Zunächst eine fremde Welt mitten in Hemer

Zum Auftakt im Wettbewerb „Buntblick“ besuchten die Pfadfinder die Moschee in Hemer.
Zum Auftakt im Wettbewerb „Buntblick“ besuchten die Pfadfinder die Moschee in Hemer.
Foto: IKZ

Hemer..  Im November zeichnet der Landesjugendring NRW mit seinem Wettbewerb „buntblick“ erstmalig Jugendliche aus, die sich besonders gegen Rechtsextremismus und Rassismus engagieren. „Buntblick soll Jugendliche motivieren, Aktivitäten für ein demokratisches und vielfältiges Miteinander zu initiieren und umzusetzen“, lautet das Ziel des Wettbewerbs. Angeknüpft wird damit an den Wettbewerb „Goldener Hammer zur Überwindung von Gewalt und Rassismus“ an, der von 1988 bis 2011 vom Landesjugendring verliehen wurde. Beiträge aus ganz NRW werden gesucht - auch eine Hemeraner Gruppe des Deutschen Pfadfinderbundes gehört zu den Teilnehmern.

Toleranz und zeitlose menschliche Werte vermitteln

Eines ihrer Gesetze lautet: „Der Pfadfinder achtet alle Menschen ohne Unterschied von Rasse, Nation, Religion und Weltanschauung.“ Im vergangenen Jahr hat eine kleine Gruppe der Hemeraner Pfadfinder die Moschee besucht (wir berichteten). Robert Sonntag, engagiert in der Älterenarbeit der Pfadfinder in der Felsenmeerstadt: „Toleranz zu vermitteln und an Jugendliche und junge Erwachsenen weiterzugeben sowie zeitlose, menschliche Werte zu vermitteln, das ist uns neben der normalen Pfadfinderpflicht enorm wichtig. Daher hatten wir den Kontakt gesucht zur Türkisch Islamischen Gemeinde.“ Positiv überrascht gewesen sei die Gruppe, dass man auch ihnen mit großem Interesse begegnet war. „Nicht nur wir hatten Fragen, auch sie haben viele an uns gerichtet. Besonders beeindruckend für uns war es, eine bislang noch fremde Welt zu betreten, obwohl wir uns in derselben Stadt befunden haben. Wir wurden mit dieser durch die Freundlichkeit und Offenheit des Gemeindevorsitzenden und des Imans vertraut gemacht.“

Leider existieren auch vereinzelt Vorurteile gegenüber den Pfadfindern, alleine wegen des Aussehens der sogenannten Kluft, die fälschlicherweise mit „Rechten“ in Verbindung gebracht wird. Und auch das Singen deutscher Lieder wird missverstanden. Dazu sei erwähnt: Die Pfadfinder wurden bereits 1907 in England gegründet. Seit 1955 gibt es sie auch in der Felsenmeerstadt. Mit ihren aktuell 100 Aktiven haben sie in der Vergangenheit verschiedene Projekte organisiert rund um Toleranz und Vertrauen. Die Wertevermittlung steht dabei immer im Vordergrund.

Nächstes Bundestreffen im Jahr 2017 am Mesterscheid

Dazu zählen das in diesem Jahr stattgefundene Bundestreffen mit rund 1500 Pfadfindern in Bad Soden Salmünster – das nächste wird 2017 am Mesterscheid in Hemer von den Hemeraner Pfadfindern organisiert – und der Besuch eines Klettergartens durch die Gruppe der Älterenarbeit. Bei Letzterem stand das Vertrauen zu anderen im Vordergrund. Eventuell für dieses Jahr ist der Besuch einer Synagoge geplant.

Durch Christoph Bürger (Stadtjugendring Hemer) hatten die Pfadfinder von „buntblick“ erfahren. Jugendliche aus Jugendgruppen und Jugendverbänden sowie freie selbst organisierte Jugendgruppen, die sich in Projekten für ein demokratisches tolerantes Miteinander und eine offene Gesellschaft einsetzen, können sich bewerben. Auf der interaktiven Website buntblick.ljr-nrw.de können Beiträge als Foto-, Video- oder Audiodatei hochgeladen werden mit einer kurzen Beschreibung. Gleichzeitig können die User für ihren Favoriten abstimmen. Jury- und Sonderpreis werden bei einer öffentlichen Preisverleihung am 18. November im Forum der Volkshochschule im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln verliehen. Robert Sonntag: „Leider ist „buntblick“ vielen noch unbekannt. Vielleicht, weil der Wettbewerb auf Landesebene NRW ausgeschrieben worden ist und nicht von den einzelnen Städten.“ Unter den noch wenigen Teilnehmerbeiträgen gibt es auch den ein oder anderen professionellen Videoclip. Die Hemeraner Gruppe allerdings hat sich mit etwas beworben, das unabhängig von Wettbewerb und Preisgeld im Vorfeld stattgefunden hat und auch zukünftig im Veranstaltungskalender einen Platz finden wird.