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Krankenhaus-Besucher stehen kopf

18.06.2012 | 11:00 Uhr
Krankenhaus-Besucher stehen kopf
Rettung aus einer Zwangslage. Rettungssanitäter Paul Fischer befreit Gabi Lehrke nach einem schweren Verkehrsunfall aus einem Fahrzeug, das sich überschlagen hat.

Hohenlimburg. Wie verhalte ich mich als Insasse richtig, wenn sich mein Auto bei einem Verkehrsunfall überschlagen hat und auf dem Dach liegt? Wie verhalte ich mich nach einem solchen Unfall als Ersthelfer klug und korrekt?

Diese und andere Fragen können jene mutigen Besucher des Tages der offenen Tür zum 125-jährigen Jubiläum des Elseyer Krankenhauses jetzt beantworten, die am Samstag in den präparierten Opel Corsa kletterten, um sich von den Rettungsassistenten Daniela und Paul Fischer aus dem Sicherheitsgurt und somit aus dem Fahrzeug befreien zu lassen.

Die beiden Rettungsspezialisten aus Hessen machten dabei bewusst, dass Ruhe bewahren, sammeln und stabilisieren der Opfer die wichtigsten Gebote für eine zielgerichtete Rettung sind. „Eine Wundversorgung ist in einem solchen Fall zweitrangig“, betonte Paul Fischer.

Doch wie verhält sich die Person, die nach einem Überschlag mit dem Kopf nach unten im Gurt hängt, korrekt? Gabi Lehrke, Pflegedienstleiterin des Krankenhauses, machte die Probe aufs Exempel. Die Füße gegen die Windschutzscheibe stemmen, falls diese noch vorhanden ist, den Kopf auf die Brust legen, dann den Sicherheitsgurt öffnen und sich über die Schulter abrollen. „So ist es perfekt“, sagte Paul Fischer, der verdeutlichte, dass die Unfallopfer, die mit dem Kopf nach unten im Gurt hängen, nach ca. 15 Minuten gerettet sein müssen. „Danach tritt der Tod ein.“

Daniela und Paul Fischer verdeutlichten aber auch, wie wichtig es ist, angeschnallt zu fahren. „Wenn sich ein Auto überschlägt und die Insassen nicht angeschnallt sind, brauchen wir oftmals gar nicht mehr zu helfen“, sagten die Rettungsspezialisten mit einer kleinen Portion Sarkasmus.

Großes oder kleines Haus?

Aber es war nicht nur die Demonstration der Rettung aus einer Zwangslage, die am Samstag für großes Interesse beim Tag der offenen Tür sorgte.

Auch die Fachvorträge der Mediziner waren durchgängig gut besucht. Als Chefarzt Dr. Joachim Dehnst zum Thema „Wie finde ich den richtigen Chirurgen“ referierte, reichte die Kapazität der Stühle nicht aus, so dass zusätzlich weitere zwanzig aufgestellt werden mussten.

Dr. Dehnst, der sich durch seine fachliche Kompetenz und seine menschliche Souveränität viel Vertrauen in und rund um Hohenlimburg bei seinen Patienten erworben hat, stellte einen Vergleich zwischen großen und kleinen Krankenhäusern an. Für große Häuser sprechen viele und große Geräte, die Zahl der Ärzte und die unterschiedlichen Abteilungen; für kleine Häuser das vertrauensvolle Verhältnisse zu den Medizinern, die wohnortnahe Versorgung und auch die geringe Zahl der Ärzte, die sich ständig austauschen.

„Es wird gegenwärtig in den Medizin viel entwickelt. Manches ist Zirkus-Chirurgie“, so Dr. Dehnst, der den Zuhörern riet, vor einem Krankenhaus-Aufenthalt zu fragen: „Was will ich und was benötige ich wirklich? Was ist etabliert?“ Denn das Etablierte, so der Chefarzt, sei auch gut.

Bewegung schützt vor Darmkrebs

Informativ auch der Vortrag von Dr. Markus Dechene zum Schutz vor Darmkrebs. Dr. Dechene zeigte auf, welche Risikofaktoren es gibt: Bewegungsmangel, Ernährung (u.a. Chips, schwarze Grillwurst, Alkohol oder Nikotin) und gab Tipps zur Prävention: regelmäßige Bewegung, kein Nikotin, kein Übergewicht sowie Mischkost und viel Obst und Gemüse.

Zwei von acht interessanten Referaten, die bis zum späten Nachmittag die Besucher fesselten.

Mini-Medizincheck für Besucher

Und wer zwischendurch bei den Krankenkassen einen Mini-Medizincheck machen wollte (Blutdruck, Blutzucker, Körperfettmessung) war bei den ebenso freundlichen wie fachkundigen Mitarbeitern gut aufgehoben.

Vorführungen im Operationssaal (u.a. Informationen zur Gastro- oder Endoskopie) sowie zahlreiche Angebote rund um Gesundheit und Wellness an Verkaufsständen im Garten rundeten das Angebot ab. Und dazu trug auch das Hohenlimburger Akkordeon-Orchester bei, das zum Abschluss des Tages im Krankenhaus-Hof die Besucher mit auf eine musikalische Reise nahm.

„Wir sind mit der Besucherzahl trotz der durchwachsenen Großwetterlage sehr zufrieden“, bilanzierte Krankenhaus-Geschäftsführer Gerhard Neuhaus gestern Mittag. Fazit: Ziel erreicht!

Von Volker Bremshey



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