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Die Frau mit dem Werkzeugwagen

11.03.2010 | 07:00 Uhr

Holzwickede. Mehr als 200 Sicherheitsschlüssel, an einem Drahtseilring aufgereiht, bilden den imposanten Schlüsselbund von Elke Müller.

Seit acht Jahren ist die 42-Jährige die „gute Seele” der Karl-Brauckmann-Förderschule für geistige Entwicklung und zugleich die einzige vom Kreis Unna in Vollzeit beschäftigte Schulhausmeisterin.

Nachhilfe bekommen selbst die Profis

Der Arbeitstag beginnt für sie morgens um sieben Uhr. „Aufschließen, alle Räume lüften und das Wasser im Schwimmbad prüfen” – der Tag startet immer gleich, bis um 8 Uhr die sechs Zivildienstleistenden kommen. Bis 22 Uhr hat sie Rufbereitschaft, und bis dahin ist nichts Routine. „Ich bin zumeist für Kleinigkeiten da”, sagt die gelernte Maler- und Lackiererin, die einst in ihrem kleinen Lehrbetrieb nicht übernommen werden konnte. Ein Jahr lang hat sie daraufhin Zeitungen ausgetragen, 13 Jahre als Staplerfahrerin und drei Jahre als Raumpflegerin für den Kreis Unna gearbeitet.

 „Große Sachen darf ich hier nicht selbst machen, dafür muss ich Handwerker bestellen, so schreibt es das Bauamt vor”, sagt Elke Müller. Dabei macht ihr in Sachen Handwerk so schnell keiner mehr was vor. Selbst Profis bekommen da schon mal Nachhilfe von der Fachfrau: „Einem habe ich mal das Kitten der Fenster gezeigt, einem anderen, wie man Wände richtig spachtelt.” Ein bisschen sauer mache es sie nur manchmal, wenn man sie als offensichtliche Ansprechpartnerin nach dem Hausmeister frage.

 Die erwähnten kleineren Aufgaben, die zu ihrem Alltag gehören, summieren sich indessen zu einem ordentlichen Arbeitspensum: Den Bus säubern und desinfizieren, Rasen mähen, Haken fixieren, Lampen und Stühle reparieren, auf Sauberkeit und Sicherheit achten, „wenn Rollläden klemmen, einmal davorhauen, damit sie wieder gehen”, zählt die gebürtige Unnaerin auf und lacht. Die Liste ist schier endlos. Wenn sie zum Einsatz ausrückt, dann meist mit dem großen Werkzeugwagen, bestückt mit Hammer, Zangen und Schraubendrehern. Auch die Bohrmaschine bleibt nicht unbenutzt.

 Mindestens genauso wichtig ist Müller allerdings das menschliche Umfeld, in dem sie arbeitet: „Die Kombination aus Handwerk und Kindern ist einfach toll”, schwärmt die Wahl-Holzwickederin, die für ihren Job umziehen musste. „Ich bin ein neutraler Punkt, zu dem die Kinder kommen können, wenn es ihnen mal nicht gut geht.” Darüber hinaus bringt sie den Förderschülern gemeinsam mit ihren Lehrern den Umgang mit Geld bei, denn in ihrem bunten Hausmeister-Raum am Eingang verkauft Elke Müller süße Kleinigkeiten.

Den Schulschlüssel in der Freizeit immer dabei

„Der Umgang mit Geld gehört doch zu den Grundkenntnissen, und die werden hier geprobt”, begründet Müller. Manchmal aber muss sie aber trotz allem mit den Kindern schimpfen. Beispielsweise dann, wenn sie mal wieder genau da Ball spielen, wo viele Fenster sind, am besten noch im Flur. „Wir sind dennoch wie eine große Familie, und so möchte ich das gern”, beschreibt die Hausmeisterin das Verhältnis zu Kindern und Lehrern. Auch die nachmittägliche Tasse Kaffee mit den Raumpflegerinnen darf da nicht fehlen. Mit ihrer täglichen Arbeit steht Elke Müller aber nicht alleine da: Die Zivildienstleistenden stehen ihr gegebenenfalls zur Seite, wenn, wie kürzlich, beispielsweise mal das Dach nach einem Sturm geräumt werden muss. „Zumindest einer muss immer die Leiter festhalten, denn Sicherheit geht über alles”, sagt die Allrounderin, die am Nachmittag zusätzlich das Sekretariat übernimmt. Selbst in ihrer Freizeit steckt Elke Müller noch die Schulschlüssel ein und kontrolliert, mal hier und mal da, ob alles in Ordnung ist.

 Vor zwei Jahren, als eine Einbruchsserie die Emschergemeinde heimsuchte, war ihr aber doch etwas mulmig zumute: „Mit einem dicken Knüppel und meinem Hund habe ich die Schule aufgeschlossen”, erinnert sie sich, „schließlich bin ich die erste, die das Gebäude betritt.” Die Schule sei schließlich die Ihre, und das dürfe man nicht kaputt machen, sagt Müller und meint damit, dass die Schule natürlich nur in dem Maße die Ihre sei wie die Kinder, die sie schließlich auch als ihre Kinder bezeichne.

 Doch manchmal, da muss Elke Müller einfach mal raus. Raus aus dem Haus, das quasi zu ihrem Arbeitsplatz gehört. „Mit meiner 11-jährigen Tochter etwas unternehmen, in den Ferien nach Holland fahren, Freunde treffen oder einfach mal in die Disco”, nennt die Hausmeisterin ihre Lieblingsbeschäftigungen, „und sportliche Aktivitäten wie Radfahren”, fügt sie hinzu. Einen kleinen Luxus gönnt sie sich ab und zu aber auch: „Wenn alle Arbeiten erledigt sind und die letzten Sportler am Abend die Turnhalle verlassen haben, badet sie hin und wieder gern im schuleigenen Schwimmbad.

Ingo Schmidt

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