Vorgeschmack auf Montgolfiade während der Landesgartenschau
19.08.2008 | 14:04 Uhr 2008-08-19T14:04:00+0200
Hemer. Seelenruhig schwebt man langsam und gleichmäßig über die Berge des Balver Waldes, nur gestört durch gelegentliches Zünden des Gasbrenners - eine Ballonfahrt zum Genießen von Hemer nach Langenholthausen. Die Landesgartenschau GmbH machte es möglich.
Pilot Uwe Felten aus Bonn zeigte Landesgartenschau-Planer Hermann Sattler und einigen Gästen die Felsenmeerstadt und das Sauerland aus luftiger Höhe. und das war imponierend. Schon das Fahrzeug beeindruckt die Mitfahrer und viele erstaunte Beobachter am Boden, denn in die Ballonhülle passen mehr als vier Einfamilienhäuser, insgesamt 4250 Kubikmeter Luft. Inklusive Korb ist der Heißluftballon knapp 30 Meter hoch. Uwe Felten kennt jeden Zentimeter seines Ballons. Der erfahrene Pilot kann auf eine Erfahrung von 1200 Stunden in der Luft zurückblicken und gehört bereits seit über zehn Jahren zu den 1500 angemeldeten Piloten in Deutschland.
Vorbereitung für Ballonfahrt beginnt am Computer
Die Vorbereitung auf diese Ballonfahrt begann für Uwe Felten nicht erst in Hemer, sondern schon Zuhause vor dem Computer: „Ich habe mir eine Umgebungskarte von Hemer angeschaut, auf der die Wiesen eingezeichnet sind, auf denen man landen könnte.” Der Fahrtdurchführungsplan wurde am Schreibtisch schließlich von Wolken- und Windbeobachtungen, sowie einem Anruf beim Deutschen Wetterdienst ergänzt. Dort wusste man von einer Schauer- und sogar einer leichten Gewittergefahr an der Grenze zum Sauerland zu berichten, doch Pilot Uwe Felten und Freundin Karen Jahn beschwichtigten im Licht der Abendsonne: „Wir gehen ein kontrolliertes Risiko ein”. Also ging es für alle Mitfahrer ans Aufbauen: Auf dem ehemaligen Exzerzierplatz der Blücherkaserne wurde die riesige Hülle aus Nylonseide ausgebreitet, die per Ventilator aufgeblasen wird. Diese Luft blieb die gesamte Fahrt über im Ballon, nur durch die Veränderung der Temperatur bestimmt der Pilot die Höhe. Nach 20 Minuten hatte sich der Heißluftballon auf dem zukünftigen Landesgartenschau-Gelände aufgebaut. „Einsteigen! Es geht los!” Erstaunlich schnell stieg der Ballon scheinbar federleicht in die Höhe, die riesigen Kästen der ehemaligen Blücherkaserne unten wurden immer kleiner. An Bord beobachtet Felten entspannt den Höhenmesser.
300 Meter über Deilinghofen angenehm warm
300 Meter über Deilinghofen war es angenehm warm. „Das ist ungefähr so wie in einem Wintergarten. Der Wind treibt den Ballon an, deshalb spürt man ihn nicht”, erläutert Uwe Felten den Laien. Und er erstaunte mit der Erklärung, dass die Fahrtrichtung nicht automatisch von der Windrichtung abhängt: „In verschiedenen Luftschichten sind die Windrichtungen unterschiedlich. Deshalb kann man die Richtung ändern, indem man die Höhe variiert”. Viermal hat Felten es so schon geschafft, an dem Ort zu landen, an dem er zuvor gestartet war. Am Boden fuhr Karen Jahn dem Ballon im Verfolgungswagen hinterher. Als sie den Ballon mit der offiziellen Kennung D-OUWE aus den Augen verlor, kam das Funkgerät im Korb zum Einsatz. „Du kannst in Richtung Balve fahren”, instruierte Felten.
Alle packen mit an
Unterwegs erschrecken die Propangasbrenner Hasen, Kühe, Schafe, aber in Balve schauten Kinder beeindruckt himmelwärts. Der Ballon befand sich fast schon im Landeanflug. Hermann Sattler assistierte bei dem so genannten „Konturenfahren”. „Das hat mir an der ganzen Fahrt am besten gefallen”, unterstrich der Kreativkopf der Landesgartenschau GmbH. Der Pilot entdeckte eine Wiese als ideale Landefläche. „Die Bäume und der Bauernhof schützen uns vor Windböen”, betonte der hauptberufliche Ballonfahrer. Zweimal setzte sein Luftfahrzeug auf der Wiese auf, dann - knapp eine Stunde nach dem Start - stand er ganz ruhig. Familienweise hatten sich bereits viele Leute am Landeplatz eingefunden: „Kommen Sie ruhig näher!”, rief Felten und war schnell von neugierigen Kindern umzingelt. In dem echten Heißluftballon-korb standen dann tatsächlich einige junge Zaungäste, einmal „Feuern” inklusive.
Fleißige Helfer in Balve
Zum Zusammenpacken waren die vielen fleißigen Helfer gern gesehene Gäste, denn nun musste die gesamte Luft wieder aus dem Ballon herausgedrückt, um das ganze Equipment im Wert von etwa 100 000 Euro wieder sicher im Anhänger zu verstauen. Das „Abenteuer Ballonfahrt” war mit dem Einpacken noch nicht ganz zu Ende. Die fünf Hemeraner Erstfahrer wurden zuletzt noch einer Taufprozedur unterworfen und damit in den „Adelsstand der Ballonfahrer” erhoben: „Der Täufling hat an der Reise durch das Luftmeer mit gehörigem Benehmen und mit großem Mut teilgenommen”, so heißt es auf dem Zertifikat.
Montgolfiade während der Landesgartenschau
Uwe Felten und Karen Jahn wird man in zwei Jahren in Hemer wieder sehen, wenn sie vom 19. und 29. August 2010 eine Montgolfiade zur Landesgartenschau organisieren. Die schönsten Bilder der Ballonfahrt gibt es in der Fotostrecke.
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