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Talkrunde in der Bücherei

Von Gaddafi, Kunst und Bürgermeister-Krawatten

18.11.2008 | 15:40 Uhr
Von Gaddafi, Kunst und Bürgermeister-Krawatten

Hemer. Nicht Johannes B. Kerner, und Günther Jauch, sondern Hans Hermann und Arne Hermann Stopsack: Vater und Sohn schlüpften am Montag in die Talkmasterrolle und fühlten Hemeraner Bürgern auf den Zahn. „Sofa frei” hieß es in der Bücherei.

Der Bücherei-Förderverein „Pro Buch” rund um Vorsitzende Eva Thielen hatte eingeladen und mit Heinz Franke, Gabriele Schulz, Hermann Uhlmann und Dr. Maria Esken interessante Gesprächspartner gefunden.

Heinz Frankes Erinnerungenn an Kriegszeiten

So war da zum einen der 86-jährige Heinz Franke, der im Dialog mit Hans-Hermann Stopsack aus seinem bewegten Leben berichtete. Vor allem sein Kriegseinsatz und seine schlimmen Verwundungen wurden zum Talk-Thema und berührten. Andererseits überzeugte Franke mit seinem besonderen Humor, der trotz der schlimmen Erlebnisse immer wieder durchkam. Aufregend sind auch seine Erinnerungen an die Zeit, als er von Berlin zum Wachdienst nach Brüssel abgestellt war, wo er im Schloss Laeken die königliche Familie von Leopold III. bewacht hat.

Gaddafi-Besuch mit Hans Meyer

Als Journalistin hat sie sich als langjährige IKZ-Redakteurin längst einen Namen geschaffen, doch Gabriele Schulz ist auch im kulturellen Bereich der Felsenmeerstadt ein bekannter Name. So präsentierte sie in der Bücherei einen kleinen Teil ihrer Fotoarbeiten, mit denen sie schon ganze Ausstellungen bestückt hat. Gabriele Schulz fotografiert bekannte Bauwerke, allerdings in Gerüste eingehüllt. „Heute freue ich mich, wenn ein wichtiges Gebäude eingerüstet ist”, sagte sie strahlend. Arne Hermann Stopsack entlockte seiner Gesprächspartnerin allerhand Interessantes aus ihrem Berufsleben. So hat die Journalistin im Jahr 1983 zum Beispiel Hans Meyer nach Libyen begleitet, um Gaddafi zu besuchen. Und sie wurde zur gefragten Ansprechpartnerin für andere Journalisten, weil sie wusste, was denn eigentlich im „Grünen Buch” steht.

Mundharmonika verschluckt 

Hermann Uhlmann (76), in Hemer als Künstler bekannt, war früher technischer Fernmeldebetriebsinspektor bei der Post. „1000 Anschlüsse gab es damals in Hemer”, sagte er. „Mit dem Schritt in den Ruhestand hat doch für dich ein zweites Leben begonnen”, sagte Hans Hermann Stopsack, und Uhlmann bestätigte. Er habe sich verstärkt der Kunst zugewandt und seine zweite Frau Anneliese kennen gelernt. Zwei Kunstwerke hatte Uhlmann am Montag im Gepäck. „Impressionen” und „Park der Sinne” - er lud zur Auseinandersetzung mit seiner Malerei ein und bewies zur Freude der Gäste, dass er auch ein Musiker ist. Auf zwei Mundharmonikas gab er eine Kostprobe seines Könnens. Und eine Mundharmonika ist so klein, dass er sie bereits einmal verschluckt hat.

Offizielles mit Privatleben verbinden

Wie lebt es sich eigentlich an der Seite eines Bürgermeisters? Und ist die Frau des Bürgermeisters eigentlich mächtiger als der Bürgermeister selbst? Diese Fragen von Arne Hermann Stopsack beantwortete Dr. Maria Esken auf dem Sofa. Hemers „First Lady” machte deutlich, dass man die offiziellen Termine von Gatte Michael manchmal auch mit dem Privatleben zu verbinden versuche. Das klappe zum Beispiel, wenn man die Kaninchenausstellung in Ihmert besuche. Dass die Bürger auch beim Marktbesuch das Gespräch mit dem Bürgermeister suchen, stört sie nicht. „Das ist normal”, sagte Dr. Maria Esken, die in Verl eine Zahnarztpraxis betreibt. Und beim Notdienst werde sie von ihrem Mann unterstützt, berichtete sie.

Nach der ersten Fahrt durch Hemer habe sie gesagt: „Michael, hier bleiben wir nicht”. CDU-Fraktionschef Dr. Gerhard Webers muss seinen Job als „Fremdenführer” an diesem Tag nicht besonders gut gemacht haben. Heute aber habe sich das relativiert. Für die Landesgartenschau wünscht sich Maria Esken, dass es so ein „Eventsommer wie in Rietberg” werde. „Und ich hoffe, dass es in der Stadt einen Aufschwung gibt!"

Carmen Fürstenau

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