Dicke Freundschaft endet vor Gericht
14.02.2012 | 17:04 Uhr 2012-02-14T17:04:00+0100Holzwickede.Einst waren sie dicke Freunde, jetzt sahen sie sich vor Gericht wieder – der eine auf der Anklagebank, der andere im Zeugenstand.
Eine zeitweise „sehr gute Freundschaft“, so der wegen Betruges angeklagte Elektriker (35), allerdings „zum Höchstpreis“ (Strafrichter Manuel Ginzel), den besagter Freund und Dienstleister aus Holzwickede ihm mit einem Stundenlohn von teilweise weit über 1 000 Euro in Rechnung stellte. Nachdem sich der Elektriker ein preiswertes Haus gekauft hatte, waren die helfenden Hände von Bekannten und vor allem auch die des ungelernten Dienstleisters und Freundes vor Ort gefragt.
Allesamt sollten für ihren Einsatz mit einer zünftigen Gartenparty belohnt werden. Dazu kam es allerdings erst gar nicht, weil plötzlich ein Inkassounternehmen versuchte, 4 681,36 Euro für die Dienstleistungen des vermeintlichen Freundes einzutreiben.
Auch Haussegen schief
Eine nicht nachzuvollziehende Forderung. So hat der Holzwickeder nach Berechnungen des Verteidigers allein für Fugenarbeiten „einen Stundenlohn von 1 242 Euro netto“ in Rechnung gestellt. Für Fliesenarbeiten waren es weit über 40 Euro. Auch das war für Richter Ginzel „eine überhöhte Forderung“: „Sie sind kein Meister, noch nicht einmal gelernter Fliesenleger.“ Ganz offensichtlich ist der Holzwickeder auch kein gelernter Buchhalter, so dass ihm die Rechnungen von der abgerechneten Bauschuttentsorgung völlig fehlten: „Auf dem Wertstoffhof habe ich Sonderkonditionen ohne Rechnung“, so seine Erklärung. „Das passt alles nicht zusammen“, meinte Richter Ginzel, der den Angeklagten vom Vorwurf des Betruges freisprach. Am Freitag gibt es für den Elektriker ein Wiedersehen mit seiner Frau vor Gericht, denn nicht nur seine Männerfreundschaft ist mit der Renovierung des Hauses in die Brüche gegangen, auch der Haussegen hängt seither so schief, dass nun die Scheidung ansteht.
0mitdiskutieren