Traurige Gesichter bei der letzten Bahnfahrt
01.08.2008 | 15:26 Uhr 2008-08-01T15:26:00+0200
Hemer. Nach 127 Jahren ist Hemers Eisenbahngeschichte abgeschlossen. Zum letzten Mal war ein Zug am Dienstag auf der Bahnstrecke Hemer - Menden unterwegs. Es war ein sehr bewegener Abschied von der Bahn. Hunderte waren auf den Beinen, um Fotos zu machen und Adieu zu sagen.
Wer denkt, dass die Eisenbahnliebhaber nur aus Hemer und Menden kamen, irrte gewaltig. Aus dem Ruhrgebiet reisten Bahnfreunde an, und auch der grüne Landtagsabgeordnete Horst Becker kam aus Düsseldorf nach Menden, um dort zuzusteigen. „Das hier ist eine Fehlentwicklung. Es wäre richtig, Geld in die Hand zu nehmen für die Bahn”, sagte er. In Menden wurde der Uerdinger Schienenbus aus den 50er Jahren mit großen Sonnenblumen geschmückt, während die Fahrgäste im ausverkauften Zug schon mächtig schwitzten. Klimaanlage Fehlanzeige, Frischluft Mangelware. Aber das war für Familie Kruse aus Deilinghofen kein Grund, auf die letzte Bahnreise zu verzichten. „Das ist schon sehr traurig. Schade, dass der Betrieb eingestellt wird. Man hätte mit der Schließung der Strecke wenigstens warten können, bis die Landesgartenschau vorbei ist”, sagte Thomas Kruse (33).
Traurige Stimmung bei Fahrgästen
Hans Hartmann (80) ist seit 20 Jahren Mitglied bei den Eisenbahnfreunden Hönnetal. Er war mit Ehefrau Anita und Urenkelkind Lenny zur letzten Bahnfahrt aufgebrochen. „Das hätte man sich genauer überlegen müssen. Ich bin sehr traurig”, so der Hemeraner. Klaus Reinhard bedauerte im Gespräch mit der Heimatzeitung, dass man in Hemer keine weitere Verwendung für die Bahn hatte. „Ich denke, die Bahn könnte man noch mal brauchen!”
Zahlreiche Stopps auf letzer Fahrt
Auf der sieben Kilometer langen Strecke wurden die Bahnfreunde zwischendurch von ihren Gefühlen überwältigt. Hupende Autofahrer und winkende Fußgänger entlang des Weges zeigten, dass viele den Abbau der Strecke bedauern. Auf Wiesen und Feldern, an den Bahnübergängen und anderen markanten Punkten hatten Fotografen ihre Stative aufgebaut, um die besten Bilder in den Kasten zu bekommen und in Hemer wurde der Zug sehnsüchtig empfangen. Zuvor hatten in die Trasse hereinragende Äste ein Fenster zerstört. Alle freuten sich über ein bisschen mehr frische Luft, doch aus Sicherheitsgründen wurden jetzt alle Fensterluken geschlossen.
Lokführer betrübt
Durch die vielen Stopps auf der Strecke erreichte der Schienenbus statt um 18.45 Uhr erst eine Stunde später die Felsenmeerstadt. Langsam tuckerte der Zug zum letzen Mal über die Ostenschlahstraße, bestaunt von unzähligen Schaulustigen. Lokführer Guido Kaiser aus Neuenrade war sichtlich betrübt: „Es ist ein trauriges Gefühl. Ich bin in den vergangenen Jahren oft mit Reisesonderzügen diese Strecke gefahren”, sagte der Lokführer. Der letzte befahrbare Meter Schiene wurde am Dienstag ausgenutzt, und zurück zum Bahnhof wurde der Zug geteilt. Auf zwei Gleisen rollten die Wagen dann ein, wieder ein begehrtes Motiv für die Eisenbahn-Fotografen, die sich die besten Plätze erkämpften.
"Trauer um eine verpasste Chance"
Offiziell wurde es in der Ansprache von Johannes Schmoll, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Hönnetal. „Wenn wir heute um die Strecke Menden - Hemer trauern, dann bestimmt nicht um diese Strecke, wie sie jetzt aussieht. Eine rumpelige Bimmelbahn ist auch nicht im Interesse der Eisenbahnfreunde. Wir trauern um die verpasste Chance, für die Menschen in dieser Region eine umweltfreundliche und echte Alternative zum Auto zu schaffen”, sagte Schmoll, und weiter: „Sie merken, wir reden gar nicht von der Landesgartenschau. Schienenverkehr wäre toll, aber was käme danach? Eine Perspektive für diese Strecke hätte schon vor 10 bis 15 Jahren entstehen müssen.”
Abschied in der alten Schaffner-Uniform
Peter Reinhard, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte, war zum Abschied in seine alte Schaffner-Uniform geschlüpft und schaute auch nicht gerade glücklich aus. Niedergeschlagen wirkten er und die anderen Eisenbahnliebhaber, als das Hemer-Schild am Bahnhof abgeschraubt wurde. Das war's. Viele mögen es immer noch nicht glauben, dass die Schienen demontiert werden. Ein Radweg zwischen Hemer und Menden wird gebaut, die Fördergelder für den Radweg sind da. Jetzt wird alles recht schnell gehen, aber die Bahnstraße wird in Erinnerung bleiben.
Die schönsten Bilder vom Abschied von der Bahn gibt es in der Fotostrecke.
10:22
Wer für diesen Sachverhalt noch Argumente sucht, sollte auf www.hemer.de den Suchbegriff Bahn eingeben. Dort findet sich dann eine Reihe interessanter Gutachten.
22:58
Man erklärt dem Eisenbahn-Bundesamt, warum welcher Bedarf an Eisenbahnverkehr auf dieser Strecke besteht, der einen Rückbau der Gleisanlagen nicht rechtfertigt. Das können Bahngesellschaften sein, die dort weiter Holztransport durchführen möchten oder Vereine, die Sonderfahrten planen.
Es geht hat darum hier deutlich zu machen, dass Bedarf an Verkehr auf dieser Strecke besteht. Dieses sollte man unterstreichen durch Auszüge oder Links zu Untersuchungen über Verkehrsprognosen dieser Strecke (googlen) oder sonstige Hinweise (z.B. Masterplan über die geplante Stadtbahn), die man erlangen kann. Kennt keiner Eisenbahnvereine, die zu LAGA mit Sonderzügen nach Hemer kommen wollen? Dann das EBA darauf hinweisen.
Jeder Verkehr, der einen Weiterbetrieb rechtfertigt, unterstützt dieses Vorhaben, und genau dieses muß man dem EBA mitteilen.
00:25
und was soll man schreiben bin dabei
19:51
Schon unterwegs. Danke für den Hinweis!
18:00
Nun ist es fast zu spät. Ab dem 11. August sollen die Schienen im Bereich des Hemeraner Bahnhofs entfernt werden. Ab dann ist es unmöglich mit Zügen die Strecke zu befahren.
Es sei denn, es liegen Gründe vor, die einen Abbau nicht rechtfertigen. Jeder Bürger kann seine Argumente dagegen schriftlich vortragen. Diese müßten dann begründet bis zum 11. August 2008 geschickt werden an das
Eisenbahn-Bundesamt
Außenstelle Essen
Hachestrasse 61
45127 Essen
Aktenzeichen:
54122-541ppo/001-4052#006
10:39
Lieber Bahner,
vielen Dank für Deine ausführlichen Erläuetrungen. Mir tut es auch leid, daß die Bahnstrecke nun stillgelegt wurde. Für mich wäre es seit meiner Rückkehr nach Hemer sehr praktisch gewesen, täglich mit dem Zug von Hemer über Iserlohn nach Essen zur Arbeit zu fahren.
Und zu unserem BM möchte ich noch sagen, daß es wahrscheinlich anders gekommen wäre, wenn er schon einige Jahre früher in Hemer zum Bürgermeister geählt worden wäre. Denn was nach Hans Meier kam, konnte man als SchickiMicki oder unfähig bezeichnen.
23:23
Sattelt die Pferde...
21:29
Irre, total irre im Jahr 2008 bestehende Bahnverbindungen zwischen Städten stillzulegen.
Erst die Straßenbahn, dann die Eisenbahn - warum nicht auch die Busse im Kreisgebiet abschaffen?
20:31
Hallo Renate.
Da muß ich Dir Recht geben, es wurde des öfteren über eine letzte Fahrt im IKZ berichtet. Einmal waren es die letzten öffentlichen Personenzugfahrten, dann der letzte Dampfzug, danach der letzte Holzzug der Bocholter Eisenbahn und dann wieder der allerletzte Holzzug der Hochwaldbahn. Am Donnerstag war es nun der wirklich letzte Zug überhaupt, der als eigentlich nicht mehr als Personenzug, sondern als Rangierfahrt !!! nach Hemer kam, und dieses auch nur als geschlossene Gesellschaft, dass heißt, es konnten nur angemeldete Personen mitfahren. Spontanes Zusteigen war also nicht mehr möglich. Ab dem 01. August 2008 ist die Strecke von Menden nach Hemer nun wirklich stillgelegt, es wird nun wirklich kein Zug mehr fahren, es sei denn der Schienenabbauzug.
Du fragst, wann denn nun der allerletzte Zug fährt? Das war am letzten Donnerstag der Schienenbus. Eigentlich sollte ja schon die Bahnstrecke früher geschlossen werden, doch gab es immer wieder Bestellungen von weiteren Zügen, sei es von Holztransporten oder Personensonderfahrten. Es wurde ja im Vorfeld oft davon gesprochen, für dieses Strecke gäbe es keinen Bedarf, also kann man sie stilllegen und die Schienen zu Gunsten eines Radweges abbbauen.
Wie Du selbst gelesen hast, hat es aber immer wieder neue Nachfragen gegeben, auch nachdem eigentlich schon Schluß sein sollte. Aber jetzt ist der Pachtvertrag der Stadt Hemer mit der Deutschen Bahn ausgelaufen und damit die Strecke endgültig und auf Dauer gesperrt.
Trotzdem war diese allerletzte Fahrt ein schönes, wenn auch trauriges Erlebnis. Und während Herr Schmoll seine Abschiedsrede hielt, hörte Herr Bürgermeister Esken dieser mit gesenktem Kopf aufmerksam zu. Es schien ihn wohl auch nachdenklich zu machen, einigen Textpassagen stimmte er durch Kopfnicken zu.
Aber nun ist es leider zu spät ...
16:55
Auf der anderen Seite kann ich mich an Artikel in den letzten Wochen erinnern:
Der letzte Zug auf dieser Strecke .....
Die letzte Fahrt auf dieser Strecke.....
Traurige Gesichter bei der letzten Bahnfahrt ....
Jetzt stellt sich mir die Frage, wann denn der allerletzte letzte Zug hier färhr?