Aus Not sonntags zur Schule
03.12.2009 | 17:00 Uhr 2009-12-03T17:00:00+0100Hohenlimburg. (Leif) In der äthiopischen Stadt Meki kam vor fünf Jahren ein Mädchen zur Welt, dessen Eltern sich niemals um die Tochter gekümmert haben. Tsion Neged kennt Vater und Mutter nicht.
Sie überlebte, weil die Salesianer-Patres von Don Bosco International Tsion in ihre Obhut nahmen - und, als Paten aus der Ferne, die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8 b der Hauptschule Hohenlimburg.
Seit Jahren sammeln Hauptschüler für die Salesianer, die mit den engagierten Eheleuten Doratea und Hans Erkeling in Hohenlimburg tatkräftige Repräsentanten gefunden haben. Weit gereist ist das Ehepaar in den zurückliegenden Jahrzehnten, hat die sozialen Brennpunkte in aller Welt aufgesucht, Not und Elend hautnah kennengelernt. Doratea Erkeling nahm am Mittwoch im Beisein von Klassenlehrer Bernd Dippel aus den Händen der Schüler den Scheck mit der Spendensumme von 360 Euro entgegen, die - ohne staatliche Umwege - direkt an die Salesianer und an die kleine Tsion geht.
Wind und Wetter und peitschender Regen hatten die jungen Leute nicht gescheut, als sie während des dreitägigen Hohenlimburger Lichtermarktes die Passanten in der Innenstadt ansprachen und auf ihr Anliegen aufmerksam machten. Alle 22 Schülerinnen und Schüler machten mit, unter ihnen 18 Migrantenkinder. Sie alle hatten das Foto der dunkelhäutigen Tsion vor Augen, das die Salesianer der Schule hatten zuschicken können. Das Patenkind, für das sich die Achtklässler seit einigen Monaten einsetzen, bekommt nun für Betreuung und künftige schulische Ausbildung 30 Euro im Monat, in Äthiopien eine Menge Geld.
Doratea Erkeling konnte ihren aufmerksamen Zuhörern aus ihrem reichen Erfahrungsschatz in den Elendsländern dieser Welt berichten. „In Äthiopien gehen die Kinder auch sonntags zur Schule.” „Warum das?” - „Weil sie dort etwas zu essen bekommen. Für die meisten Kinder ist es das Einzige, was sie am Tag bekommen.”
Lehrer Bernd Dippel lobte seine „Schützlinge”: „Ich freue mich sehr, dass ihr diese Form der Unterstützung mitmacht. Das kann man nicht unbedingt erwarten.” Dass aber „das Spenden reich machen kann”, so zitierte Dippel, fand das zustimmende Kopfnicken vieler seiner jungen Zuhörer.
Doratea Erkeling bedankte sich herzlich für die übernommene Patenschaft und die Spende. Aus Äthiopien konnte sie dennoch „eigentlich nur traurige Nachrichten” vermitteln. Und generell: „Auf dieser Erde stirbt jede Sekunde ein Kind. Ich bin beleibe kein Fan von Statistiken; aber diese Zahlen sind erschreckend.”
Die Erkelings und die 8 b der Hauptschule in Elsey scheinen mittlerweile vertraut miteinander zu sein. Immerhin sammeln die Elseyer Schüler seit fünf Jahren für die Organisation Don Bosco International. Und die herzliche und offene Persönlichkeit Doratea Erkelings hat die jungen Leute längst für sich eingenommen.
Spontan lud sie am Mittwoch die Achtklässler zu sich nach Hause ein: Anfang nächsten Jahres wird man sich dort zum Essen treffen.
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