„Sauhaufen aus Raum 19“
13.02.2012 | 14:39 Uhr 2012-02-13T14:39:00+0100
Hemer.Sie selbst bezeichnen sich als das „dienstälteste Lehrerkabarett Deutschlands“, aber schnell wird am Freitagabend im Jugend- und Kulturzentrum deutlich, dass dieses Lehrer-Quartett als „Die Daktiker“ nicht ansatzweise in die Jahre gekommen ist. Das Programm „Best of Adolphinum“ hat es in sich.
Der Weg zum Jubiläumsfestakt wird zur ersten Herausforderung für die Pauker, jetzt muss man sich nicht nur über die Schüler ärgern, sondern auch über eine volle Autobahn. Sie kommen zu spät und feiern nun im kleinen Kreis das Jubiläum, und das ist für die Besucher ein besonderes Schauspiel. Immer mehr wird deutlich, wie furchtbar doch der Lehreralltag sein kann, wenn man es doch mit nervenden Schülern zu tun hat und es einige Exemplare gibt, die einen an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen. Schnell wird klar: Am „Adolphinum“ haben Lehrer wirklich gar nichts zu lachen, immer wieder gibt es Hürden, die zu meistern sind: Anstrengende Eltern, Streitereien im Lehrerzimmer, Unterrichtsvorbereitungen. Und wie soll man sich bloß beim Elternsprechtag - dem Großkampftag - an die einzelnen Schüler erinnern? Da hilft es, zum Beispiel den Hausmeister zu instruieren, abends in die Sprechstunde zu platzen, damit er der Lehrerin sagt, dass ihr Kind doch dringend vom Kindergarten abgeholt werden müsse. Einfallsreich muss man sein. Aber der Elternsprechtag hat am Adolphinum auch etwas Gutes: Professor Krick kratzt zu dieser Gelegenheit stets den Schimmel aus der Kaffeetasse.
Und wer sagt eigentlich, dass man die Schüler immer beschäftigen muss? „Müssen wir heute wieder machen, was wir wollen“, jammert zum Beispiel Schülerin Vanessa im Physikunterricht.
Im Publikum im Juk sitzen am Freitag viele Lehrer, die das Kabarett mit einem Augenzwinkern beobachten und sich fragen, ob das die Nicht-Lehrer denn wohl auch verstehen. Sie verstehen es! Zwischendurch werden die Gäste immer wieder von echten Lachattacken geplagt, und das nicht nur, weil sich die Lehrer zum Beispiel eine „kollegenfreundliche Familienplanung“ wünschen. „Ein Baby direkt nach den Sommerferien? Das geht doch nicht“, ist man sich einig. Die Klasse 10 c - jetzt wissen es auch die Hemeraner - „ein echter Sauhaufen aus Raum 19“.
Und als Professor Krick bei der „Psychiatreuse“ auf dem Tisch liegt, kommt es heraus: Am liebsten will er „Pruskelmotz“ Herbert aus der 10c an den Kartenständer fesseln!
Unterhaltsam geht es durch das Programm, das auch durch die musikalischen Einlagen eine echte Bereicherung erfährt. Wer hätte den - auf der Bühne - in die Jahre gekommenen Lehrern in den biederen, scheinbar verstaubten Klamotten, schon zugetraut, zum Beispiel so wunderbar Saxofon zu spielen?
„Die Daktiker“ spielen seit 1984 zusammen. 1992 feierte das erste Programm rund „Städtische Adolphinum“ Premiere, und der Erfolg veranlasste „Die Didaktiker“ sich ganz und gar auf ihr fiktives Traditionsgymnasium zu konzentrieren - selbstverständlich außerhalb des eigenen Unterrichts an Gymnasium, Gesamtschule und Förderschule.
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