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Motorsägenkurs

Leichtsinn bestraft der Baum sofort

18.11.2009 | 19:03 Uhr
Leichtsinn bestraft der Baum sofort

Herscheid. Beim Bäumefällen droht tödliche Gefahr. Gefährlicher Leichtsinn, Unwissenheit und plötzlich auftretende Phänomene gefährden nicht nur Hobbyfäller mit dem „Fichtenmoped”, sondern auch Profis.

Das machte Forstwirtschaftsmeister Ralf Ommer aus Marienheide 20 Teilnehmern des VHS-Motorsägen-Lehrgangs eindringlich klar. Nach sechsstündiger Theoriearbeit im Bauhof der Gemeinde zeigten Ommer und drei weitere Instrukteure den Teilnehmern in einem Waldstück wie die Praxis aussieht.

Schon vor dem Verlassen des Hauses müsse man die Witterungslage berücksichtigen und sich bei Dunst, Schnee und Nebel fragen: „Darf ich da noch Holz fällen, ich sehe doch gar nicht, wo der Baum hinfällt.” Warnjacken und zwei Verbandskästen sollten immer mitgeführt werden. Zudem sollte sich jeder aufraffen und einen neuen Kurs in Erster Hilfe belegen.

Ortsunkundige sollten sich auf dem Weg in ein unbekanntes Waldstück ein Schild oder eine Schutzhütte merken, um im Notfall dem Rettungsdienst erklären zu können, wo man sich befindet und immer sagen: Wald- oder Forstunfall. Dann kommt in NRW der Notarzt mit einem Allradfahrzeug ins Gelände, erklärte Ommer. Wichtig ist auch der Hinweis, wie viele Leute verletzt sind, Verletzungsart und eigene Handy-Nummer.

Viele Themen kamen zur Sprache wie die „Schlagordnung”. „Holz muss angeordnet gefällt werden”, erklärte Ommer, dass bei falscher Fällmethodik Rückeschäden verursacht werden. „Nur 10 Prozent dürfen einmal anders fallen.” Wer das nicht beachtet, bekommt kaum noch die Erlaubnis, wieder im Wald Holz zu schlagen.

Wie weit muss man entfernt sein, wenn der Baum fällt und wie schätzt man die Baumlänge ein? Man muss sehr viel beachten im Wald: „Nicht einfach Ramm, Ramm”, brachte der Fachmann die gestandenen Hobbyholzfäller ins Grübeln: „Wo ist beim Baum vorne und hinten?” Als einfache Orientierungshilfe nutzt man die Motorsäge, das Blatt und die Visiereinrichtung für gedachte Linien oder als Messlatte.

Viel Zeit widmete Ommer detaillierten Erläuterungen der Bruchleiste. „Sie ist die Lebensversicherung des Waldarbeiters.” Ein Zehntel des Stammwalzendurchmessers müssen stehen bleiben. „Nicht auf gleicher Höhe schneiden, sondern höhenversetzt, sonst habt ihr Eure Lebensversicherung weggeschnitten. Nicht einfach sägen und drücken.” Kastenschnitte, Orientierungsschnitte, Fallkorb, Haltband oder Stützband, die Punktlandung des Baums - es gibt viel zu beachten.

Die Holzernter bekamen viele wertvolle Tipps und selbst erfahrene Hobbyfäller kamen ins Grübeln, wie oft sie wohl haarscharf an einer Katastrophe vorbeigesägt haben. Wohl jedem ist es schon passiert, dass die Säge bei falschen Schneidefolgen eingeklemmt war. „Halte ich dann meine Säge fest, reisst der Baum mich mit.”

Und es geht rasant schnell, wenn so ein Baum fällt oder ausschlägt. „Bei 0,2 Sekunden nehme ich mit dem Auge erst mal wahr, dass da etwas ist. Bei 0,6 Sekunden sagt das Gehirn: Du musst da weg. Das ist zu spät.”

Böse Überraschungen drohen auch, wenn man einen Baum stehen lässt, der sich aufgehangen hat und an anderen Bäumen weitermacht. „Das ist eine Todsünde beim Baumfällen.” Auch durch falsche Technik gespaltene Bäume werden sekundenschnell zur Wippe und „schlagen mich von oben tot, unter einer Sekunde”, warnt Ommer.

Monika Wiegelmann

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