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Ein Jahr Haftstrafe

Ex-Banker zockte sogar Politikerin ab

10.11.2011 | 18:32 Uhr
Ex-Banker zockte sogar Politikerin ab

Holzwickede. Seine eigenen finanziellen Visionen ließen sich nicht realisieren, deshalb missbrauchte der gelernte Sparkassen-Betriebswirt aus Holzwickede das Vertrauen seiner Kunden und Freunde. Selbst eine heimische Finanzpolitikerin verlor bei ihm 9 000 Euro.

Bereits im Juli dieses Jahres wegen Betruges in mehreren Fällen zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, verhängte das Schöffengericht Unna unter Vorsitz von Jörg Hüchtmann wegen fünf weiterer Betrugsfälle nunmehr ein weiteres Jahr Freiheitsstrafe gegen den 54-Jährigen aus Holzwickede, der trotz alledem in seinem gelernten und gescheiterten Gewerbe weitermacht, derweil seine betrogenen Kunden weiter auf ihr Geld warten.

Offenbarungseid

Seine Kundschaft kannte den damals in der Gemeinde angesehenen Banker von den seriösen Geschäften, als er noch in Diensten der Sparkasse stand. Als er sich allerdings 1999 selbstständig machte, war er von seinem Jahresgehalt von 120 000 Euro ganz offenbar derart geblendet, dass er die Orientierung auf dem Finanzmarkt verlor. Schließlich hob er am 17. Juni 2010 mit gerade einmal 60 Euro in der Tasche seine „drei Finger“ und gab die eidesstattliche Versicherung ab, dass er pleite sei. Keine zwei Wochen später verurteilte ihn das Amtsgericht Dortmund wegen Unterschlagung in fünf Fällen zu einer Geldstrafe, die er ganz offensichtlich mit weiteren Gaunereien zu bezahlen suchte.

So prellte er wenig später in seinem Finanzbüro einen 26-jährigen Elektroniker aus Holzwickede um 3 400 Euro, sodann ein Ehepaar sowohl um dessen Einlage von 10 000 Euro sowie um den versprochenen Gewinn von 4,28 Prozent in nur drei Monaten.

„Ich wollte ein Liquiditätsloch schließen“, gestand der Betriebswirt zusammengekauert und leise auf der Anklagebank. „Ich lebte von Trockenbrot“, sagte er. - „Mir kommen die Tränen“, so die Antwort aus dem Zuschauerraum, wo ein Teil seiner geprellten Kunden den Prozess verfolgte und jedwede Hoffnung auf Wiedergutmachung längst aufgegeben hat.

Berater in Finanzfragen

Nicht unter den Prozessbesuchern ist die 64-jährige Politikerin aus der Nachbarstadt, die als ausgewiesene Finanzexpertin ihrer liberalen Fraktion gilt. Sie hat dem Angeklagten noch am 11. März dieses Jahres 9 000 Euro anvertraut in der Hoffnung und mit seinem Versprechen, ihr einen Monat später 10 000 Euro zurück zahlen zu wollen. Nicht einen Cent hat sie bis heute gesehen.

Nur zwei Tage vor diesem sehr einseitigen Geschäft war der Holzwickeder bereits vom Amtsgericht Dortmund wegen Insolvenzverschleppung verurteilt worden. Nunmehr wolle er aber wieder Fuß fassen, berate wieder in Finanzfragen und verdiene damit „monatlich rund 1 000 Euro“, mit denen er den Schaden wieder gut machen wolle, versprach er einmal mehr vor Gericht.

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