Wechselbad der Gefühle mit positivem Abschluss

Andi Weiss in der Ebbergkirche
Andi Weiss in der Ebbergkirche
Foto: IKZ

Hemer..  Beschreibungen wie attraktiv, charmant und Vergleiche mit Reinhard Mey, Herbert Grönemeyer und Florian Silbereisen „erfreuen“ ihn ganz besonders: „Na ja, wenn Sie meinen. Nach letzterem Vergleich habe ich dann übrigens mit meinem Anwalt gesprochen“, scherzt er. Die Rede ist von Andi Weiss, Musiker, Songwriter, Geschichtensammler- und -erzähler, Moderator, Sprecher, und er ist nebenbei auch noch als Diakon in einer evangelischen Kirchengemeinde in München tätig.

Das Multitalent war am Mittwoch zu Gast in der Ebbergkirche. Mit seinem Programm rund um das Album „Lieb dich gesund“ sorgte er bei seinem Publikum für feuchte Augen – vor Freude, aber auch vor Rührung.

Eis zwischen Künstler und Publikum schnell gebrochen

Der Titel seines jüngsten Albums sei das Ergebnis auf die Reaktionen auf das Lied „Lieb’ dich gesund“. Andi Weiss: „Einige haben mich gefragt, ob das nicht egoistisch sei. Aber es ist wichtig zu lernen, sich selbst zu lieben. In jedem Leben gibt es Scherben sowie Sonnenschein. Und genau dann muss ich mir sagen ‘lass uns das teilen’.“

Bevor die Taschentücher ausgepackt werden mussten, ging es zunächst vor ausverkauftem Haus amüsant zu. Das Eis war schnell getaut – spätestens, als der Musiker sich beim Publikum bedankte: „Sie unterbrechen mich nicht. Sie hören mir zu. Nach 14 Jahren Ehe weiß ich das zu schätzen.“

Dann legte er los am Flügel. Nach den Liedern „Ich bring dich durch den Sturm“ und „Lass uns leben“ folgte „Tanz im Regen“. Bevor er den Titel anstimmte, erzählte er, während er am Flügel dazu spielte, eine Anekdote: „Dieser Abend schmeckt nach Sommer. Auch wenn es regnet. Wie schon Karl Valentin sagte ‘Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch’.“ In diesem Stil folgten weitere Songs.

Nach der Pause wurden die kleinen humorvollen Geschichten nachdenklicher. Eine Frau sei ihm begegnet, so Weiss. Sie habe gesagt, sie sei die glücklichste Frau auf der Welt – eine trockene Alkoholikerin, die offen darüber spricht. Die Frau brauche sich nie mehr zu verstecken, niemanden belügen. Jeder einzelne Tag – auch der dunkelste – habe sie zu der Frau gemacht, die sie heute sei. Das Schlimmste sei für sie Mitleid, das Schönste, wenn jemand zu ihr sagt „Ich kann dich sehr gut verstehen“. Heute arbeitet diese Frau mit Alkoholkranken. Und somit folgte das Lied „Alles hatte seinen Grund“.

Ergriffenheit und viele Taschentücher im Einsatz

Bevor Andi Weiss zu „Da kommt keiner ran“ anstimmte, folgte bereits das nächste Drama – mit gutem Ausgang. Eine Frau habe ihrem Therapeuten ihre dunkle Geschichte erzählt. Sie fühle sich so schmutzig. Der Therapeut habe daraufhin einen Geldschein gezeigt und gefragt, wie viel er wert sei. Ihre Antwort ‘50 Euro’. Dann habe er diesen so auf den Boden geworfen, dass er dreckig wurde, ihn aufgehoben und die Frage noch einmal gestellt. Ihre Antwort „50 Euro“ – ergriffene Gesichter im Publikum. Viele Taschentücher kamen zum Einsatz. Emotional ging es weiter. Trotz der Traurigkeit in jeder Geschichte – die Lieder machten Mut. Und so war der Abend ein Wechselbad der Gefühle mit positivem Ausgang.