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Landgericht

Skurrile Mischung aus Wut und Liebe

15.12.2011 | 18:27 Uhr

Hemer/Hagen.„Die hat wie eine Irre auf mich eingestochen.“ – Im Prozess gegen Marita F. (45) hat das Hagener Schwurgericht gestern Siegfried E., das mutmaßliche Opfer angehört. Im September soll ihn die Angeklagte mit zwölf wuchtigen Messerstichen lebensgefährlich verletzt haben.

Kurz nach Mitternacht am 10. September hatte Marita F. fünf Messer ergriffen und auf ihren Ex-Freund eingestochen. Der 54-Jährige war erst am Nachmittag wieder zu sich gekommen – auf der Intensivstation, wo er dann fünf Tage lag. Nach zwei Wochen hatte er das Krankenhaus verlassen dürfen. Siegfried E. ist nach wie vor krankgeschrieben. Er hofft darauf, ab Januar wieder arbeiten zu können.

Vor dem Schwurgericht traf das ehemalige Paar gestern erstmals nach der Bluttat wieder aufeinander. Während sich das Opfer um Sachlichkeit bemühte, argumentierte die Angeklagte einmal mehr in einer skurrilen Mischung aus Wut und offenbar unerwiderter Liebe. Die Worte des Ex-Freundes begleitete sie mit demonstrativen Gesten und Grimassen. Wenn auch diesmal leise, kommentierte sie die Aussagen permanent. Dann ein kurzes Signal der Einsicht: „Tut mir leid, dass ich Dir so weh getan habe.“

Der Hauptzeuge beschrieb die Frau auf der Anklagebank im Prinzip als Stalkerin, die ihm nach einigen schönen Monaten keinen Freiraum mehr gelassen, ihn mit Telefonaten und Mails förmlich überzogen habe. „Die hat mir bald die Luft weggenommen. Die Beziehung verflachte immer mehr.“ An sich – und das habe sie auch gewusst – habe er lediglich eine lockere Beziehung führen wollen. Es sei immer öfter zu Streitereien gekommen. Aber: Geschlagen oder mit dem Hals an die Wand gedrückt, habe er sie nie.

Seine Version der Tatnacht klingt deutlich anders als die von Marita F. Demnach hatte sie sich in seine Wohnung gedrängt und nicht gehen wollen. Alle Versuche, sie hinauszubefördern, abgewehrt. Zuletzt sei es ihm gelungen, sie in den Flur zu bringen. Eine Hand hatte er für die Türklinke benötigt, sich dann arglos umgedreht: „Sie stach auf mich ein, sie stach immer weiter auf mich ein. Ich kriegte noch mit, wie sie sagte ‚jetzt den noch’. Dann gingen bei mir die Lichter aus.“

Das Gericht konfrontierte Siegfried E. mit der Behauptung der Angeklagten, er habe ihr ein Messer entwunden und einen Stich versetzt. Diese Version entlockte ihm ein bitteres Lächeln: „Im Leben nicht. Dazu war ich überhaupt nicht fähig. Dann hob er die Hand zum Schwur: „Ich schwöre bei Gott, dass alles gelogen ist, was sie erzählt hat, ich schwöre.“ Seine Überzeugung: „Die Verletzung wird sie sich selbst zugefügt haben. Ich traue ihr das hundertprozentig zu. Sie hat ja schon einen Suizidversuch gemacht. Ich war es auf keinen Fall.“

Das Verfahren wird fortgesetzt.

Sylvia Mönnig

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