Betriebsrat sprengt klassische Rollenverteilung
14.02.2010 | 15:18 Uhr 2010-02-14T15:18:00+0100Hohenlimburg. Der Automobilzulieferer ThyssenKrupp Bilstein Suspension GmbH in Hohenlimburg ist ebenso wie viele andere in dieser Region von der Wirtschaftskrise betroffen. Umsatzeinbrüche und Beschäftigungsprobleme im zweistelligen Prozentbereich werden im laufenden Jahr erwartet.
Die Geschäftsführung, so die Beurteilung des Betriebsrates schon seit geraumer Zeit, habe mit den allseits üblichen Mitteln eine schnelle Kostenanpassung - unter anderem durch Fremdvergabe und die Aufgabe von Funktionen und Tätigkeiten - erreichen erreichen wollen.
Betriebsratsvorsitzender Gerold Vogel erklärt enttäuscht: „Zusätzlich zur Kurzarbeit und zu dem geplanten Abbau von Arbeitsplätzen wird die Schließung und der Verkauf von einzelen Standorten der Gruppe nicht ausgeschlossen.”
Am eigentlichen Grundproblem, so die Einschätzung des Betriebsrates, nämlich fehlender Beschäftigungs- und fehlender Zukunftsaussichten - ändere solch eine Vorgehensweise bekanntlich nichts. Dazu der Betriebsratsvorsitzende: „Mit der bislang praktizierten Vorgehensweise kommen wir nicht weiter. Die aktuelle Situation erfordert neue Wege und nachhaltiges Handeln.”
Eine Unternehmenspolitik, die auf Schrumpfung und kurzfristige Einsparungen setzt, hat der Betriebsrat zum wiederholten Mal abgelehnt und begründet dieses damit, dass eine Anpassung der Kostenstruktur ausschließlich durch Personalanpassungsmaßnahmen nur bedingt möglich ist.
Betriebsrat übernimmt
Notwendige Investitionen in technische Anlagen führen zur Verschlechterung der Kostensituation, wenn diese nicht ausgelastet werden können.
Dem Betriebsrat ist klar, dass eine weitere Schrumpfung die Existenzfrage des Standortes aufwerfen wird.
Eine Verteilung der Arbeit auf vorhandene Köpfe - zum Beispiel durch dauerhafte Kurzarbeit - könne sogar noch die verbleibenden Arbeitsplätze gefährden.
Hinzu kommt noch, dass nach Ablauf der Abwrackprämie die Überlebenskämpfe in der Automobilindustrie nicht geringer werden.
Dazu hat die Arbeitnehmervertretung die klassische Rollenverteilung gesprengt und die Initiative für eine nachhaltige Beschäftigungssicherung am Standort ergriffen und somit kurzerhand auch die Meinungsführerschaft übernommen.
Unter dem Arbeitstitel „Zukunftssicherung 2012plus” hat der Betriebsrat zusammen mit dem Beratungsunternehmen SCD Engineers aus Hamburg einen Fahrplan für die Zukunft erarbeitet.
Beschäftigungssicherung gegen den derzeitigen Trend (Personalabbau), so Betriebsrat Gerold Vogel und Berater Reza Saraeian, känne nur geschafft werden, wenn die Betriebsräte das unternehmerische Handeln kritisch hinterfragen und sich in die Unternehmensentscheidungen einmischen.
Nur so habe man die Möglichkeit, dass Kundenanforderungen von der Konkurrenz erkannt werden, Erfolgsfaktoren herausgearbeitet und Alleinstellungskriterien generiert werden. Nur wer diese Vorgehensweise beherzige, habe eine Chance neue Beschäftigungsfelder und neue Märkte aufzutun.
Gerold Vogel: „Mit unseren konkreten Vorstellungen und Gestaltungsmöglichkeiten haben wir klare Anforderungen an Prozesse, Strukturen und Qualifikationen für die Zukunft formuliert. In den nächsten Monaten sollen in verschiedenen Arbeitsphasen die Grundlagen für die Zukunft geschaffen werden. Wir sehen in diesem Vorgehen die einzige Chance für eine dauerhafte Zukunftsperspektive am Standort Hohenlimburg, mit der die Beschäftigung auf lange Zeit gefördert und gesichert werden kann.”
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