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Ältester Betrieb...

Hinnerwisch druckte zur Not auch Geld

02.09.2009 | 17:13 Uhr

Holzwickede. Wissen sie, was ein „Schweizer Degen" ist? Diese Frage stellte auch Günter Jauch einmal einem Kandidaten in seinem Quiz „Wer wird Millionär?" als 500 000- Euro-Frage. Der Kandidat scheiterte.

Ernst Hinnerwisch, dessen Großvater Julius die meisten unserer Postkarten gedruckt hat, hätte die Frage leicht beantworten können. Sein Vater, der auch Ernst I. hieß, bekam 1926 gleich zwei Meisterbriefe ausgehändigt: als Buchdrucker und als Schriftsetzer. Nach vierjähriger Ausbildung und erfolgreichem Abschluss hatte er damit den „Schweizer Degen" geschafft, wie man die doppelte Qualifikation (Buchdrucker und Schruiftsetzer) nennt.

Der heute 79jährige Ernst II. Hinnerwisch ist ein Holzwickeder Urgestein. 1990 übergab er seinen Betrieb an seinen Sohn Ernst III., aber mit seiner Frau Edeltraut ist er immer noch im Betrieb zu finden. „Mein Opa Julius kaufte 1898 ein Haus an der Hauptstraße 20 (früher Kaiserstraße) und gründete dort eine Buchdruckerei mit einem Geschäft für Schreib-und Bürobedarf”, erzählt der 79-Jährige uns. „Da haben wir fast alles gedruckt: Notgeld für die Bergarbeiter, die Polizeiverordnung von 1913, Festschriften, Formulare, Plakate, Totenbriefe und so weiter.” Hier hält Ernst II. Hinnerwisch inne, erinnert er sich doch noch zu gut an das traurige Tagwerk im 2. Weltkrieg, als besonders viele Totenbriefe gedruckt werden mussten.

Noch heute merkt man ihm an, wie sehr die Zeit des Krieges ihn geprägt hat. Sein Vater Ernst I., der seit 1931 die Geschäfte führte, war Soldat an der Front, als die schwerste Stunde für die Druckerei und die Familie schlug: Beim Bombenangriff auf Holzwickede im März 1945 wurden sie völlig ausgebombt. Alles lag in Schutt und Asche. Zum Glück konnte die Familie rechtzeitig die Schutzräume im „Adler" (Gaststätte Herkelmann) aufsuchen und überlebte.

„Unsere Druckmaschine war wie durch ein Wunder nur wenig beschädigt worden. Wir konnten sie schnell reparieren", sagt Ernst II. Hinnerwisch und lächelt wieder. „Schon 1945 richteten wir die Werkstatt notdürftig wieder her und verkauften Hefte, Bleistifte, Füller und Tinte, die noch in großen Flaschen geliefert wurde. Und die Maschine lief und lief und druckte Karten, Broschüren oder Formulare wie vor dem Krieg."

»Spezielle Aufträge

könnten wir noch in

Bleisatz erledigen«

Erst in den Jahren 1953/54 erfolgte der endgültige Wiederaufbau des Hauses in seiner heutigen Form. Ein weiterer einschneidender Augenblick im Druckerleben von Ernst II. Hinnerwisch war die Demontage seiner Druckmaschine, die über 90 Jahre im Einsatz gewesen war. Die Umstellung von Bleisatz auf Fotosatz hatte der herkömmlichen Technik ein Ende gesetzt. „Unsere tonnenschwere Wormser Schnellpresse landete aber nicht im Schrott, sondern steht heute noch im Museum der DASA in Dortmund", erzählt Ernst II., der nach dem Tode seines Vaters seit 1967 die Geschäfte weiter führte. Seit 1990 leitet sein Sohn Ernst III. das Geschäft. Heute wird die meiste Arbeit mit dem Computer erledigt. „Aber spezielle Aufträge könnten wir noch per Hand in Bleisatz ausführen”, betonen die beiden. Gelernt ist eben gelernt!

In diesem Jahr kann die Familie Hinnerwisch ein ganz besonderes Jubiläum feiern: Ihr Familienbetrieb besteht seit genau 111 Jahren und ist damit der älteste Betrieb in ganz Holzwickede. Wenn das kein Schnäpschen wert ist!

Rolf Backs

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