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Über ganze Welt verstreut

16.05.2007 | 03:50 Uhr

Hohenlimburg. Es war ein bewegender Moment für alle Beteiligten: eine Familienzusammenführung nach fast acht Jahrzehnten der Suche und der Recherche.

Am Sonntagnachmittag trafen drei von fünf mittlerweile über den gesamten Kontinent verstreute Cousinen der Familie Aptekmann in der Alten Synagoge an der Jahnstraße aufeinander. Die Hohenlimburgerin Brigitte Klein, Ingrid Ludwig und Monica Aptekmann ließen sich im Beisein ihrer Familienmitglieder von Adalbert Böning durch die Synagoge führen und Wissenswertes über den jüdischen Glauben nahe bringen.

Denn der jüdische Glaube war es auch, der die Familie zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs auseinander brachte. Gerd Aptekmann, Jude und Vater von Monica, wurde 1915 in Bayreuth geboren und wanderte 1936 nach Uruguay aus. Dort heiratete er 1943, und zwei Jahre später erblickte Tochter Monica das Licht der Welt. Als Mitarbeiter der Eisenbahn verschlug es ihn dann nach Argentinien, wo Monica ihre Kindheit verbrachte und dreisprachig (Englisch, Spanisch, Deutsch) aufwuchs. Zuhause wurde viel deutsch gesprochen.

Dennoch blieb die Vergangenheit des Vaters lange Zeit im Verborgenen: "Erst 1994 erfuhr ich von meinem Vater, dass wohl ein zweiter Familienstrang in Deutschland existiert und sein Vater zwei weitere Töchter hatte. Zusätzlich zu den beiden Brüdern meines Vaters (Prof. Henri Arvon, Paris, und Prof. Pinchas Yoeli, Tel Aviv) gab es also noch zwei Halbschwestern."

In den 60er-Jahren kehrte Gerd Aptekman kurzfristig nach Bayreuth zurück. Ein Freund veröffentlichte in der lokalen Tageszeitung einen Bericht über den ehemaligen Bayreuther aus Uruguay. Seine Halbschwester Eleonore Seebach und deren Familie weilten zur Zeit der Veröffentlichung des Artikels im Italienurlaub und so verpasste man sich nur knapp. "Das war schlechtes Timing", lächelt Ingrid Ludwig, Tochter von Eleonore Seebach. Nach dem Urlaub erhielten sie jedoch den Artikel und erfuhren das erste Mal von der Verwandschaft auf dem anderen Kontinent - die erste Grundlage für eine erfolgreiche Kontaktknüpfung war geschaffen.

Monica Aptekmann, Genealogin, und somit bestens mit Abstammung und Ahnenforschung vertraut, war sofort Feuer und Flamme und begann mit einer intensiven Recherche in Bezug auf ihre Verwandtschaft in Deutschland. Dennoch dauerte es weitere zehn Jahre, bis das erste Telefonat zwischen ihr und Lieselotte Meyer, der zweiten Halbschwester ihres Vaters, stattfand. Ein Jahr später besuchten sie sich das erste Mal und besichtigten Bayreuth. Wenig später gab es ein erneutes Treffen der Familie, diesmal mit der Familie aus Israel.

Im Jahr 2007 war nun Hohenlimburg an der Reihe. Denn Lieselotte Meyer sowie deren Tochter Brigitte Klein und ihre Familie hat es unter den Schlossberg verschlagen.

Allzu lange können Monica Aptekmann und ihr Mann aber nicht in Hohenlimburg bleiben. Nach erholsamen und informativen Tagen im westfälischen Heidelberg reisen die beiden zu einem Vettern- und Cousinentreffen nach Südschweden.

Von Jan Wehn

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2007-05-16 03:50
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