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Grandioser "Piaf"-Abend zum Auftakt

15.03.2010 | 16:30 Uhr
Grandioser

Hohenlimburg. Stehende Ovationen, die nicht enden wollen, Bravo-Rufe und ein strahlender Schlossspiel-Leiter Dr. Peter Schütze. Der Auftakt der Schlossspiele 2010 mit der Vorstellung des Programms (wir berichten morgen) und der „Hommage an Edith Piaf” hätte nicht glanzvoller sein können.

Fast schien es, als ob sich nach fast neunzig hinreißenden Minuten mit Ulrike Wahren auch die im alt-ehrwürdigen Fürstensaal des Schlosses so erhaben von den Wänden blickenden Vorfahren des Erbprinzen Maximilian zu Bentheim-Tecklenburg ebenso stilvoll wie beeindruckt vor der Künstlerin und ihrem kongenialen Pianisten und Akkordeonisten Harald Kießlich (Bielefeld) verneigten.

Ulrike Wahren bot nicht nur facettenreiche Informationen zum „Spatz von Paris”, wie „die Piaf” liebevoll genannt wurde, sie lebte vielmehr diese begnadete Künstlerin, schien mit ihr eins zu werden und löste damit bei den weit über einhundert Gästen, unter ihnen zahlreiche Ehrengäste, ebenso tiefe Betroffenheit wie auch eine gehörige Portion Heiterkeit aus. Edith Piaf liebte das Leben mit all seinen abgrundtiefen Schattenseiten - genoss die verführerischen Dinge wie ausschweifende Partys, Alkohol und Drogen, mit denen sie die Nacht zum Tag machte und die letztlich zu ihrem Tod führten. Gleichzeitig entwickelte „die Piaf” einen vielfach unbegreiflichen Willen, ihre Ziele durchzusetzen, der sich auch in ihren Chansons widerspiegelte.

Angefangen bei „Milord”, mit dem Ulrike Wahren ihren Abend eröffnete. Schon dabei überzeugte die stimmgewaltige Sängerin - wie die kleine, „große” Edith Piaf - nicht nur mit warmem Timbre und mit ihrer genialen stilistischen Sicherheit. Es war ein absoluter Hörgenuss, in dem die Sehnsucht nach einer harmonischen dauerhaften Liebe deutlich wurde. Die fand Edith Piaf erst im Jahr 1947, als sie den Boxweltmeiter Marcel Cerdan kennen und lieben lernte. Zu dieser Zeit schwebte sie schon in Amerika auf der Woge des Erfolges. Es passte ins Bild ihres Lebensschicksales, dass auch diese Liebe nicht ewig dauerte und Cerdan auf dem Weg nach Amerika, um Edith Piaf zu besuchen, mit dem Flugzeug abstürzte.

Ob „Mon legionäre”, „La foule” oder „Non je ne negrette rien” - in all diesen Liedern wurde der Wunsch nach Liebe und Harmonie deutlich - ein Wunsch, der letztlich bis zu ihrem Tod unerfüllt blieb. Auch wenn sie, schwer gezeichnet von ihrer Krankheit, zu Beginn der 60er Jahre noch den griechischen Nachwuchskünstler Theo Sarapo heiratete.

Es waren jedoch nicht nur die fundierten Informationen und die Piaf-Songs, die die Besucher begeisterten. Es war auch das charmant-witzige Spiel mit dem Publikum und mit ihrem Partner Harald Kießlich, der mit seinem Akkordeon und der damit verbundenen Reise durch die Welt der Musik, die bis nach China führte, Trost spendete. Und dieser war angesichts der Tragik um Edith Piaf manchmal notwendig . . .

Angesichts des großen Erfolges - rund einhundert Interessenten erhielten für dieses Konzert keine Karten - ist eine Zusatzveranstaltung im Sommer geplant.

Volker Bremshey

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