Ein Kind auf Rezept
25.01.2010 | 17:52 Uhr 2010-01-25T17:52:00+0100Hohenlimburg. Einhundert Jahre Schloß-Apotheke. Dieses besondere Jubiläum gilt es am heutigen Dienstag an der Freiheitstraße zu feiern. Mit einem Gläschen Sekt und kleinen Überraschungen.
„Wir machen keine großen Geschenke”, sagt Inhaber Arno Haarmann-Thiemann, der im Jahr 1982 die Familienapotheke von seinem Vater Fritz übernommen hat. „Wir spenden dafür an Don-Bosco-International. Das passt besser in die gegenwärtige Zeit”, fühlt sich der 58-Jährige mit dem Ehepaar Erkeling und dessen Engagement tief verbunden.
Und so ergänzt er. „Deshalb möchten auch wir keine Geschenke haben. Eine Spende an Familie Erkeling ist angesichts der Opfer in Haiti wertvoller.”
Rückblende: Gründer der Apotheke, heute vor 100 Jahren, war Hermann Hildebrandt, der die Schloß-Apotheke an der Lenneuferstraße 22 eröffnete. Damals existierte rund um den Kronenburgplatz noch ein kleines Nebenzentrum mit vielen kleinen Geschäften.
27 Jahre nach der Gründung der Apotheke übernahm diese der Apotheker Tillmann Peter Hausmann, der Ende der 50er Jahre die Zeichen der Zeit erkannte und den Standort wechselte. Möglicherweise weil sich ein Niedergang des Nebenzentrums damals schon abzeichnete, denn heute ist die Nachfolge-Apotheke am Kronenburgplatz längst Geschichte.
Sieben Jahre nach dem Umzug in die Innenstadt zur Freiheitstraße 30 übergab Tillmann Peter Hausmann im Jahr '67 die Apotheke an seinen Schwiegersohn Fritz Haarmann-Thiemann, der zu Beginn der 80er Jahre den Umzug in den Neubau „nebenan” vorantrieb. Dieser erfolgte am 30. November 1982. Wenige Tage später übernahm der jetzige Inhaber Arno Haarmann-Thiemann die Leitung von seinem Vater. Somit setzte er eine Familientradition fort.
„Es hat sich einiges verändert”, blickt Arno Haarmann-Thiemann zurück. „Die Zeiten, als der Apotheker noch der klassische Pillendreher war, sind vorbei. Dafür hat die Bürokratie schleichend zugenommen. Die Abrechungsmodalitäten für Rezepte sind immer komplizierter geworden.”
Deshalb ist er froh, dass Marlies Mehl, die gegenwärtig nach einer Operation eine Reha-Maßnahme durchläuft und deshalb den besonderen Geburtstag nicht mitfeiern kann, auch nach fünfzig Jahren (!) als Apothekenhelferin weiterhin ihre Frau steht und einige Stunden in der Woche leistet.
In einhundert Jahren Schloß-Apotheke hat es natürlich auch das ein oder andere Anekdötchen und somit auch manch' lustige Verordnung gegeben. Die hat Arno Haarmann-Thiemann fein säuberlich archiviert. So verschrieb eine Ärztin einer Patientin auf einem Rezept zunächst Augentropfen und darunter ein Kind. Gemeint war natürlich, dass die Tropfen für ein Kind sein sollten . . . .
Dafür, dass Sohn oder Tochter nicht in die Fußstapfen ihres Vaters, Großvaters und Urgroßvaters treten und somit den Beruf des Apothekers nicht ausüben möchten, hat er Verständnis. Deshalb wird er irgandwann einmal die Leitung der Schloß-Apotheke in andere Hände geben. Doch daran verschwendet er jetzt noch keine Gedanken, schließlich ist er als Jahrgang 1951 noch jung genug, die Geschicke an der Freiheitstraße 32 - 34 noch einige Jahre zu bestimmen.
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