Kunst und Literatur
Wevers Kunst nah bei den Menschen
17.03.2010 | 17:30 Uhr 2010-03-17T17:30:00+0100Herscheid. „Seiht, sou wouer iak met Moolerigge empfangen!“ (Seht, so wurde ich mit Malerei empfangen!).
In diesem Satz, mit dem das plattdeutsche Gedicht „Sylvesterkind” – der Tag seiner Geburt 1890 - endet, ist eigentlich alles enthalten, was der Dreh- und Angelpunkt im späteren Leben des Malers und Heimatdichters Heinz Wevers war.
Als guter Freund des bekannten Herscheider Malers hat der Plettenberger Unternehmer Ernst Ewald Fastenrath das Wirken und Schaffen Wevers vor einem halben Jahrhundert in einem Film festgehalten. Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung des
Geschichts- und Heimatvereins konnten die Mitglieder den Künstler noch einmal als Maler und Dichter auf der Leinwand erleben. Treffend hat Ernst E. Fastenrath in seinem Film, der mittlerweile auf eine DVD überspielt wurde, dokumentiert, was dem heimatverbundenen Maler und Dichter am Herzen lag: Die Menschen unserer Heimat in Fabriken und Werkstätten bei ihrer Arbeit mit Pinsel und Farbe festzuhalten. Wie meisterhaft ihm das gelungen ist, davon zeugen heute noch ganze Galerien von Firmenjubilaren in vielen Betrieben. Eine solche Galerie zählt auch zu den Schätzen des Herscheider Geschichts- und Heimatvereins.
Mit Graf Luckner nach
Amerika gesegelt
Wevers Stärke als Porträtmaler war schon 1926 bekannt. Denn in seinem Bewerbungsschreiben an Graf Luckner, der für seine Weltumseglung als Chronist einen talentierten Maler suchte, gab er an: „Ich bin in der Lage, in kürzester Zeit Porträts zu zeichnen.” Wie der Film beweist, fanden in Ausstellungen seine Gemälde von bekannten Persönlichkeiten stets große Beachtung.
Sein vielseitiges Können befähigte ihn aber ebenso, Blumenstillleben zu malen oder Szenen im Zirkus oder auf der Kirmes mit wenigen Strichen zu skizzieren. Als echter Sauerländer faszinierte Wever vor allem nach der Rückkehr in seinen Geburtsort Mitte der 1930er Jahre die Landschaft mit ihren Menschen bei Arbeit auf dem Felde. Ein Denkmal setzte er sich mit dem Entwurf für die Gestaltung der Fenster in der Plettenberger Schützenhalle, indem er den Gewerbefleiß der heimischen Menschen anschaulich zu dokumentieren verstand.
Witz und Humor,
Ernstes und Heiteres
Als einem weit Gereisten und welterfahrenen Mann wurde Heinz Wever nach dem Zweiten Weltkrieg sehr bald bewusst, welch ein gewaltiger Umbruch den Menschen bevorstand. Er ahnte geradezu, wie rasch Sitten und Bräuche vor allem aber die plattdeutsche Sprache mit in den Sog einer nicht aufzuhaltenden allgemeinen Umstrukturierung geraten würde. In dieser späten Phase, und das hat Fastenrath in seinem Film umfassend
dokumentiert, war es das besondere Anliegen Wevers, in plattdeutschen Versen und Federzeichnungen den gewaltigen Umbruch vom „Ochsen-fuhrwerk zum Düsenflugzeug” darzustellen und wöchentlich in den heimischen Zeitungen zu veröffentlichen. Dabei kamen Witz und Humor, Ernstes und Heiteres aus dem Munde nachdenklicher Bauern oder bekannter Herscheider Originale nie zu kurz.
Sehr anschaulich dokumentiert der Fastenrath-Film, wie Heinz Wever sich über viele Jahre bemüht hat, in Wort und Bild, mit Pinsel und Feder, den typischen Sauerländer, so wie er ihm in Kinderjahren auf den Höfen und in Werkstätten begegnet ist, festzuhalten. Der Herscheider Geschichts-und Heimatverein kann sich glücklich schätzen, dass ihm Christa Vidal eine DVD dieses Streifens als wertvolles Dokument überlassen hat.
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