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An den Grenzen Holzwickedes

27.07.2011 | 18:04 Uhr
An den Grenzen Holzwickedes
Autor und Journalist Burkhard Schröder besucht seine alte Heimat Holzwickede Foto: Henryk Brock

Holzwickede.„Wenn ich im Ausland unterwegs bin, träume ich nachts nie von Gegenwärtigem. Immer nur von Holzwickede.“ Der Berliner Autor und Journalist Burkhard Schröder ist 1952 in Holzwickede geboren worden und zog 1979 in die Hauptstadt.

Schröder mit Mutter bzw. Großmutter in Holzwickede

Jetzt kehrte er in die Emschergemeinde zurück, um seine eigene Vergangenheit zu erwandern. „Ich glaube, dass man als Autor nur authentisch sein kann, wenn man in irgendeiner Form auch über sich selbst schreibt“, sagt er. „Dazu muss man jedoch seine Vergangenheit und ihren Einfluss auf einen selbst kennen.“

Schröder ist vor allem durch seine Bücher über Rechtsradikalismus bekannt geworden. Darüber hinaus interessiert sich der Schriftsteller aber auch für Themenbereiche wie „neue Medien“ und Soziokultur. Gerade Letzteres zieht sich wie ein roter Faden durch seine gesamte schriftstellerische Arbeit. Besonderes Interesse zeigt er dabei für Milieustudien. Vielleicht, weil er selbst aus dem Bergbaumilieu stammt. „Die Geschichten hier aus Holzwickede waren immer total romantisch. Ich hab’ immer stundenlang zugehört, wenn die Männer Zechendönekes erzählt haben. Vielleicht habe ich daher meinen Hang zum Geschichtenerzählen.“

Aber auch der Versuch des Ausstiegs aus einem Milieu ist ein immer wiederkehrendes Thema in seinen Büchern. Schröder sieht seinen Weggang nach Berlin mittlerweile selbst als eine Art Ausstieg. Wie auch seine ständigen Reisen durch die Welt. „Irgendwann musste ich einfach weg. Wollte alles so weit wie möglich hinter mir lassen. Nicht weil es schlecht war, sondern weil ich glaube, dass man sich erst in der Fremde richtig kennenlernen kann. Hier in Holzwickede waren wir eine eingeschworene Gemeinschaft.“

Warten auf das Ende der Welt

Schröders Großvater war neuapostolischer Laienpriester in Holzwickede. Der neuapostolische Glaube war streng aber förderte auch den Zusammenhalt in der Gemeinde. „Ich bin fünf Mal in der Woche in der Kirche gewesen. Nicht wegen der Inhalte, sondern weil man dort bekannte Gesichter wiedertraf“, sagt Schröder heute. „Bei Gewitter saß ich aber auch oft mit meiner Mutter im Wohnzimmer, weil wir dachten, der von den Neuapostolen erwartete Weltuntergang sei nahe.“

Die Wohnung seiner Eltern befand sich im dritten Stock des Hauses an der Nordstraße 2. „Von einem Fenster konnte ich den Bahnhof sehen“, erinnert er sich. „Dort habe ich stundenlang gewartet bis mein Vater und mein Großvater mit dem Zug von der Zeche kamen.“

Vielleicht ist die Bahnunterführung deshalb für Schröder der Mittelpunkt eines Nord -Süd Gefälles. „Sein“ Holzwickede erstreckte sich von, kurz nach der Unterführung bis kurz hinter die Nordschule, die er als Kind besuchte. Im Westen markierte der kleine Eisenbahntunnel am Fuße des Oelpfads das Ende von Schröders Hoheitsgebiet.

„Dort hinzugehen war mir streng von meiner Mutter verboten worden. Wegen der Zigeuner, die dort lagerten.“

Mittelpunkt des sozialen Lebens der Kinder bildete daher der Platz, wo ehemals Nachtwey war. „Dort haben wir uns immer zum Spielen getroffen. Samstags bin ich dann immer daran vorbei und unter der Unterführung hindurch zum dortigen Laden gegangen, um Milch zu holen“, erzählt er. „Dahinter kamen nur noch Felder. Zum Zentrum hatte ich nie einen wirklichen Bezug aufgebaut.

Die Räuberbande angeführt

Den nächsten Außenposten der Zivilisation bildete für Schröder erst wieder der Hof seiner Großeltern. Der lag im Gebiet von Hengsen-Opherdicke. „Von da hat mich mein Großvater immer mit auf Ausflüge in den Hixter Wald und zum Kellerkopf mitgenommen – für mich waren das richtige Exkursionen. Beide Orte hatten für mich immer etwas Faszinierendes an sich. Ich habe mir dort immer vorgestellt, ich sei dort der Anführer der hiesigen Räuberbande.“

In den kommenden Tagen will Schröder noch weitere Kindheitspfade bewandern. „Ich will noch einmal zum Wasserschloss in Opherdicke und zum Hixter Wald“, sagt er. „Dann will ich versuchen, das Grab meines Großvaters auf dem Friedhof zu finden. Aber auch die neue Brücke, von der ich bereits gehört hab, will ich sehen.“

Serie "Geschichte(n) aus Unna"

Sascha Brandt

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