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Prozessauftakt

Zwölfmal auf den Ex-Freund eingestochen

13.12.2011 | 17:00 Uhr

Hemer/Hagen. (sam)Mit zwölf Messerstichen soll Marita F. (45) ihren ehemaligen Freund lebensgefährlich verletzt haben. Seit gestern muss sich die Hemeranerin wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor dem Hagener Schwurgericht verantworten.

Die fatale Kombination aus Alkohol und einer handfesten Beziehungskrise steht offenbar im Hintergrund des Dramas, das sich in den frühen Morgenstunden des 10. September in einer Wohnung in der Innenstadt abgespielt hat. Kurz nach Mitternacht, so der Vorwurf, griff sich Marita F. fünf Messer, stach damit zwölf Mal auf ihren Ex-Freund (54) ein, traf ihn im Hals-, Brust- und Bauchbereich. Dabei soll sie mit derartiger Wucht zugestochen haben, dass drei der Messer abbrachen. Ihr Opfer erlitt schwere Verletzungen. Eine Not-Operation rettete dem Mann das Leben. Eine Nachbarin hörte den Tumult und rief die Polizei. Als die Beamten eintrafen, soll die Angeklagte versucht haben, sie abzuwimmeln: Sie könnten gehen, es sei alles in Ordnung.

Gestern begann der Prozess gegen Marita F. Sie erscheint betont elegant, trägt einen grauen Blazer, eine gestreifte Bluse und Pumps. Das Lächeln auf ihrem Gesicht will so gar nicht zur Situation passen. Vielleicht überspielt sie damit Angst und Nervosität. Sie ist kaum gewillt, Staatsanwalt Bernd Maas oder die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen ausreden zu lassen. Immer wieder fällt sie den Juristen ins Wort – und bedient sich dabei reinstem Kneipenjargon. Offenbar verwechselt sie den Gerichtssaal mit einer Kneipe oder zumindest mit einer Show im Fernsehen. Was ihren Ex-Freund betrifft, schwankt sie zwischen bittersten Schuldzuweisungen und emotionalen Liebesschwüren. Aber, das Opfer in ihrer Geschichte, davon scheint sie überzeugt, ist sie selbst. Im Detail schildert sie, was sie für diesen Mann alles getan und aufgegeben hat, wie schlecht er sie behandelt hat. Dann liefert sie ihre Version der Tatnacht: Demnach wartete sie in seiner Wohnung auf ihn. Als er endlich eintraf, kam es zum Streit. Er versetzte ihr einen Faustschlag ins Gesicht. „Dann war ich so dämlich, die Messer aus der Schublade zu holen.“ Es kam er einem Gerangel. „Ich wollte nur, dass er mich nicht noch weiter schlägt.“ Er versetzte ihr einen Stich. „Dann habe ich mich irgendwie gewehrt. Ich weiß, dass ich zu gestochen habe. Aber ich kann mich an keinen einzelnen Stich erinnern.“

Soweit die Einlassung der Angeklagten. Morgen wird das Verfahren fortgesetzt und dann werden die Prozessbeteiligten die Version des Opfers hören. Für das Verfahren gegen Marita F. sind zumindest bislang sieben Verhandlungstage anberaumt. Im Falle einer Verurteilung droht der 45-Jährigen auch die Unterbringung in einer Alkohol-Entzugseinrichtung.

Sylvia Mönnig



Kommentare
13.12.2011
18:08
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