweieinhalb Stunden für die Fahrt von Frankfurt aus eingeplant.
Nehmen Sie einen Rat von uns Stau Geplagten: Das wird ihr neuer Krimi! Viel Glück, gute Fahrt und Danke fürs Gespräch.
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