Von schlichter Schönheit bis zu virtuoser Brillanz

Konzert des Sauerlandchores in der Ebbergkirche
Konzert des Sauerlandchores in der Ebbergkirche
Foto: IKZ

Hemer..  Der Sauerlandchor hat seine „Konzertreise“ durch die Hemeraner Ortsteile am Samstag fortgesetzt und dabei mit der Ebbergkirche eine optisch und akustisch besonders reizvolle Station angesteuert. Die fast 50 Sänger lieferten dabei den Nachweis, dass sie sich – obwohl fast durchweg im Seniorenalter – unter der Leitung von Viktoria Ibsch immer noch musikalisch fortentwickeln und zu noch mehr vokaler Geschlossenheit und klanglichem Schliff finden.

In die Welt des Schlagers und der Evergreens sollte das Programm das Publikum in der voll besetzten Kirche führen und so war es fast zwangsläufig, dass ausschließlich bekannte Melodien zu hören waren. Wobei manche im Kleide des Satzes für Männerchor ungewohnten und neuen Reiz entwickelten, sei es Harry Belafontes Welt-Hit „Island In The Sun“ in der deutschen Version „Wo meine Sonne scheint“ oder der niemals sauer werdende „Griechische Wein“ von Udo Jürgens, Peter Alexanders „Kleine Kneipe“ oder der Ohrwurm „Eviva Espana“.

Anders als der Chor machte der als Gesangssolist und Moderator verpflichtete Cud Kegel den Versuch, vier bekannte Schlager vor dem Hintergrund einer Playback-Bandbegleitung zu interpretieren. Dabei vergaß der gesangstechnisch mit allen klassischen Wassern gewaschene Tenor allerdings bei seinem ersten Auftritt, das eigentlich für die Moderation bestimmte Headset abzuschalten, so dass seine eindrucksvolle Stimme elektronisch verunstaltet den Kirchenraum erfüllte. Cud Kegel versäumte es zudem, seine Gesangkunst auf jene Schlichtheit abzusenken, die eine solche pure Karaoke-Version erfordert hätte. So bewegte er sich leider irgendwo im Niemandsland zwischen volkstümlicher Natürlichkeit und anspruchsvollem Kunstlied.

Überzeugender hingegen war der Beitrag des choreigenen Solisten Norbert Kauer, der statt eines Playbacks bei seiner Version von Frank Sinatras „My Way“ auf die Klavierbegleitung von Alfia Möllmann setzte, die am Flügel auch schon den Chor einfühlsam und solide unterstützt hatte.

Die Glanzlichter des Konzertes setzten aber ein Vater-Sohn-Duo: Christof und Mirko Wissolly aus Iserlohn an Gitarre und Violine. Mit „Volare“, „Noite de chavan“ und dem feurigen „Tico Tico“ generierten sie schon vor der Pause Begeisterungsrufe im Publikum, um im zweiten Teil mit den beiden Stevie Wonder-Titeln „My Cherie Amor“ und „Isn’t She Lovely“ ihre außerordentlich Musikalität nochmals zu demonstrieren. Als Mirko Wissolly, der Jazz-Geige in Arnheim studiert hat, schließlich mit dem berühmten Czardas von Vittorio Monti brillierte, brach sich die Begeisterung in der Ebbergkirche Bahn: Das applaudierende Publikum hielt es nicht mehr auf den Stühlen.

Wo auch immer der Sauerlandchor seine nächsten Konzerte geben wird – es sollte niemanden wundern wenn die Wissollys nochmal mit von der Partie sein werden.