Ruhestörung, Müll und keine Regeln

Notunterkünfte am Lusebrink
Notunterkünfte am Lusebrink
Foto: IKZ

Hemer..  „Es geht eine Woche gut, dann ist wieder alles verdreckt. Dazu kommt die ständige Ruhestörung. 50 Jahre sind genug. Dezentrale Unterbringung bedeutet auch, sich von Häusern zu trennen.“ Im Sozialausschuss kam am Dienstag ein Anwohner der Straße Am Lusebrink zu Wort, der stellvertretend für die Nachbarschaft appellierte, die Notunterkünfte der Stadt Hemer abzureißen und nach anderen Lösungen für die Unterbringung von Obdachlosen und Asylbewerbern zu suchen. In den Wohnungen Am Lusebrink sind aktuell 34 Personen – davon zehn Kinder – untergebracht.

Dezentrale Unterbringung nicht immer möglich

Die Stadt Hemer verzeichnet zwar große Erfolge mit ihrer kommunalen Wohnberatung, aber es können eben nicht alle Familien, vor allem Großfamilien, in privaten Wohnungen untergebracht werden. Durch die Wohnberatung wurden die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen, aktiv und präventiv mit der so genannten Wohnungsnotfallsituation umzugehen, aber komplett kann der Bedarf nicht abgedeckt werden. So werden aktuell noch die Notunterkünfte Am Lusebrink und an der Pestalozzistraße genutzt. An der Pestalozzistraße leben aktuell 17 männliche Asylbewerber.

Ausschussvorsitzender Stefan Stegbauer bestätigte die Aussagen des Anwohners und sieht Handlungsbedarf. Auch seitens der Verwaltung ist man sich der Problematik bewusst: „Wir verantworten diese Zustände, und wir müssen da mehr machen. Es kann sein, dass uns das Budget um die Ohren fliegt, aber wir müssen da nicht nur was für die Bewohner, sondern auch was für die Anwohner unternehmen“, sagte Dezernent Klaus Erdmann am Dienstag in der Sitzung des Ausschusses, und der neue Amtsleiter Ertunc Deniz fügte hinzu, dass „im Hause“ das Bewusstsein herrsche, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ein Abriss kommt aktuell aber nicht in Frage.

Für die Notunterkünfte Am Lusebrink gibt es einen Hausmeister, der aber in nur drei Wochenstunden nicht viel ausrichten kann, um der Lage dort Herr zu werden. Erste Lösungen stellte Klaus Erdmann vor: Zum einen wird der Hausmeistereinsatz nun optimiert, zum anderen bekommt der Verein „Integrative Sozialarbeit Iserlohn“ direkt in einem der Häuser ein Beratungsbüro. Erdmann verspricht sich davon, dass die Mitarbeiter ein Auge auf die gesamte Situation haben und so insgesamt eine Verbesserung eintritt.

Die Wohnberatung der Stadt Hemer hat sich mittlerweile ein großes Netzwerk aufgebaut. So kann Obdachlosigkeit verhindert werden und die Menschen überwiegend dezentral untergebracht werden. Weil es in Hemer eine Erstaufnahme-Asylbewerbereinrichtung gibt, werden der Stadt aktuell keine neuen Asylbewerber zugewiesen.

Die Wohnberatung hat in der Zeit von August 2011 bis Mai 2015 insgesamt 644 Beratungsfälle aufgenommen. Davon sind 233 Fälle der Wohnberatung und 411 Fälle der Wohnraumvermittlung zuzuordnen. Die Wohnberatung hat eine Kooperation mit der Wohnungsbaugesellschaft Hemer. Weitere Partner sind alle Vermieter oder deren Verwalterorganisationen, die sozialen Leistungserbringer und die Rat suchenden und betroffenen Menschen selbst. Durch den Kooperationsvertrag mit der Wohnungsbaugesellschaft werden geleistete Arbeitsstunden durch eine Spende vergütet. Dadurch konnte eine Zehn-Stunden-Kraft für ein Jahr ab Februar 2013 refinanziert werden.