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Der Mut zur Wahrheit fehlt Demografie-Experte Hollstein beeindruckt

20.06.2007 | 09:20 Uhr

Hohenlimburg. Prognosen des Statistischen Bundesamtes sagen voraus, dass die Bundesrepublik bis zum Jahr 2050 rund zehn Millionen Menschen verlieren wird. Eine Ursache dafür ist, dass die Kinderzahlen kontinuierlich zurück gehen. Bekam 1953 eine Frau stat

Dem steht allerdings eine höhere Lebenserwartung gegenüber. Diese ist in den zurückliegenden einhundert Jahren um 30 Jahre gestiegen. Das ist der Grund, warum die verantwortlichen Politiker diese brisante Demografie-Thematik gemieden haben. Weniger Kinder und mehr ältere Menschen führen dazu, dass immer weniger Arbeitnehmern immer mehr versorgungsbedürftigen Menschen gegenüberstehen.

"Man muss den Mut haben, diese Wahrheiten anzusprechen", übte Dr. Hollstein (CDU) Kritik an jene Bundespolitiker aller Parteien, die den Bürgern auch bei der Rente-, der Kranken- oder der Pflegeversicherung seit Jahren "Mogelpackungen präsentieren".

Strukturelle Probleme Strukturelle Probleme sind eine große Belastung für viele Kommunen. Junge Arbeitnehmer(Innen), speziell in den neuen Bundesländern, verlassen die Heimatgemeinden, weil sie ihren Arbeitsplatz verloren haben und keine Perspektive mehr sehen.

Eine Stadt, die schon in den 90er Jahren davon auch betroffen war, ist Altena. Deshalb ist es ihr Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein, der sich frühzeitig mit dieser Problematik vertraut machen musste. Er gehört inzwischen zu den bundesweit anerkannten Experten einer Kommission um den Bundespräsidenten Horst Köhler, die sich mit dem demografischen Wandel intensiv beschäftigt.

Aus diesem Grund hatte ihn Volksbank-Direktor Paul Krampe am Dienstag als Gastredner zur Vertreterversammlung eingeladen (siehe auch nebenstehenden Bericht), um über die "Chancen und Notwendigkeiten zur Veränderungen" zu referieren. Der Altenaer Bürgermeister fesselte in seinem zwanzigminütigen Referat seine Zuhörer und zeigte ebenso interessante wie teilweise auch beunruhigende Aspekte auf. Bis zum Jahr 2050 wird statistisch jährlich eine Großstadt in der Größenordnung Krefelds (ca. 230 000 Einwohner) von der Landkarte verschwinden. Und diese Fakten sind noch geschönt, versicherte Dr. Hollstein, weil die Zahl der Zuwanderer mit jährlich 70 000 deutlich niedriger ist als in den Prognosen von jährlich 200 000 hochgerechnet.

Mit dem Blick "aufs Lokale" hatte sich der Altenaer Bürgermeister die Mühe gemacht, die Zahlen seiner Heimatstadt mit Hagen und Hohenlimburg zu vergleichen. Von 1990 bis 2006 ging die Bevölkerung in Altena um 16,9 Prozent (oder 4052 Bürger) zurück, in Hohenlimburg waren es "nur" 4,4 Prozent oder 1482 Bürger.

Folge des Bevölkerungsrückganges sind geringere Einnahmen der Kommunen bei steigenden Kosten. "Altena war im Jahr 2001 insolvent", bekannte Dr. Hollstein frank und frei. Deshalb ist es u.a. notwendig, die Einnahmen zu erhöhen. In Altena ist es, in Kooperation mit den Nachbarstädten Werdohl und Lüdenscheid, die Ausweisung neuer Gewerbegebiete sowie die Forcierung der touristischen Angebote rund um die Burg. Auch an den neuen sauerländischen Höhenwanderweg knüpft er Hoffnungen.

Gleichzeitig müssen die Kommunen reagieren, die Stadt für die ältere Generation attraktiv machen. Das heißt, stadtnahes und barrierefreies Wohnen für Senioren anbieten; altengerechte Wohnanlagen schaffen und gemeinschaftliches wohnen ermöglichen.

Weil aufgrund des Finanzdefizites aber auch in Altena Schulen, Kindergärten und Schwimmbäder geschlossen werden mussten, erhält auch dort bürgerschaftliches Engagement einen immer höheren Stellenwert. So wurde die Fußgängerzone der Burgstadt von den Einzelhändlern in Eigenregie gepflastert, fährt ein Bürgerbus jene Ortsteile an, die der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) nicht ansteuert.

Sein Fazit: "Wir müssen bei vielen Themen interkommunal denken und mehr zusammenarbeiten", appellierte er zum Abschluss, sich vom Kirchturmdenken endlich zu verabschieden.

Von Volker Bremshey

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Kommentare
20.08.2008
19:39
Der Mut zur Wahrheit fehlt Demografie-Experte Hollstein beeindruckt
von Germane | #1

Tja, Woran das wohl Liegen mag!
Vielleicht an der Kinderfeindlichen Atmosphäre in Deutschland ? Oder Weil Mütter ehr Bestraft als Belohnt werden vom Vater Staat ? Dann denkt mal Scharf Nach Liebe Politiker

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