Singalong als Premiere und großartiges Konzert

Konzert Ebbergkirche
Konzert Ebbergkirche
Foto: IKZ

Hemer..  Wohl zum ersten Mal seit über 50 Jahren ist in Hemer am vergangenen Wochenende das so beliebte Weihnachtsoratorium,Teil I-III, von Johann Sebastian Bach aufgeführt worden und das gleich zweimal hintereinander.

Meike Pape, Kantorin an der Ebbergkirche und Leiterin der Martin-Luther-Kantorei, wagte sich auch persönlich erstmals an das monumentale Werk Bachs. Möglich wurde dies, weil die Ebbergkirche nach dem Umbau nun genug Platz für den Chor und ein – wenn auch noch reduziertes – Orchester hat.

Und mehr noch: die Kantorin hatte zudem den Mut, ein Projekt anzubieten, das in Großstädten schon häufiger zu finden ist. Samstag wurden versierte Sängerinnen und Sänger, die das „WO“ schon häufiger gesungen haben, eingeladen zum „Singalong“. Denn dieses Werk verliert offensichtlich nichts an seiner Strahlkraft - es gibt Sängerinnen und Sänger, die es weit mehr als 50 Mal aufgeführt haben.

„Singalong-Projekt“ echte Besonderheit für Sänger

So versammelten sich am Samstag zusätzlich zum Chor, dem Händel-Orchester aus Dortmund und den vier Solisten an die 50 Personen, die aus dem Kirchenraum heraus mitsangen: Chöre, Choräle - ja, und tatsächlich auch einige Arien wie die beliebte Alt-Arie „Bereite dich Zion“. Wann hat ein Chormitglied sonst schon die Gelegenheit, mit Orchester solch eine Arie zu trällern? Meike Pape dirigierte samstags denn auch zum Publikum gewandt, was natürlich für die eigentlichen Ausführenden eine besondere Herausforderung war, aber auch für sie selbst, denn das bedeutete, quasi spiegelverkehrt zu dirigieren.

Über die große Resonanz auf dieses erste „Singalong“ sind alle Beteiligten sehr erfreut, wenn auch die Zuhörerschaft an diesem Abend eher spärlich ausfiel. Das minderte jedoch nicht die Freude am besonderen, erhebenden Erlebnis – und das begann schon, als die ganze Kirche vom „Jauchzet, frohlocket“ widerhallte.

Sonntag war die Kirche ausverkauft für die „normale“ Aufführung, in der die Kantorei und einige Mitglieder des Westfälischen Kammerchors präsentierten, was sie in den vergangenen Wochen und Monaten erarbeitet hatten - und das war beachtlich! Dazu trat das dynamische Orchester, wobei die Reduktion einiger Instrumentengruppen dem Ganzen fast einen kammermusikalischen Anstrich verlieh.

60 Sängerinnen und Sänger waren es insgesamt, die Bachs musikalische Predigt der Weihnachtsbotschaft darbrachten, in festlichen Chören und zum Innehalten einladenden Chorälen. Flott nahm Kantorin Pape die Musik, und doch wurden die Koloraturen leicht und sicher gemeistert.

Überhaupt hatte die Musik oft tänzerischen Charakter, so auch die Hirtenmusik in der Mitte, ein Wechselgesang zwischen Streichern und Bläsern, vielmehr Engeln/Himmel und Hirten/Erde. Dieses Stück war daher insbesondere für die Englischhörner, die sehr sensible Musik zu spielen hatten, nicht ohne. Meike Pape hielt mit ihrem ruhigen, präzisen Dirigat die Musik zusammen und setzte deutliche Akzente.

„Halleluja“ vervollständigte Einstimmung auf Weihnachten

Das Orchester verstärkte dies noch, besonders in dem überaus sparsamen Einsatz von Continuo bei den Evangelisten-Partien von Graham Neal. Dieser sang seinen Part recht energisch und gestaltete den zu erzählenden Text lebendig aus. Die Altistin Maria Hiefinger vom Samstag musste wegen Krankheit Sonntag ersetzt werden – Michaela Günther aus Dortmund sprang ein und sang mit ihrer frischen Altstimme die Partien souverän. Bei ihrer letzten Arie „Schließe, meine Herze“ setzte der Soloviolinist einen Barockbogen ein, was beim Zusammenwirken einen sehr reizvollen Klang entstehen ließ.

Die Sopranistin Hannah Köhring, sonst Chorsängerin, war schon häufiger in der Ebbergkirche als Solistin im Einsatz. Der Kirchraum ist ihrer eher etwas zarteren Stimme angemessen, wobei sie in den Höhen eine saubere und oft schöne Strahlkraft entwickelt. Man wünschte ihr noch mehr Mut, ihr Potenzial auszuschöpfen! Im Duett „Herr, dein Mitleid“ mit dem Bassisten Sang Ywoon Park stellte sich dieser ganz auf die Stimme seiner Partnerin ein. Ansonsten sang er mit großem Wohlklang und viel Gestaltungskraft seine Partien.

Ein spannungsvoller Abend und ein gelungenes Wochenend-Konzertereignis wurde von den Besuchern mit viel Applaus honoriert - worauf tatsächlich noch das „Halleluja“ aus Händels „Messias“ als Zugabe die Einstimmung auf Weihnachten vervollständigte.