Ex-Banker wieder vor Gericht
26.01.2012 | 17:53 Uhr 2012-01-26T17:53:00+0100Holzwickede.Während das Schöffengericht des Amtsgerichtes Unna weiter die betrügerische Vergangenheit des 54-jährigen Finanzjongleurs aus Holzwickede aufarbeitet, der als selbstständiger Finanzberater so manchen Freund und Bekannten in der Gemeinde um sein Geld gebracht hat, ist er nach eigenen Angaben schon wieder im Geschäft: Er berate Banken „als Tippgeber bei Finanzierungen“.
Bereits einschlägig vorbestraft, hatte sich der gebürtige Hengser nunmehr der Anklage zu stellen, weil er zwei Kunden um 2 750 Euro gebracht haben soll. In beiden Fällen hatte der 54-Jährige Geld für Finanzvermittlungen und Anträge bei Banken und Kommunen kassiert, und beide Male sei nichts passiert.
Einschlägige Vorstrafen
Die Erklärungen des Angeklagten: Im ersten Fall sei die Schuld für seine Untätigkeit allein bei den Opfern zu suchen, die sich in keiner Weise kooperativ gezeigt hätten, im anderen Fall sei er selbst von seiner Vergangenheit eingeholt worden. Just als er im Juni 2011 Geld und Anträge seiner Nachbarn für den Bau eines Eigenheimes habe weiterleiten wollen, habe er seine Untersuchungshaft antreten müssen. So waren dem Angeklagten nicht alle Vorwürfe nachzuweisen, so dass er zum Teil freigesprochen wurde und angesichts der Verurteilungen im Juli 2011 (sechs Monate Haft auf Bewährung) und im November 2011 (ein Jahr auf Bewährung) die Verfahren eingestellt wurden.
Trotz aller einschlägigen Vorstrafen macht der mittlerweile geschiedene Holzwickeder in seinem gelernten und gescheiterten Gewerbe weiter. Als er noch in Diensten der Sparkasse stand, hatte der gelernte Betriebswirt einen guten Ruf, als er sich allerdings 1999 selbstständig machte, war er von seinem Jahresgehalt von 120 000 Euro ganz offenbar derart geblendet, dass er die Orientierung auf dem Finanzmarkt verlor und schließlich am 17. Juni 2010 mit gerade einmal 60 Euro in der Tasche seine „drei Finger hob“.
Politikerin geprellt
Keine zwei Wochen später verurteilte ihn das Amtsgericht Dortmund wegen Unterschlagung in fünf Fällen zu einer Geldstrafe, die er ganz offensichtlich mit weiteren Gaunereien zu bezahlen suchte. So prellte er wenig später in seinem Finanzbüro einen 26-jährigen Elektroniker aus Holzwickede um 3 400 Euro, sodann ein Ehepaar um dessen Einlage von 10 000 Euro, eine Politikerin um etwa den gleichen Betrag und alle warten auf Wiedergutmachung. Deshalb arbeite er nunmehr selbstständig „als Tippgeber bei der Vermittlung von Finanzierungen“, erklärte er auf der Anklagebank kleinlaut. Seine Arbeitgeber seien „in Unna verschiedene Banken“, und so komme er auf 800 bis 1 200 Euro im Monat.
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