Sensationelles Konzert des east-west Quartetts
30.12.2007 | 13:29 Uhr 2007-12-30T13:29:00+0100
Hemer. Wer einen verborgenen Schatz findet, hofft zumeist ihn für sich behalten zu können. Die Entdecker des musikalischen Schatzes east-west Quartett hingegen hätten ihn sicherlich gern mit vielen anderen geteilt.
Leider aber waren am Freitag nur gut 30 (na ja, sagen wir knapp 40) Jazzfreunde ins Kulturzentrum am Park gekommen. Die aber erlebten zweieinhalb ziemlich sensationelle Stunden.
„Jazz mit Weltbürgern” hatten die vier Protagonisten angekündigt. Dass mit Trompeter Dmitrij Telmanov und Bassist Uli Bär aus Holzwickede und dem Hemeraner Schlagzeuger Benny Mokross drei von vier Bandmitgliedern nicht gerade in schillernden Weltmetropolen leben, tut der globalen Dimension des Ensembles keinen Abbruch. Und das keineswegs nur, weil der Pianist Vadim Neselovsky zur-zeit in New Orleans wohnt und arbeitet. Es ist vielmehr die Universalität der musikalischen Quellen, aus denen das Quartett schöpft: allen voran der moderne Mainstream Jazz, aber auch Blues, Rock, Latin, Klassik und am Ende auch eine Portion orientalischer Folklore kommen da zusammen, kunstvoll und harmonisch verwoben und nicht spontan und willkürlich zusammengematscht.
Ein den Ohren wohltuend schmeichelnder Sound erfüllte am Freitag den vom Kulturbüro-Team liebevoll dekorierten Saal. Die Band spielte, bis auf ein „bässchen” Verstärkung unverdrahtet und entwickelte dabei dennoch eine ungeheure Palette von Klangfarben. Ein Meister darin, das Schlagzeug vom Ruf des Krachinstrumentes zu befreien, ist Benny Mokross, der die Trommeln sprechen, die Becken singen lässt und den-noch wenn nötig dem Quartett urplötzlich kraftvollen Antrieb zu verleihen vermag. Noch mehr als mit der Trompete spielt sich Dmitrij Telmanov mit dem samtig-warmen Klang seines Flügelhorns in die Herzen, ein Virtuose, der auf der Bühne zurückhaltend und bescheiden agiert, als traue er dem eigene heausragenden künstlerische Niveau nicht. In der Mitte der Bühne Uli Bär und sein Bass, solide, sympathisch, der menschliche und organisatorische Mittelpunkt des Quartetts, dem man ansieht, dass er stolz auf diese Truppe ist, mit der er jetzt schon zum dritten Mal zum Jahresende (dann kommt Vadim nach Deutschland, um seine in Dortmund lebenden Eltern zu besuchen) auf Mini-Tour geht. Vadim Neselovsky schließlich ist nicht nur ein Irrwisch und Tausendsassa am Piano, sondern offenbar auch der musikalische Kopf der vier Freunde. Wenn er in seinen Soli zu abenteuerlichen Ausflügen ansetzt, seiner Phantasie und (durchaus sparsam) der Virtuosität seiner Hände freien Lauf lässt, dann müssen sich Uli Bär und Benny Mokross oft beeilen, ihm zu folgen. Oder aber sie bleiben unerschütterlich auf dem musikalischen Boden und geben Neselovsky Gelegenheit zur Rückkehr und weichen Ladung. Der junge Pianist sprüht nur so vor Einfällen, und wenn er mit der Linken die Klaviertasten bedient, mit der rechten eine Art Melodica - zunächst unisono, später mit Begleitakkorden hier und wilden Läufen da - dann wird das nicht wie ein zirzensisches Mätzchen, sondern ein künstlerisch überzeugender Spaß. Der begnadete Pianist aus New Orleans hat Weltklasse nach Hemer gebracht. Können gut 30 (na ja, sagen wir fast 40) Menschen einen Beifallssturm auslösen? Ja, sie können! Und sie haben es am Freitag in Hemer getan. Allen, die nicht dabei waren, sei hier-mit tief empfundenes Beileid ausgesprochen.Reinhard Köster
16:29
Genauso haben wir das auch empfunden ! Der Artikel zeigt, daß sich der Verfasser erfolgreich Mühe gegeben hat etwas atmosphärisch-akustisches in geschriebene Worte zu fassen. Gelungen! Vielen Dank Reinhard !