Winter macht Waldtieren zu schaffen
15.02.2010 | 17:00 Uhr 2010-02-15T17:00:00+0100
Hohenlimburg. Der Mensch schützt sich gegen Kälte und Schnee, seine Nahrung findet er auch in dieser Jahreszeit im Supermarkt. Was aber ist mit den Tieren?
Eine besorgte Leserin ist überzeugt, dass die jetzige Witterung als „Notzeit” deklariert werden müsse. In den amtlich festgelegten „Notzeiten” wird das Wild gefüttert, weil es draußen nichts mehr findet. „Bei geschlossener Schneedecke und Minusgraden finden die Tiere nichts, selbst der Raps ist gefroren. Die Förster sollten unbedingt zufüttern”, meint die Leserin.
Doch die Ansicht der Tierfreunde und die Regelung in der „Fütterungsverordnung des Landes NRW” liegen weit auseinander. „Ich weiß nicht, wann wir das letzte Mal eine Notzeit hatten, aber in diesem Winter ist es noch lange nicht kalt genug, die Tiere finden auch immer noch etwas”, erklärt Hans Sporkat, stellvertretender Amtsleiter im Amt für öffentliche Sicherheit, Verkehr und Personenstandswesen der Stadt Hagen auf Anfrage unserer Zeitung.
Tiere finden nichts zu fressen
Er erläutert, dass es im Ermessen der Jagdpächter und Förster liege, ob sie zufüttern wollen und warnt: „Die Bürger sollten das Wild gar nicht füttern, denn der Verdauungstrakt ist im Winter auf Sparflamme umgestellt, die Waldtiere vertragen deshalb gar nicht, was die Menschen ihnen in guter Absicht bringen.” In Mischwäldern, weiß Hans Sporkat auch, finden die Tiere eigentlich immer etwas.
Oberförster Klaus Buhl ergänzt: „Es ist für das Wild eine Zeit angebrochen, in der es schon ein bisschen Not hat. Doch Wild sollte man nie mit Nahrungsmitteln füttern, die für Menschen sind. Spaziergänger sollten unbedingt auf den Wegen im Wald bleiben, denn die Tiere fahren all ihre Aktivitäten herunter, um Energie zu sparen. Werden sie plötzlich hoch und davonlaufen müssen, steigt ihr Energieverbrauch zu stark an.” Klaus Buhl verweist auf das dickere Winterfell der Waldtiere wie auch auf das winterlicher Federnkleid der Vögel.
„Einer vernünftigen Anfütterung bei Singvögeln steht natürlich nichts entgegen. Ich selbst habe viel Freude an ihrem Gezwitscher im Garten und füttere u. a. Meisenknödel und Sonnenblumenkerne”, erzählt Klaus Buhl.
Was macht eigentlich der Förster im Winter?
Der Oberförster in fürstlichen Diensten weiß aber, dass dass die Tiere noch Futter finden. Kyrill habe soviele Freiflächen geschlagen, in denen jetzt reichlich Brombeeren und Himbeeren wachsen, ebenso Kräuter. Außerdem habe es im Herbst eine gute Eichel- und Bucheckernmast gegeben. „Das Wild findet besonders auf den Südseiten, dort wo die Sonne hinleckt, etwas zum Fressen”, kennt er sich in seinem Wald aus.
Womit ist ein Förster während des Winterschlafes der Natur eigentlich beschäftigt? Klaus Buhl lacht: „Oh, da habe ich keine Sorge. Es ist die Haupteinschlagszeit für Laubholz wie Eiche, Buche oder Ahorn zum Beispiel. Laubholz kann man nur schlagen, wenn es keine Blätter trägt.”
Dann nämlich ist der Saft raus und das Holz trocken. Dadurch lässt sich das Holz u. a. besser lagern.
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