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Hennes Sürth ist Jeck...

Die Explosion der Ernsthaftigkeit

14.02.2010 | 15:48 Uhr

Holzwickede. Wenn sich am heutigen Rosenmontag viele Holzwickeder auf den Weg nach Köln machen, wird auch in einer kleinen kölschen Enklave an der Nordstraße mächtig gefeiert.

Denn seit 21 Jahren setzt Hans Sürth, Inhaber der Kneipe „Zum Fäßchen” und Kölner durch und durch, dort eine Duftmarke in Sachen Karneval – mit allem Drum und Dran. Um 11 Uhr geht es los, verkleidet natürlich.

„Ich habe die Kneipe zum Kölner Territorium erhoben”, sagt Sürth mit breitem rheinländischen Dialekt, „denn ich muss mich hier ja auch ein bisschen heimisch fühlen.” An Karneval, so der 66-Jährige, falle er immer in seinen alten „Slang” zurück, weil er sich dabei besser fühle. Damals, 1989, feierte er zum ersten Mal Weiberfastnacht in Holzwickede. „Ich hatte ein Schild aufgestellt und etwa 30 Frauen kamen”, erinnert sich der Karnevalist, der schon als Kleinkind zum „Zoch” in Köln ging, „und danach hat es sich herumgesprochen.” Am vergangenen Donnerstag platzte das „Fäßchen” aus allen Nähten, mehr als 60 Frauen, darunter einige Kölnerinnen, feierten dort bis in den fühen Morgen.

Als falsche Frau eine

Damenparty infiltriert

Auch er selbst hat sich mal als Frau verkleidet unter das Damenvolk gemischt: „Ich habe mir den Bart abrasiert und bin zur Eingangstür reingekommen”, erzählt der Wahl-Holzwickeder, „und es hat eine halbe Stunde gedauert, bis ich erkannt wurde.” Männer sollten übrigens wenigstens eine Krawatte tragen, wenn sie sich an Weiberfastnacht in eine Kneipe verlaufen. „Damit die Damen was zu tun haben”, weiß Sürth.

Dass im „Fäßchen” Karneval gefeiert wird, ist unübersehbar: Es gibt Früh Kölsch vom Fass, bunte Girlanden, Clownsmasken und Fotos des verkleideten Sürth aus vergangenen Jahren – und nicht zuletzt der Bacchus, zu Kölsch auch „Nubbel”, bekleidet mit von Gästen gespendeten Klamotten, zeugt davon, dass Karneval hier nicht nur nebenbei gefeiert wird. Am Aschermittwoch soll er, symbolisch für die begangenen Sünden in der Karnevalszeit, die ihm zugeschoben werden, verbrannt werden.

„Viele Holzwickeder, die man zu Karneval hier trifft, sieht man das ganze Jahr über nicht”, erklärt Hans „Hennes” Sürth, „doch dass hier gefeiert wird, das merken sie sich.” Es sei sogar so, dass sich die meisten Urlaub dafür nähmen.

Dass das Ruhrgebiet im Vergleich zum Rheinland keine närrische Hochburg ist, erklärt Hans Sürth so: „Während man in Köln an jeder Theke sofort einen Gesprächspartner findet, wird man hierzulande erst mal kritisch angeguckt, wenn man fremd ist.”

Keine aufgesetzte

Fröhlichkeit

Auch sei der Karneval keine „aufgesetzte Fröhlichkeit”, sondern eine Art Explosion der „gewissen Ernsthaftigkeit”, die sich das Jahr über angestaut habe. Die Fröhlichkeit selbst wohne dem Rheinländer aber wohl stets inne. Über das Phänomen des Erfolgs/Misserfolgs Helmut Scherers vermutet er: „Am Anfang hat er sicherlich gehofft, dass auch andere Leute mitmachen, doch inzwischen ist es sein eigenes Ding, das er allein durchziehen will.”

Wer an Rosenmontag nach Köln fahren möchte, dem Rät der Experte: „Der Rosenmontagszug ist eigentlich nur etwas für Auswärtige.” Besser sei es, durch die Kneipen zu ziehen und sich dort aufzuhalten, wo die Menschen auch wohnen – in den umliegenden Stadtvierteln, wo am gestrigen Sonntag die Stadtteilszüge unterwegs waren, aus deren Siegern sich dann der Rosenmontagszug zusammensetzt. „Oder man zieht vom Bahnhof aus über die Domplatte zum Heu- und Neumarkt”, empfiehlt Sürth. Er muss es wissen, schließlich hat er selbst seine Frau beim Kölner Karneval kennen gelernt. Und nach dem Karneval? „Da geht es für eine Woche in den hohen Norden, um Ruhe und Erholung zu finden.”

Ingo Schmidt

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